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Chile: Feuriger Widerstand nach dem Mord an Pablo Marchant — eine Chronik

Via Act for Freedom Now!

Im Süden Chiles führt ein Teil der Mapuche-Bevölkerung seit vielen Jahren einen erbitterten Kampf gegen die Großgrundbesitzenden (indem sie ihre Villen niederbrennen und ihr Land besetzen) sowie gegen Agroforstbetreibende, große Wasserkraftwerke und intensive Lachsfarmen. In diesem Zusammenhang wurde Pablo Marchant Gutiérrez am Freitag, den 9. Juli in Carahue bei einem Angriff auf die Fahrzeuge der Firma Forestal Mininco (eine Tochtergesellschaft des Zellulose-Riesen CMPC) ermordet.

Der 29-jährige ehemalige Anthropologiestudent, der sich später über die CAM (Coordinadora Arauco Malleco) dem Kampf der Mapuche anschloss, beteiligte sich gegen 17 Uhr an der Verbrennung eines Kleinbusses, eines Skidders und eines Tankwagens auf der Plantage Santa Ana-Tres Palos, als er von der Carabinieri, die die Interessen der Holzfäller schützen sollten, aus nächster Nähe in den Kopf geschossen wurde. Ein weiterer Saboteur und ein Angestellter wurden bei dem Schusswechsel ebenfalls durch Kugeln verwundet. Die Staatsanwaltschaft spekulierte schnell, dass die Kugel, die letzteren ins Krankenhaus brachte, aus der M16 kam, die Pablo Marchant in der Hand hielt.

Die CAM ihrerseits gab sofort bekannt, dass Pablo während einer Sabotageaktion einer ihrer lokalen Gruppen (Órgano de Resistencia Territorial, ORT), der sogenannten Lafkenche-Leftraru, von einem Carabiniere erschossen worden war und somit ein Mapuche-Kämpfer (weichafe) wurde, der während des Kampfes gefallen war. Sein Leichnam wurde am nächsten Tag von 300 Menschen vom Forensischen Institut in Temuco zur Gemeinde Lumaco begleitet, wo eine Mahnwache für seinen Leichnam bis Dienstag, den 13. Juli, dem Tag seiner Beerdigung, abgehalten wurde.

Die Ankündigung der Ermordung löste natürlich am darauffolgenden Sonntag wütende Demonstrationen von Santiago bis Antofagasta aus, sowie zahlreiche Straßensperren, Schüsse gegen Carabinieri oder Wachen der Landbesitzenden und Brandanschläge anderer radikaler Mapuche-Gruppen in mehreren verschiedenen Regionen (Biobío, La Araucanía und Los Ríos). Weit davon entfernt, Gerechtigkeit vom mörderischen Staat zu suchen, machten sich diese sofort daran, die Ideen von Pablo Marchant am Leben zu erhalten, indem sie Unternehmen angriffen, die Wasser oder den Wald im gesamten Mapuche-Gebiet ausbeuten.

Ein kurzer chronologischer Überblick der letzten Tage…

Region La Araucanía

In der Nacht auf den 10. Juli gingen gegen 4.30 Uhr in der Gemeinde Vilcún in der Siedlung Quintrilpe drei Kipper, ein Bagger, ein Frontlader und zwei Container eines Unternehmens zur Gewinnung von Holzzuschlagstoffen in Flammen auf.

Region La Araucanía

Am Samstag, den 10. Juli gegen 18 Uhr in Victoria, wo Barrikaden auf der Autobahn, die den Süden mit dem Norden des Landes über mehr als 3000 Kilometer verbindet (Ruta 5), errichtet wurden, wurde ein LKW der Firma Embotelladora Andina/Coca-Cola von etwa 50 Demonstrierenden abgefangen, sein Fahrer zum Aussteigen gezwungen, nachdem er das Fahrzeug quer über die Gleise gestellt hatte, und dann wurde sein Führerhaus in Brand gesetzt.

Region Los Ríos

Am Sonntag, den 11. Juli, gegen 1 Uhr morgens wurden in Panguipulli, auf dem Landgut Santa Rosalía, drei Forstmaschinen und ein Pick-up der Firma Forestal Arauco in Brand gesetzt, nachdem der Wachmann außer Gefecht gesetzt worden war.

Region La Araucanía

Am Montag, den 12. Juli gegen 6 Uhr morgens in Ercilla, in der Gegend von Pidima, schnitten mehrere Dutzend Unbekannte unerwartet die Ruta 5 mit einer kleinen Barrikade aus brennenden Reifen ab und zwangen den ersten LKW zum Anhalten, sowie die folgenden. Dann forderten sie die Fahrer auf, freiwillig oder mit Gewalt auszusteigen (drei widerspenstige Fahrer wurden verletzt), und übergossen dann die ersten sechs Berufsfahrzeuge über hundert Meter mit Benzin: ein Container-LKW, drei Tankwagen (von einer Firma in Puerto Montt, die Lachs transportierte), ein Holzfäller-LKW (der Holz transportierte) und ein Pick-up-Truck wurden zerstört

Region Biobío

Am Montag, den 12. Juli gegen 9.30 Uhr in Cañete, im Sektor Paso Los Negros der Forstwirtschaft El Hualle, neutralisierten ein Dutzend Unbekannte die dort arbeitenden Mitarbeitenden und setzten anschließend nicht weniger als sechzehn Forstbaumaschinen und LKWs der Firma Forestal Arauco in Brand. Laut dem Sprecher des nationalen Verbandes der Forstunternehmer (Asociación de Contratistas Forestales), der sich gegenüber einer lokalen Zeitung beschwerte, belaufen sich ihre direkten Verluste durch diese Art von Angriffen seit 2014 auf fast 160 Millionen Dollar…

Schließlich, am Samstagmorgen, immer noch in Cañete, zwei Tage zuvor, diesmal in der Gegend von Peleco, etwa zehn Kilometer südlich, traf es das Haus, das der Staatsanwalt Luis Morales seit seiner Versetzung im Jahr 2019 nach fünfzehn Jahren dort behalten hatte. Es wurde absichtlich in Schutt und Asche gelegt, während eine Botschaft, die sich auf den Mord an Pablo bezog, an seine Wand gesprüht wurde.

Cañete, 11. Juli: der Staatsanwalt vor den Überresten seines Landhauses

Region La Araucanía

Am Dienstag, den 13. Juli, gegen 5 Uhr morgens in Nueva Imperial, an der Straße Misión Boroa, entfernten unbekannte bewaffnete Personen gewaltsam Bewohner_innen von einem Grundstück und setzten dann die beiden daneben stehenden Forstgeräte zur Gewinnung von Holzpellets in Brand: einen Bagger und einen Frontlader.

Nueva Imperial, 13. Juli: die beiden in Brand gesetzten Forstmaschinen

Am Mittwoch, den 14. Juli schließlich, dem Tag nach der Beerdigung von Pablo Marchant in Lumaco, wollte ein General der Carabineros die Zahlen der 85 „Gewalttaten“ veröffentlichen, die seit der Ermordung von Pablo im gesamten Mapuche-Gebiet stattgefunden hatten, von Freitagabend, den 9. Juli, bis Mittwochmorgen: Es hatte 44 Straßenblockaden gegeben, 22 Angriffe mit Schusswaffen [d.h. Schüsse auf Carabinero-Patrouillen oder Sicherheitskräfte] und 11 Brandanschläge. Letztere zerstörten 39 Fahrzeuge (24 Forstmaschinen, 12 Lastwagen, einen Kleinbus und einen Van): 23 in Cañete, 6 in Lautaron, 4 in Panguipulli, 2 in Nueva Imperial, 1 in Padre Las Casas, 1 in Freire, 1 in Victoria und 1 in Carahue, sowie 5 Gebäude (darunter das Haus der Staatsanwaltschaft in Cañete und ein Gesundheitszentrum in Pidima am 10. Juli).

Die meisten dieser Racheangriffe fanden in 11 Gemeinden in vier Regionen (Bío Bío, La Araucanía, Los Ríos, Los Lagos) statt: Cañete, Victoria, Ercilla, Collipulli, Padre Las Casas, Temuco, Carahue, Panguipulli, Tirúa, Lautaro und Lumaco.

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