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Im besten Fall belanglos: Gedanken zu Forschung über Aktivismus

Ursprünglich veröffentlicht von Hambi Bleibt

Anlässlich mehrerer Aufrufe von verschiedenen Studis an vor allem Klimagerechtigkeitsaktivist*innen Fragebögen auszufüllen, in denen es um Forschung zu Waldbesetzungen, zivilem Ungehorsam oder Klimaprotesten geht, widmen wir uns in diesem Text einer grundsätzlichen Kritik an solchen Erhebungen und Forschungen.

Wir schreiben diesen Text aus einer wissenschaftskritischen Perspektive. Damit meinen wir, dass wir ganz allgemein am Vorhandensein von „Objektivität“ in der Forschung zweifeln. Wir glauben ja auch nicht, dass Menschen politisch „neutral“ sein können, auch wenn das viele oft von sich behaupten. Wir zweifeln an der vorherrschenden Auffassung, komplexe Sachverhalte ließen sich sinnvoll durch Fragebögen erfassen. Nicht nur die Deutung, sondern auch die Erhebung von Daten ist hochgradig abhängig vom Standpunkt der Forschenden (Geschlecht, Alter, Herkunft, Klasse etc) und auch ein Bewusstsein über diese Tatsache ändert diesen Zustand nicht. Dazu kommt, dass Forschungsergebnisse oft so veröffentlicht werden, dass sie nur für einen kleinen Kreis Eingeweihter zugänglich und verständlich sind. Darüber hinaus haben wir mit Forschung über Bewegung jedoch noch ganz konkrete Bauchschmerzen, um die es hier gehen soll.

Wir sind dabei nicht gegen Forschung generell, sondern gegen das Narrativ objektiver Forschung. Wir lieben Neugier und Entdeckungslust, freuen uns über spannende Gedankenexperimente und unkonventionelle Betrachtungen, halten es aber für wichtig, bestimmte Fragen nicht zum Forschungsgegenstand werden zu lassen. Dass wir damit auch unter Aktivist*innen eine umstrittene Position vertreten ist uns durchaus bewusst und wir würden uns freuen, wenn dieser Text kontroverse Debatte provoziert. Sowohl über die von uns im folgenden skizzierten Gefahren, als auch über Wissenschaftsverklärung und die kulturelle Nähe bzw enge Verbundenheit vieler Aktivist*innen mit akademischen Zusammenhängen.

Uns ist bewusst, dass viele der Studierenden, die Protestbewegungen im weitestenen Sinne erforschen wollen, es wirklich gut meinen. Aber: Gut gemeint ist oft nicht gut gemacht. Im Ergebnis hilft das der Bewegung fast nie weiter, ist im besten Fall belanglos und im schlimmsten kontraproduktiv und gefährlich.

Inhalte und Gefahren der Forschungsprojekte

Studien über widerständige Akteur*innen und Orte bzw Aktivitäten und deren Ergebnisse können immer für mehrere Zwecke gebraucht werden, auch von Leuten, die Geld oder Macht haben und überhaupt nicht an Veränderung interessiert sind. Die Ergebnisse können von RWE gebraucht werden, um zu schauen, wie sie am besten Pressearbeit machen müssen, um Aktiven den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Ergebnisse können vom Verfassungsschutz und Staatsschutz (politische Abteilung der Polizei) benutzt werden, um herauszufinden, wo sich Spaltungslinien zwischen „system change“ und grünem Kapitalismus auftun könnten und was dazu führt, dass Menschen wegbrechen – um gezielt solche Situationen herbei zu führen. Deshalb halten wir derartige Forschung für gefährlich. Forschung und Wissenschaft, Dozent*innen wie Studierende, sind immer mitverantwortlich dafür, was mit den Ergebnissen passiert.

Wir beziehen uns auf verschiedene Erhebungen, die von Studierenden an uns heran getragen wurden. In einem Beispiel ging es darum, Waldbesetzer*innen zu Burnout befragen. Dabei wird zwar zunächst betont, die Umfrage sei anonym, es werden dann aber detailliert Daten erhoben, ob die Person sich schon an Materialblockaden, Baumhausbau, Demos, Waldspaziergängen und Supportstrukturen etc. beteiligt hat und wenn ja in welchem genauen zeitlichen Umfang. Es wird außerdem gefragt, auf welchen genauen Besetzungen die Person war und um es endgültig zuordenbar zu machen, werden Alter, Geschlecht, Beeinträchtigungen und Hautfarbe abgefragt. Kombiniert mensch diese Angaben, dann ist hier absolut gar nichts mehr anonym, insbesondere nicht bei kleineren Waldbesetzungen oder Personen mit selteneren Angaben (Ältere Menschen, BIPOC, beeinträchtigte Menschen). Solche Daten wären Gold wert für Ermittlungsbehörden – insbesondere in einem Kontext in dem oft die Angabe der eigenen Personalien gegenüber staatlicher Behörden verweigert wird.

Ein anderes Beispiel fragt Akteur*innen ganz spezifischer Klimagruppen nach deren Verhältnis zu anderen Gruppen in einer konkreten Stadt. Mit solch einer Umfrage ist es möglich, ein Verhältnis von bestimmten existenten Gruppen(mitgliedschaften) zu bestimmten Aktionsformen und bestimmten Positionen zu bestimmen – und genau das ist erklärtes Ziel des Forschungsprojekts.

In zwei wieder anderen Umfragen wurden wir gefragt, was uns antreibt, Regeln zu überschreiten und Gesetze zu brechen – eine kam von einem Jura-Studierenden (aus einer eher reaktionären Ecke), die andere wollte Erkenntnisse gewinnen um noch nicht aktive Menschen zu mobilisieren. Ergebnisse von so etwas können aber auch dazu dienen, Prognoseentscheidungen der Polizei zu treffen und im Zweifel danach Menschen mit Meldeauflagen zu belegen oder präventiv einzusperren (auch wenn diese selbst noch gar nicht wissen, dass sie kriminell werden könnten). Diese Möglichkeiten zur Repression, die sich auf individuelles Verhalten, also auch Meinungen von Personen beziehen, wurden gerade in zahlreichen neuen Polizeigesetzen geschaffen.

Polizei, Verfassungsschutz und Umweltministerium haben es dank solcher Studien und Daten viel leichter, Spaltungsstrategien zu entwickeln. Es ist dann viel einfacher einzuschätzen, welche Gruppe durch welche Strategien gut eingebunden werden kann und welche leicht ausgegrenzt werden kann. Das kann sein, indem Debatten um bestimmte Aktionsformen aufgebauscht werden. Das erleichtert strafrechtliche oder anderweitige Verfolgung, weil dann Solidarität weniger vorhanden ist. Gerade diese Spaltungen schwächen uns als Bewegung aber insgesamt und deshalb halten wir es für fatal, auch unseren Gegner*innen Informationen dazu zu liefern, wie das möglichst gut geht. Und ob gewollt oder nicht, Forschungsprojekte tun leider oft genau das.

Wenn die Polizei uns mal wieder festgenommen hat, verweigern wir jede Aussage zu unseren Strukturen. Wir liefern auch keine Informationen an den Verfassungsschutz. Das hat den Grund, dass mit diesen Informationen gegen uns vorgegangen wird. Anhand von Wissen oder Vermutungen über unsere Strukturen werden Einsätze geplant, wird versucht, sogenannte radikale von sogenannten bürgerlichen Gruppen zu trennen. Für uns als radikalen Teil von Bewegungen heißt das weniger Akzeptanz, mehr Repression, mehr Leute mit Strafverfahren, mehr Überwachung, mehr Leute im Knast. Es ist absurd, diese Infos ohne Not rauszugeben, bloß weil wer wissenschaftlich danach fragt. Tatsächlich ist es bei einer psychologischen Befragung in Knästen auch schon dazu gekommen, dass die Polizei Forschungsdaten schlichtweg beschlagnahmte – trotz „Forschungsfreiheit“.

Uns ist durchaus bewusst, dass wir auch selber immer wieder Interna veröffentlichen. Das ist insbesondere bei Kritik (gleichgültig ob solidarisch-konstruktiver oder auch harter) an anderen Bewegungsakteur*innen oft auch gar nicht anders möglich. Eine solche Kritik stellt jedoch eine Bereicherung der Bewegung dar, weil uns strategische Debatten voranbringen. Wir halten es schlussendlich für ein sinnvolles Kriterium, stets die abwägende Frage in den Mittelpunkt zu stellen, ob das Erheben, Verarbeiten und Veröffentlichen von Informationen insgesamt der Bewegung mehr (ggf auch nur potentiellen) Nutzen bringt als es (ggf ebenso potentielle) Risiken birgt.

Fragebögen

Viele der Fragebögen aus den Forschungsprojekten sind grottenschlecht. Drei Meilen gegen den Wind sehen wir ihnen an, welche Tortengrafik am Ende rauskommen soll. Sie vermitteln, das obligatorische Beiwerk zu längst feststehenden Überlegungen und Thesen zu sein. Natürlich ist das auch ein strukturelles Problem von dem, wie Wissenschaft aktuell funktioniert: Wenn vorab eine These aufgestellt wird und diese durch Fragebögen belegt werden soll, ist das fast immer möglich. Fragen lassen sich fast immer so stellen, dass ein gewünschtes Ergebnis herauskommt. Beispielsweise fragte mitten in der Diskussion um die Einführung von Studiengebühren das Centrum für Hochschulentwicklung (Bertelsmann) nacheinander nach drei verschiedenen Studiengebührenmodelle, die jeweils befürwortet oder abgelehnt werden konnten und schloss aus den Antworten auf eine generelle Zustimmung zu Studiengebühren. Die prinzipielle Zustimmung zu Studiengebühren war hingegen nicht abgefragt worden. Nicht immer ist der manipulative Charakter von Fragebögen oder Auswertung so offensichtlich und nicht immer ist er intendiert, aber unsere (teils unbewussten) Vorannahmen prägen eben immer auch, was wir andere wie fragen. Und was wir in den Antworten sehen.

Mulitple choice ist einfach nicht in der Lage unsere Welt abzubilden, denn die vorgegebenen Antwortoptionen umfassen überhaupt nicht annähernd das Feld möglicher Antworten. So können Denkhorizonte nicht gesprengt werden – im Gegenteil festigen Fragen, die ihre eigenen Vorannahmen nicht reflektieren, auch bestehende Denkmuster. Deshalb sind die Fragebögen schlecht.

Es ist, als seien wir wie Labormäuse und auch schon bei den Mäusen ist diese Behandlung respektlos und falsch. Viele der von den Studierenden vertretenen Grundannahmen und Thesen teilen wir nicht, aber dazu werden wir als Objekte der Forschung auch gar nicht gefragt. Aber, verzeiht den Zynismus: Je weniger Wissenschaftler*innen verstehen, wie wir ticken, desto weniger gefährlich ist deren vermeintlich objektive Forschung für die Bewegung. Also sollten wir uns über die unterirdische Qualität vielleicht lieber freuen.

Teilnehmende Beobachtung

Andere Forscher*innen wählen einen anderen Ansatz, „teilnehmende Beobachtung“ heißt das im Uni-Sprech. In der Praxis lebt dann die Forscher*in beispielsweise auf einer Waldbesetzung und nimmt aktiv teil und berichtet. So lässt sich sicherlich mehr mitnehmen als über einen Fragebogen, aber die Perspektive bleibt doch eine ähnliche: Wer immer den beobachtenden Blick hat, kann sich nie vollständig auf Kämpfe einlassen. In dem Moment, wo du in eine forschende Rolle gehst, brauchst du eine gewisse Distanz zum Forschungsobjekt, sonst wird deine Forschung nicht als „objektiv“ und „seriös“ wahrgenommen. Und in dem Moment, wo du diese Rolle einnimmst, ist dein Forschungsprojekt immer vorrangig vor den Zielen der Bewegung und so führt das Forschen selbst zur Entfremdung von der Bewegung.

Bei Veröffentlichungen gilt hier noch viel mehr als bei Fragebögen, dass es notwendig ist, abzuwägen zwischen potentiellem Nutzen und Gefahren. Aber auch hier gibt es die Erfahrung, dass oft Dinge veröffentlicht werden, die nicht gut sind, weil es dann eben doch um den Abschluss oder Leistungspunkte geht.

Bewegungsforschung für wen?

Last but not least: Studis und Wissenschaftler*innen sind oft staatstragend. Eine Forscherin schreibt in ihren Interessensgebieten etwas von „partizipativer Governance“. Für uns klingt das nach Befriedungspolitik, ohne grundlegenden Wandel. Das weckt bei uns Widerspruch. Denn das heißt Regieren und das möglichst partizipativ, also so dass alle sich eingebunden fühlen und zufrieden sind. Bei bisherigen Projekten von Bürger*innen-Beteiligung ist das meist mehr Fassade, deshalb schreiben wir von „eingebunden fühlen“, obwohl es natürlich auch sein kann, dass tatsächliche Einbindung stattfindet. Wenn dafür geforscht wird, heißt es, es wird dazu geforscht, abweichende Meinungen möglichst einzubinden und ja nicht im Konflikt zur herrschenden Regierung auftreten zu lassen. In Realpolitik heißt das meistens gerade soviel Zugeständnisse zu machen, dass es eben keinen Aufschrei, geschweige denn eine Revolution oder einen Systemwandel gibt. Also geht es darum herrschende Systeme wie Kapitalismus und Wachstumsglauben besser anzupassen, nicht etwa sie grundsätzlich in Frage zu stellen. Das ist schon die Ausrichtung, wenn es darum geht besser/partizipativer zu regieren. Ob regieren überhaupt richtig ist, wird nicht zur Diskussion gestellt.

Das wird natürlich gestärkt dadurch, dass viel Forschung vom Staat finanziert wird. Aber auch Forschung mit Finanzierung aus privaten Quellen ist kaum besser: Im Kapitalismus gilt, wer Forschung finanziert, kann sich oft genug leider auch Ergebnisse bestellen und Forschungsgegenstände bestimmen.

Aber auch wenn Bewegungsforscher*innen sich als objektiv und akademisch gegenüber Aktivisti inszenieren, ist das überheblich, denn jede Forschung geschieht aus einer gesellschaftlichen Position heraus und ist damit niemals neutral, egal für wie objektiv sich die Forschenden halten. Durch einen Stempel „Bewegungsforschung“ werden zudem vertretene Positionen und Analysen als wissenschaftlich und damit besser als andere markiert, obwohl es oft auch schlicht Analysen von einem bestimmten Standpunkt innerhalb von Bewegung sind. Das kann strategisch genutzt werden, um eben diese Meinung gegenüber anderen, vielleicht (beispielsweise wegen Kriminalisierbarkeit) anonym vertretenen Standpunkten, durchzusetzen.

Ein prominentes Beispiel ist hier Extinction Rebellion. Der Verzicht auf Gewalt wird bei XR aus vermeintlich objektiven Forschungsergebnissen abgeleitet und letztere zu Propagandazwecken stark verkürzt zur These, gewaltfreier Widerstand sei doppelt so oft erfolgreich wie gewaltvoller. Statt sich strategisch und inhaltlich darüber zu streiten, in welchen Situationen und unter welchen Bedingungen welche Mittel zielführend und verhältnismäßig sein können, wird hier die Gewaltfreiheit als vermeintlich neutral feststellbar, objektiv „besserer“ Weg postuliert. Wenn mensch sich die zu Grunde liegende Studie (Nonviolent and Violent Campaigns and Outcomes) ansieht, wird dort Gewalt nicht einmal definiert und es wird schnell klar, dass erfolgreiche Bewegungen wie die antirassistische Bewegung in Südafrika, die anti-koloniale in Indien oder die Civil Rights Movement mal einfach gewaltfrei deklariert wurden, trotz Bewegungsteilen, die alles andere als gewaltfrei waren.

Forschung ist also nicht objektiv, aber vielleicht bringt sie uns doch etwas? Immer wieder: Ja. Natürlich begrüßen wir auch Forschung und beziehen uns auf sie, beispielsweise zur Ausdehnung der Wüsten, zur Geeignetheit von Salzstöcken zur Atommülllagerung oder zum ph-Wert von Ozeanen. Wir brauchen diese Forschung, um Menschen zu erklären, warum etwas kacke ist und unsere eigenen Analysen zu schärfen. Aber sogar bei vermeintlich unstrittiger, weil naturwissenschaftlicher, messbarer Forschung müssen wir kritisch hinterfragen. So gibt es zum Beispiel zahlreiche Studien dazu, was Bienen alles sterben lassen könnte, um sich nicht mit Pestiziden beschäftigen zu müssen. Analog dazu hat die Tabakindustrie jahrelang Unsummen investiert, um gezielte Ablenkungs- und Verwirrungsforschung zu betreiben, um die Gefahren des Tabakkonsums zu verschleiern. Es gibt sogar eine ganze Forschungsrichtung, die sich mit der Erschaffung und Aufrechterhaltung von Unwissen beschäftigt: Die Agnotologie.

Auch aus sozialwissenschaftlicher Forschung ziehen wir immer wieder Vorteile: Wir haben uns gefreut über die KViAPol-Studie zum Dunkelfeld zu Polizeigewalt, die dieses oft verdrängte Thema hin und wieder in die allgemeine Diskussion bringt – obwohl wir seit langem wissen, dass es Polizeigewalt gibt und die selten angezeigt wird. Die Ergebnisse dieser Studie waren dementsprechend für uns nicht neu, sondern einzig aufgrund ihres akademischen Ansatzes glaubwürdiger für Teile der Öffentlichkeit. Unsere Freude über die Studie ist also eine geteilte, denn so wichtig es auch ist, dass das Thema dadurch breiter diskutiert wird, so sehr stärken auch wir, wenn wir uns positiv auf diese Studie beziehen, das Narrativ der objektiven Forschung.

In einer Diskussion über positive Effekte von Bewegungsforschung hörten wir, dass wenn wir wüssten, was Menschen wegbrechen lässt oder psychisch auf Besetzungen langfristig fertig macht, wir genau diese Dinge auch vermeiden könnten. Dass solche Forschungsergebnisse auch für Menschen, die gegen soziale Bewegungen arbeiten von Interesse sein könnten, haben wir an anderer Stelle schon beleuchtet – es könnte das aber wert sein, wenn es uns mehr bringt. Aber dann stellt sich die Frage, ob Wissenschaftler*innen wirklich besser herausfinden können, was das ist, was Menschen wegbrechen lässt, als wir, wenn wir miteinander diskutieren, Menschen fragen, die wir vermissen. Ist es nicht so, dass wir viele Probleme da bereits kennen (oder kennen könnten wenn wir uns drum kümmerten) und es oft trotzdem einfach nicht hinbekommen, sie anzugehen? Und dass Ansätze, die wir miteinander entwickeln könnten, auch viel besser zu unserer Realität passen würden? Ist die Hoffnung, Antworten in „der Wissenschaft“ zu finden vielleicht ein verzweifelter Versuch, das Scheitern bewegungsinterner Aufarbeitung anderswo kompensieren zu wollen, obwohl das von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist?

Wir kommen also nicht darum herum, selbst Analysen anzustellen, uns immer zu hinterfragen und das eben nicht an eine Wissenschaft von außen abzuschieben – eine Wissenschaft die unsere Bedürfnisse nicht trifft und uns potentiell gefährdet. Wenn Studis uns ernsthaft kennen lernen wollen, mit uns gemeinsam Ideen entwickeln wollen, können wir nur raten:

„Kommt mal raus aus der Uni, auf die Straße und in die Wälder und spürt, was es heißt regiert zu werden. Lebt mit uns, kämpft mit uns, streitet mit uns, lernt mit uns, aber hört auf, uns als eure Forschungsobjekte zu betrachten! Schmeißt im Zweifel euer Studium hin!“

Autor*innen: bewegungsforschung@nirgendwo.info