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[Schweiz] Gegen Patriarchale Gewalt – Hier Und Überall

Am 26. November, ein Tag nach dem internationalen Tag gegen Gewalt an FLINTA-Personen, nehmen wir uns die Strassen! FLINTAs (Frauen, Lesben, inter, non-binäre, trans und agender Personen) sind tagtäglich der Gewalt des Patriarchats ausgesetzt. Patriarchale Gewalt nimmt viele Formen an und hat das Ziel uns zu unterdrücken, klein zu machen und bestehende Machtverhältnisse und Hierarchien aufrecht zu erhalten. Tagtäglich sollen wir in Angst leben und dadurch kontrolliert werden, um zu verhindern, dass wir uns organisieren und uns wehren.

Uns wird gesagt, wir sollen bestimmte Orte meiden, uns nicht aufreizend oder ausserhalb von Geschlechternormen kleiden, keine berauschenden Substanzen zu uns nehmen, wenn wir sicher und unversehrt sein wollen. Die Strafe für das Nicht-befolgen dieser Regeln ist Vergewaltigung und andere Formen von Gewalt.
Auch im verborgenen, häuslichen Kontext erfahren FLINTAs Gewalt. Oft durch uns nahestehende cis Männer. Dazu gehört psychische Gewalt in toxischen Beziehungen, wo wir beschimpft werden und uns gesagt wird, dass wir nicht genügen und uns für unsere Körper und Identitäten schämen sollen.
Auch körperlich werden wir misshandelt. Wir werden bespuckt, geschlagen, gestossen, auf den Boden gedrückt. Sexualisierte Gewalt ist ein Mechanismus des Patriarchats, uns zu kontrollieren. Denn entgegen geläufigen Darstellungen geht es hierbei nicht um Sex. Es geht um Gewalt, um Erniedrigung, um Kontrolle. Der Feminizid stellt dabei die letzte Eskalationsstufe dar. Jede Woche überlebt in der Schweiz eine FLINTA-Person einen Tötungsversuch. Jede zweite Woche stirbt eine von uns als Folge von machistischer Gewalt. Eli in Genf, Ladina in Chur, Melanie im Jura, Luiza in Zürich… Wir vergessen euch nicht!

In den Medien und im Alltag werden diese Fälle von patriarchaler Gewalt als Einzelfälle abgetan, die aus Eifersucht, im privaten Kontext geschehen. Damit wird versteckt, dass diese Gewalt Struktur hat. In Berichterstattungen über Feminizide wird die Perspektive des Täters eingenommen und das Verhalten des Täters entschuldigt. Die Schuld wird bei der betroffenen Person gesucht: Sie hätte ihn provoziert. Sie war angetrunken, hat mit einem anderen Mann geflirtet usw. Spätestens seit dem Urteil vom Basler Appelationsgericht vom 30. Juli 2021 wissen wir, dass diese Scheinargumente auch juristisch als strafmindernde Umstände in Fällen von Vergewaltigung benutzt werden. Das zeigt auf, dass victim-blaming und -shaming institutionell verankert sind und Teil der Struktur des Patriarchats sind. Diese vermeintlich privaten Delikte sind nämlich hoch politisch!

Wir erkennen das und lassen uns nicht vereinzeln. Wir kämpfen gemeinsam mit unseren Genoss*innen in Lateinamerika, die sich mit militanten Massendemonstrationen gegen das System auflehnen. Wir kämpfen mit unseren Genoss*innen in Rojava, die dort trotz Krieg die feministische Revolution leben und entwickeln. Wir kämpfen mit allen revolutionären FLINTAs weltweit. Ihr Widerstand stärkt und inspiriert uns. Gemeinsam stehen wir auf, unterstützen einander und wehren uns gegen die Angriffe von der Polizei und dem bürgerlichen Justizsystem, die im Dienste des herrschenden Systems versuchen, unsere Bewegung zu schwächen! Die Solidarität gibt uns Kraft. Gemeinsam bekämpfen wir das Patriarchat. Deswegen nehmen wir uns am 26. November gemeinsam die Strassen und setzen ein lautstarkes Signal gegen patriarchale Gewalt.

Ni una menos, vivas nos queremos!

Von Anonym

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