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Die anarchistische Praxis der Bildung einer Massenbewegung und der revolutionären Organisation

Adam Weaver ist ein anarchistischer Kommunist aus San Jose,
Kalifornien. Der Text erschien ursprünglich auf Englisch im Magazin
„The Northeastern Anarchist“ Nr. 11 (http://nefac.net/node/2081). Er
kam später in abgeänderter Form als Broschüre heraus, die bei
Anarmedia (http://www.anarmedia.info) auch auf Deutsch erschienen
ist. Diese Übersetzung wurde für die vorliegende Broschüre leicht
überarbeitet.


Überall auf der Welt befindet sich die anarchistische Beteiligung an
Massenbewegungen sowie die Entwicklung von spezifisch anarchistischen
Organisationen im Aufschwung. Dieser Trend hilft dem Anarchismus, die Legitimität als dynamische politische Kraft innerhalb von Bewegungen wiederzugewinnen. In diesem Zusammenhang bekommt auch der Especifismo, ein Konzept, das auf einer 50-jährigen Erfahrung in Südamerika beruht, weltweit immer mehr Aufmerksamkeit.
Obwohl viele Anarchistinnen und Anarchisten mit den grundlegenden Ideen, die der Especifismo postuliert, bereits vertraut sein dürften, sollte er doch als ein originärer Beitrag zum Denken und zur Praxis des Anarchismus betrachtet werden.

Die erste Organisation, die das Konzept des Especifismo entwickelt hat – damals mehr eine Praxis als eine ausgebildete Ideologie – war die Federación Anarquista Uruguaya (FAU), die 1956 von Anarchistinnen und Anarchisten gegründet wurde, welche die Idee einer spezifisch anarchistischen Organisation umsetzen wollten. Die Diktatur in
Uruguay überlebt, begann die FAU Mitte der 1980er-Jahre, Kontakte mit anderen südamerikanischen anarchistischen Revolutionärinnen und Revolutionären aufzunehmen und diese zu beeinflussen. Die Arbeit der FAU förderte die Gründung der Federação Anarquista Gaúcha (FAG), der Federação Anarquista Cabocla (FACA) und der Federação Anarquista do Rio de Janeiro (FARJ) in den jeweiligen Regionen Brasiliens sowie der argentinische Organisation Auca (Rebell). Die Schlüsselkonzepte
des Especifismo werden weiter unten genauer erklärt, doch sie können hier in den folgenden drei Punkten zusammengefasst werden:

  1. Die Notwendigkeit einer spezifisch anarchistischen Organisation, die auf einer Einheit von Ideen und Praxis aufgebaut ist.
  2. Den Gebrauch der spezifisch anarchistischen Organisation zur Entwicklung von Theorien und strategischer politischer und organisatorischer Arbeit.
  3. Aktive Einmischung in sowie die Bildung von autonomen und breiten sozialen Bewegungen, was als Prozess der “gesellschaftlichen Einfügung” bezeichnet wird.
    Ein kurzer historischer Rückblick
    Obwohl sich der Especifismo erst in den letzten Jahrzehnten im lateinamerikanischen Anarchismus entwickelt hat, leiten sich die Ideen, auf denen das Konzept aufbaut, von einem historischen Faden ab, der sich durch die internationale anarchistische Bewegung zieht. Die bekannteste ist die plattformistische Strömung, die mit der Publikation der “Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union”
    begann. Dieses Dokument wurde 1926 von dem ehemaligen militanten
    Kleinbauernanführer Nestor Makhno, Ida Mett und anderen Anarchistinnen und Anarchisten der Dielo Trouda (die Angelegenheit der Arbeiter) geschrieben, basierend auf der Zeitung mit demselben Namen (Skirda, 192-213). Als Exilantinnen und Exilanten der russischen Revolution kritisierte die Dielo Trouda in Paris die anarchistische Bewegung wegen ihres Mangels an Organisation, die ein gemeinsames
    Vorgehen gegen bolschewistische Machenschaften, Arbeitersowjets in ein Instrument der Einparteienherrschaft zu verwandeln, unmöglich machte. Als Alternative schlugen sie eine „Generelle Union der Anarchisten” vor, die auf anarchokommunistischen Grundsätzen, nach einer „theoretischen und taktischen Einheit” streben und sich auf den Klassenkampf und die Gewerkschaften konzentrieren sollte.
    Eine ähnliche Entwicklungen war der “Organisatorische Dualismus”, der in historischen Dokumenten der italienischen anarchistischen Bewegung der 1920er-Jahre erwähnt wird. Die italienischen Anarchistinnen und Anarchisten verwendeten diesen Begriff, um die Beteiligung sowohl an anarchistischen politischen Organisationen als auch in der ArbeiterInnenbewegung (FdCA) zu fördern. In Spanien gründeten sich die „Freunde von Durruti”, eine Gruppe, die gegen die allmähliche Rückgängigmachung der Spanischen Revolution von 1936 agitierten (Guillamon). Im Dokument „Hacia una nueva revolución“ („In Richtung einer neuen Revolution“) griffen sie einige Ideen der
    Plattform auf, kritisierten den Reformismus der CNT-FAI und deren Kollaboration mit der republikanischen Regierung, welche, so behaupteten sie, zur Niederlage der antifaschistischen und revolutionären Kräfte beigetragen hatte. Einflussreiche Organisationen in der anarchistischen Bewegung Chinas zwischen 1910 und 1920, etwa Wuzhengfu-Gongchan Zhuyi Tongshi Che (Gesellschaft anarchistischkommunistischer Genossen), schlugen ähnliche Ideen vor (Krebs). Obwohl diese
    unterschiedlichen Strömungen alle spezifische Merkmale haben, die aus den jeweiligen Bewegungen und Ländern heraus entstanden sind, teilen sie doch alle die gleichen Ideen, die Bewegungen, Zeiten und Kontinente überqueren.
    Especifismo ausgearbeitet
    Die Especifistas sehen ihre Politik auf drei Hauptpfeilern ruhend, wobei die zwei ersten im Bereich der Organisation liegen. Mit der Betonung der Notwendigkeit, eine spezifisch anarchistische Organisation mit Einheit in Theorie und Praxis aufzubauen, machen die Especifistas klar, dass sie gegen eine Synthese-Organisation1 von Revolutionärinnen und Revolutionäre oder eine lose Verbindung von verschiedenen
    anarchistischen Strömungen sind. Sie sehen diese Form von Organisation als eine übertriebene Suche nach einer notwendigen Einigung von Anarchistinnnen und Anarchisten, die bis zu dem Punkt gehen kann, wo Einigkeit auf Kosten von klaren Positionen, Ideen und Vorschlägen hergestellt wird. Das Ergebnis dieser Arten von Vereinigungen sind libertäre Kollektive, die nicht viel mehr gemeinsam haben, als sich
    als Anarchistinnen und Anarchisten zu bezeichnen. (En La Calle)
    Obwohl diese Kritiken von den süd-amerikanischen Especifistas ausgearbeitet wurden, haben nordamerikanische Anarchisten und Anarchistinnen ebenso ihre Erfahrungen mit synthetischen
    Organisationen aufgezeigt, denen es aufgrund von verschiedenen und sogar widersprüchlichen politischen Tendenzen an jeglichem Zusammenhalt mangelt. Oft führen die Vereinbarungen solcher Gruppen dazu, dass nur eine vage Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners entsteht, die nur wenig Spielraum für gemeinsame Aktionen oder
    entwickelte politische Diskussionen zwischen Anarchistinnen und Anarchisten zulässt.
    Ohne eine Strategie, die sich aus einer gemeinsamen politischen Vereinbarung ergibt, sind revolutionäre Organisationen dazu verurteilt, lediglich auf Manifestationen von Unterdrückung und Ungerechtigkeit reagieren zu können und einem Kreislauf von unfruchtbaren Aktionen hängen zu bleiben, welche immer wieder wiederholt werden, ohne je deren Konsequenzen zu analysieren oder zu verstehen (Featherstone et al). Weiter kritisieren die Especifistas an dieser Tendenz, dass sie von Spontaneität und Individualismus geprägt ist und nicht zu seriöser, systematischer Arbeit führt, die nötig wäre, um revolutionäre
    Bewegungen aufzubauen. Die lateinamerikanischen Revolutionärinnen und
    Revolutionäre betonen, „dass Organisationen mit einem Programm, dass sich jeglicher kollektiver Disziplin widersetzt, sich weigert, sich selbst zu definieren oder sich anzupassen, direkt aus dem bürgerlichen Liberalismus entspringt, der nur auf starke Anreize reagiert, nur in extremen Situationen kämpft und darauf verzichtet, fortgesetzt zu arbeiten, besonders in den vergleichsweise ruhigen Phasen zwischen Kämpfen.“ (En la Calle)
    Ein wichtiger Punkt in der especifistischen Praxis ist die Rolle der anarchistischen Organisation, die auf der Basis einer gemeinsamen Politik beruht, als ein Raum für die
    1 Das Konzept der Synthese-Anarchismus entstand wie die Plattform Mitte der 1920er-Jahre in
    Frankreich. Im Gegensatz versucht er, die organisationswilligen Teile der anarchi-individualistischen,
    anarcho-kommunistischen und anarcho-syndikalistischen Strömungen zu föderieren. Heute wird
    dieses Konzept durch die Internationale der anarchistischen Föderationen (IAF/IFA) vertreten.

    Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie und die Reflexion über die
    Organisierungsarbeit der Gruppe. Gestützt durch kollektive Verantwortung gegenüber den Plänen und der Arbeit der Organisation wird ein Vertrauen zwischen den Mitgliedern und Gruppen aufgebaut, welches eine tiefgründige, auf hohem Niveau geführte Diskussion der Aktionen zulässt. Das erlaubt der Organisation, kollektive Analysen durchzuführen, kurzfristige und langfristige Ziele zu entwickeln und
    kontinuierlich ihre Arbeit aufgrund von Erfahrungen und Umständen zu reflektieren und zu redigieren.
    Aufgrund dieser Praktiken und aufgrund der Basis ihrer ideologischen Prinzipien, sollten revolutionäre Organisationen versuchen, ein Programm zu entwickeln, das ihre kurz- und mittelfristigen Ziele definiert und das auf ihre langfristigen Ziele hinarbeitet:
    Das Programm muss sich von einer genauen Analyse der Gesellschaft und von den Zusammenhängen der Kräfte, die ein Teil davon sind, herleiten. Das Fundament muss die Erfahrung der Kämpfe der Unterdrückten und deren Bestrebungen sein, und von diesen Elementen her müssen Ziele und Aufgaben formuliert werden, die von der revolutionären Organisation verfolgt werden, um nicht nur im Endziel, sondern auch in den Etappen Erfolge zu erzielen. (En La Calle) Der letzte Punkt, der in der Praxis des Especifismo zentral ist, ist die Idee der “gesellschaftlichen Einfügung”.2
    Sie wurzelt im Glauben, dass die Unterdrückten der revolutionärste Teil der Gesellschaft sind und dass der Samen der zukünftigen revolutionären Transformation der Gesellschaft schon in diesen Klassen und sozialen
    Gruppierungen liegt. Gesellschaftliche Einfügung meint anarchistische Einmischung in die alltäglichen Kämpfe der Unterdrückten und der ArbeiterInnenklasse. Sie bedeutet nicht die Arbeit in Ein-Themen-Interessenkampagnen, in der die üblichen politischen
    Aktivistinnen und Aktivisten tätig sind, sondern innerhalb von Bewegungen jener Menschen, die um eine Verbesserung ihrer Situation kämpfen, die nicht immer nur aus materiellen Nöten zusammenkommen, sondern auch aus sozialen und geschichtlich verwurzelten Gründen, um gegen die Attacken des Staates und des Kapitalismus Widerstand zu leisten. Diese beinhalten die ArbeiterInnenbewegungen der breiten
    Masse, Bewegungen von Immigrantinnen und Immigranten, die eine Legalisierung ihres Status fordern, Nachbarschaftsorganisationen, die gegen Polizeigewalt und Polizeimorde aufstehen, Studierende der ArbeiterInnenklasse, die gegen Budgetkürzungen antreten, und die armen und erwerbslosen Menschen, die gegen Zwangsräumungen und Leistungskürzungen kämpfen.
    Durch die alltäglichen Kämpfe werden die Unterdrückten zu einer bewussten Kraft. Die Klasse an sich, oder mehr noch die Klassen an sich (als Definition, die über die reduktionistische Sichtweise des städtischen Proletariats hinausgeht, um alle unterdrückten Gruppen in der Gesellschaft zu umfassen, die ein materielles Interesse
    an einer neuen Gesellschaft haben), werden durch diese täglichen Kämpfe, in denen es um unmittelbare Notwendigkeiten geht, zu stärkeren, kampferprobten, und 2 Obwohl der Begriff “gesellschaftliche Einfügung”, der direkt aus den Texten des Especifismo kommt, Organisationen beeinflusst hat, sind einige meiner Genossinnen und Genossen mit ihm nicht einverstanden. Bevor man diesen Begriff also voreilig und unkritisch verwendet, sollte er vielleicht diskutiert werden.
    restituierten Klassen an sich. D.h., sie entwickeln sich von sozialen Klassen und Gruppierungen, die objektiv und aufgrund gesellschaftlicher Beziehungen existieren, zu einer tatsächlichen sozialen Kraft. Zusammengeführt durch natürliche Methoden, und vielfach durch ihren eigenen selbst organisierten Zusammenhalt, werden sie zu
    selbstbewussten Akteurinnen und Akteuren, die sich ihrer Macht, Stimme und ihrer wahren Feinde – führende Eliten, die Kontrolle über die Machtstrukturen der modernen sozialen Ordnung ausüben – bewusst sind.
    Beispiele für gesellschaftliche Einfügung, welche die FAG angibt, sind ihre Arbeit in Nachbarschaftskomitees in städtischen Gemeinden und Slums (die populäre Widerstandskomitees genannt werden), Allianzen mit einfachen Mitgliedern der Landlosenbewegung MST, und innerhalb der AbfallsammlerInnen. Aufgrund des massiven Anteils temporärer und abhängiger Arbeit, Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit in Brasilien überlebt ein wichtiger Anteil der ArbeiterInnenklasse nicht primär durch Lohnarbeit, sondern durch Subsistenzwirtschaft und im informellen
    Wirtschaftssektor, wie etwa Gelegenheitsjobs auf dem Bau, Strassenhandel oder das Sammeln von Abfall und recyclebaren Gegenständen. Aufgrund von einigen Jahren Arbeit hat die FAG eine starke Beziehung zu städtischen AbfallsammlerInnen, die catadores, aufgebaut. Mitglieder der FAG haben diese unterstützt, ihre eigenen nationalen Organisationen zu gründen, welche AbfallsammlerInnen mit ihren Interessen national mobilisieren und Geld sammeln, um einen kollektiv organisierten
    Recyclingbetrieb aufzubauen.3 Die especifistische Konzeption sieht nicht vor, dass seine Theorie durch eine Führerschaft, eine „Massenlinie“ oder durch Intellektuelle den Massenbewegungen aufgezwungen wird. Anarchistische Aktivistinnen und Aktivisten sollten nicht
    versuchen, soziale Bewegungen zu anarchistischen Proklamationen zu bewegen, sondern ihren genuin anarchistischen Charakter (Selbstorganisation, Kampf für die eigenen Interessen) bewahren. Das setzt die Perspektive voraus, dass soziale Bewegungen ihre eigene Logik finden, oder eine Revolution machen, die nicht notwendigerweise voraussetzt, dass sie sich selber als Anarchistinnen und Anarchisten
    sehen, sondern wenn sie als Ganzes (oder zumindest mit überwältigender Mehrheit) ein Bewusstsein ihrer eigenen Macht erlangt haben und diese Macht im alltäglichen Leben ausüben, also in ihrer Weise anarchistische Ideen adaptieren. Eine zusätzliche Rolle der anarchistischen Aktivistinnen und Aktivisten innerhalb der sozialen Bewegungen ist, so glauben die Especifistas, sich an die vielfältigen politischen Strömungen, die innerhalb der Bewegungen existieren werden, zu wenden und aktiv
    gegen opportunistische Elemente wie Avantgardismus und Wahlpolitik vorzugehen.
    Especifismo im Kontext des nordamerikanischen und
    westeuropäischen Anarchismus

    Innerhalb der aktuellen Strömungen des revolutionären, organisierten Anarchismus in Nordamerika und Westeuropa weist vieles auf die Inspiration und den Einfluss der Plattform hin, die weltweit den grössten Anteil am momentanen Aufblühen der am
    3 Eduardo, damals Sekretär für externe Beziehungen der brasilianischen FAG. “Saudacoes Libertarias
    dos E.U.A.” E-mail an Pedro Ribeiro. 25. Juni 2004
    Klassenkampf orientierten anarchistischen Organisationen hat. Viele sehen die Plattform als ein historisches Dokument, welches die Fehler des organisierten Anarchismus innerhalb der globalen revolutionären Bewegungen dieses Jahrhunderts anspricht, und verorten sich selbst in dieser „plattformistischen Tradition”. Aus diesem
    Grund verdienen Especifismo und der Plattformismus einen Vergleich und eine Gegenüberstellung.
    Die Autorinnen und Autoren der Plattform waren Veteranen der Russischen Revolution. Sie unterstützten den Guerillakrieg der Kleinbäuerinnen und -bauern gegen die westeuropäischen Armeen und später gegen die Bolschewiki in der Ukraine, deren Bürgerinnen und Bürger eine vom russischen Imperium unabhängige Geschichte
    hatten. Deshalb sprachen die Autoren der Plattform mit Sicherheit aus einer Fülle von Erfahrungen und innerhalb ihres historischen Kontextes von einem der zentralsten Kämpfe. Aber das Dokument führt seine Ankündigung, Klassenkampfanarchistinnen und -anarchisten zu vereinen, kaum aus und ist sehr still in der Analyse oder dem Verständnis von zahlreichen Schlüsselfragen, welche Revolutionärinnen und
    Revolutionäre dieser Zeit beschäftigt haben, etwa die Unterdrückung von Frauen oder der Kolonialismus.
    Obwohl die meisten heutigen anarchokommunistisch orientierten Organisationen behaupten, von der Plattform beeinflusst zu sein, kann diese im Rückblick nur als ein pointiertes Statement gesehen werden, das aus dem Sumpf heraus entstanden ist, in den der Anarchismus nach der Russischen Revolution gefallen ist. Als ein historisches Projekt werden die Vorschläge und Grundideen der Plattform von individualistischen
    Tendenzen innerhalb der anarchistischen Bewegung zum grössten Teil abgelehnt, werden aufgrund von Sprachbarrieren missverstanden, wie manche behaupten (Skirda, 186), oder hat nie ihm wahrscheinlich zugeneigte Elemente oder Organisationen erreicht, die sich um dieses Dokument herum hätten vereinen können.
    1927 organisierte die Gruppe Dielo Trouda in Frankreich eine kleine internationale Konferenz für ihre Unterstützerinnen und Unterstützer in Frankreich, die aber schnell von den Behörden aufgelöst wurde.
    Im Vergleich dazu ist die Praxis des Especifismo eine lebendige, entwickelte Praxis und eine viel relevantere und aktuellere Theorie, die sich aus 50 Jahren anarchistischer Organisation heraus entwickelt hat. Entsprungen am südlichen Ende Lateinamerikas, aber mit einem weitreichenden Einfluss darüber hinaus, leiten sich die Ideen des
    Especifismo nicht von einem einzelnen Dokument ab, sondern haben sich von selbst aus den Bewegungen des globalen Südens heraus entwickelt, welche den Kampf gegen den internationalen Kapitalismus anführen und Beispiele für die weltweite Bewegungen setzen. Die Especifistas rufen zu einer viel weniger prononcierten anarchistischen Organisation als die Plattform mit ihrer “theoretischen und ideologischen Einheit” auf, aber ein strategisches Programm, welches auf Analysen basiert, leitet die Aktionen der Revolutionärinnen und Revolutionäre. Sie zeigen uns
    lebendige Beispiele revolutionärer Organisation auf, die auf der Notwendigkeit gemeinsamer Analyse, geteilter Theorie und einer festen Verwurzelung innerhalb der sozialen Bewegungen basieren.

    Ich glaube, dass uns die Tradition des Especifismo viel Inspiration geben kann, nicht nur auf einer globalen Ebene, sondern auch und vor allem für nordamerikanische Klassenkampfanarchistinnen und -anarchisten und für multiethnische Revolutionärinnen und Revolutionäre innerhalb der USA. Während die Plattform leicht so verstanden werden kann, dass sie die Rolle der Anarchistinnen und Anarchisten eng und vor allem innerhalb der Gewerkschaften sieht, zeigt uns der Especifismo lebendige Beispiele auf, die anschaulich sind und die uns mehr für unsere Arbeit der Bildung
    einer heutigen revolutionären Bewegung bieten können. Ich hoffe ausserdem, dass uns dieser Artikel, wenn wir all das bedenken, helfen kann, konkreter zu reflektieren, wie wir uns als Bewegung definieren und unsere Traditionen und Einflüsse ausbilden können.
    Bibliografie
    En La Calle (Unsignierter Artikel). “La Necesidad de Un Proyecto Propio, Acerca de la importancia
    del programa en la organizacion polilitica libertaria” oder “The Necessity of Our Own Project,
    On the importance of a program in the libertarian political organization.” En La Calle,
    publiziert von der Argentinischen OSL (Organización Socialista Libertaria) Juni 2001. 22. Dez.
  4. Übersetzung von Pedro Ribeiro. Original Portugiesisch oder Englisch
    Featherstone, Liza, Doug Henwood und Christian Parenti. “Left-Wing Anti-intellectualism and its
    discontents” Lip Magazine 11 Nov 2004. 22 Dec 2005 .
    Guillamon, Agustin. The Friends of Durruti Group: 1937-1939. San Francisco: AK Press, 1996.
    Krebs, Edward S. Shifu, the Soul of Chinese Anarchism. Landham, MD: Rowman & Littlefield, 1998.
    Northeastern Anarchist. The Global Influence of Platformism Today von The Northeastern
    Federation of Anarchist Communists (Johannesburg, South Africa: Zabalaza Books, 2003),

  5. Interview with Italian Federazione dei Comunisti Anarchici.
    Skirda, Alexandre. Facing the Enemy:
    A History of Anarchist Organization
    from Proudhon to May 1968.
    Oakland, CA: AK Press 2002.