Wenn der Hund kläfft …

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Eine Antwort auf Christoph Joppichs „Recherche“ „Gegen iPhones und die da oben. Anarchistische Verschwörungsmythen in München“, die sich sicher gut als Bericht an die STASI gemacht hätte …

… Aber es ist ja nur ein Bericht an eine Organisation, die von einer ehemaligen STASI-Informantin geleitet und vom Staat finanziert wird …

[Zur Veröffentlichung in Zündlumpen #084 geplant, jedoch vorab online veröffentlicht, um den Diffamierungen von Christoph Joppich und der Amadeu-Antonio-Stiftung zeitnah entgegen zu treten]

„Der schlimmste Virus ist blinder Gehorsam“, „Die Angst vor dem Tod raubt uns den Mut zu leben“, das sind Parolen, die als Graffiti Münchens Fassaden zieren und mit denen Christoph Joppich ein Problem hat. Seiner Meinung nach sind sie nämlich „verschwörungsmythisch“. Ebenso wie Parolen der Art „Smash your iPhone“, „FCK 5G“, „TV kills your brain“ und „Revolte und Randale statt Lockdown und Netflix“ für ihn von einem „stark vereinfachten Weltbild“ zeugen. Jaja, der gute alte Christoph Joppich eben, der in seiner Jugend immer den gesamten ersten Band von Karl Marxens Kapital – übrigens eine eher schlechte, bzw. stark vereinfachte Analyse der Herrschaft, unter anderem weil sie sämtliche nicht-wirtschaftlichen Aspekte ausklammert – an die Hausfassaden seines Wohnortes getaggt hat …

Und weil der Hobby-Bulle Christoph Joppich aus den „Ähnlichkeiten in Schrift und Farbe“ nicht so ganz schlau geworden ist, hat er wohl einmal nachgeforscht, was denn dieses eingekreiste A bedeutet. Und siehe da, obwohl er all diese Parolen für „aus anti-emanzipatorisch und rechtsoffenen Millieus kommen[d]“ hält, findet er dabei heraus, dass das eingekreiste A ein Symbol von Anarchisten ist. Allerdings ist der Anarchismus keine „herrschaftskritische Strömung in der politischen Linken“, wie der Möchtegern-Bulle Joppich schlussfolgert, aber es wäre vermutlich verschwendete Liebesmüh, ihn hier eines Besseren zu belehren.

Nun, durch eine Google-Suche findet der Hobbycop Joppich auch den Zündlumpen und nun sind für ihn „die meisten Zweifel an der Urherber:innenschaft besagter Schmierereien beseitigt“. Er entdeckt sogar noch ein paar weitere Parolen, die er offensichtlich geschmacklos findet, darunter „Die beste Corona Party ist alles anstecken“, „die tödlichsten Viren sind der Kapitalismus und der Staat“ und „der Planet brennt, wann brennen die Banken?“ Und was ihm so richtig bitter aufstößt: Neben den Bildern der Graffiti finden sich dort auch zahlreiche Texte, die einem Ordnungsfanatiker und Hobbycop wie ihm so gar nicht gefallen können. Es ist mir zu langweilig zu wiederholen oder zu widerlegen, was dieser seltsame Möchtegern-Bulle nun im Detail alles anstößig findet, teilweise verbreitet er auch schlicht Lügen, etwa dass in der Übersetzung „Bis in ihre [inneren] Gemächer“ Schwangerschaftsabbrüche in die Nähe der Eugenik gestellt werden würden – tatsächlich übt dieser Artikel auch eine Kritik an genetischer Selektion durch Schwangerschaftsabbrüche in Folge pränataler Diagnostik, die eine Trisomie 21 feststellt; seltsam, dass so selbsternannte „Faschismusexpert*innen“ wie Christoph Joppich da nicht die Parallele zur Eugenik sehen … Und dass dieser dann noch die Frechheit besitzt, dem Zündlumpen „Relativierungen des NS-Regimes“ vorzuwerfen – ohne das im Übrigen irgendwie zu belegen – kann man nur mit einem herablassenden Lächeln kommentieren.

„Diffuse Personifizierungen“ wie „Bill Gates“ oder „Söder“ oder die „WHO“ oder das „Robert-Koch-Institut und ihre Handlanger“ (was ist an all dem bitte diffus?) sind Joppich zufolge „wesentliches Merkmal von strukturellem Antisemitismus“, weil hier „komplexe Zusammenhänge auf einzelne Personen reduzier[t]“ würden. Aber was genau ist denn hier komplex? Wenn Bill Gates vorschlägt, die Menschen einzusperren, wenn Söder das real umsetzt, wenn die WHO dasselbe wie Bill Gates empfiehlt und das Robert-Koch-Institut auch, dann qualifizieren diese Leute sich doch ganz eindeutig dazu, von all jenen angegriffen zu werden, die nicht beherrscht werden wollen, oder? Und meinetwegen kann man dieser Liste auch gerne noch einen Christoph Joppich hinzufügen, wenn der auch findet, dass Menschen beherrscht werden sollten.

Aber jenseits dieser praktischen Fragen will ich vielleicht einmal die Gelegenheit nutzen, die nicht nur von einem Christoph Joppich so stumpfsinnig sinnentleerte Begrifflichkeit des strukturellen Antisemitismus zu kritisieren. Wenn man sich gegen jene richtet, die mit ihren Vorschlägen, Taten und ganz offen ausgesprochenen – es braucht ja in Zeiten von Corona gar keiner Verschwörung mehr, es wird ja alles offen diskutiert – Plänen die Menschen verwalten, kontrollieren, enteignen, entmündigen, bevormunden, usw., also kurz gesagt beherrschen (wollen), was hat das mit strukturellem Antisemitismus zu tun? Wenn man dem Begriff des strukturellen Antisemitismus irgendetwas abgewinnen will, was nicht einfach dazu dienen soll, jegliche Angriffe auf jene zu delegitimieren, die Menschen beherrschen (wollen), was ihn folglich zu einer Methode der Aufstandsbekämpfung machen würde, dann beinhaltet das notwendigerweise die Konstruktion eines Feindbildes, eines Sündenbocks, usw., das/der anstelle – nicht als Teil – eines Systems der Herrschaft angegriffen werden soll. Wenn beispielsweise – das klassische Beispiel – „das Kapital“ in ein „Finanzkapital“ und ein „Produktivkapital“ unterteilt wird und dabei ausschließlich das Finanzkapital als „böse“ betrachtet wird, das Produktivkapital aber als „gut“ oder „neutral“, obwohl selbstverständlich auch das „Produktivkapital“ die Menschen ihrer Leben enteignet, sie in der Folge versklavt und verdinglicht, dann macht die Anwendung des Begriffs des strukturellen Antisemitismus meiner Ansicht nach wenigstens halbwegs Sinn, denn dann wird aufgrund irgendeiner Ideologie ein Feindbild aufgebaut, das die realen Herrschaftsverhältnisse verschleiert oder zumindest „verkürzt“, das heißt unvollständig wiedergibt. Allerdings ist deshalb nicht jeder Angriff auf Vertreter*innen von etwas, was andere „Finanzkapital“ nennen mögen und im Zündlumpen vielleicht manchmal als „Spekulant*innen“ bezeichnet wird, strukturell antisemitisch. Denn Spekulant*innen auf dem Wohnungsmarkt beispielsweise tragen ziemlich real dazu bei, dass die Mietpreise steigen, ebenso wie das auch die München überströmenden Yuppies mit ihrem Verlangen jene Viertel, in denen das Leben pulsiert zu bevölkern, tun oder die Technologiefirmen und Elite-Universitäten, die Wohlsituierte aus der ganzen Welt nach München locken, oder die nur so aus dem Boden sprießenden Hipster-Läden und -Cafes, usw. usw. Selbst wenn man nun geflissentlich jene Kritiken ignoriert, die auch diese Akteur*innen benennen oder die Angriffe auf diese, wie sie in München durchaus immer wieder stattfinden und -fanden ignoriert, dann könnte man noch immer nicht von strukturellem Antisemitismus sprechen, denn selbst dann könnte nicht plausibel behauptet werden, dass solche Angriffe einer Ideologie entspringen, bei der die Spekulant*innen alleine verantwortlich gemacht werden für die Verdrängung in München, während allen anderen Akteur*innen ihre Rolle abgesprochen würde. Und ebenso weiß, wer den Zündlumpen wirklich liest und nicht wie Christoph Joppich meint, mal eben nach ein paar Schlagworten suchen zu können und im Resultat dann begriffen zu haben, was die Essenz der in den mittlerweile 84 Ausgaben elaborierten Kritik sei, dass neben „Bill Gates, Söder, WHO und Robert-Koch-Institut“ so ziemlich die meisten Akteur*innen dessen, was uns heute als „komplexe Zusammenhänge“ der Herrschaft, die zumindest für jene, die dieser feindlich gegenüberstehen, oft so komplex gar nicht sind, präsentiert wird, schon einmal ihr Fett weg bekommen haben. Und dass dem, was Christoph Joppich als „faschistoide Mordlust“ oder gar „Vernichtungsphantasien“ (wer relativiert hier nun?!) betitelt und was im Zündlumpen viel treffender mit „Tyrannenmord“ bezeichnet wird, das Sabotieren, zum Beispiel durch Abfackeln, der technologischen Infrastruktur, also zum Beispiel jener Funkmasten die vielleicht, aber vielleicht auch eher nicht Corona übertragen, was aber ohnehin nicht die Frage ist, auf die es ankommt, vorgezogen wird, das passt ihm ja auch nicht.

Nun, Christoph Joppich, vielleicht hältst du in Zukunft lieber deine Fresse, bevor du dich noch mehr blamierst, als du es ohnehin schon getan hast. Und was den STASI-Verein (jaja, ich weiß, so nennen euch die Rechten, aber wo sie recht haben …) angeht, für den du schreibst: Dass ihr versucht, Anarchist*innen anzuschwärzen ist ja weder angesichts der Tatsache, dass ihr vom deutschen Staat finanziert werdet, noch angesichts eurer ideologischen Grundpfeiler verwunderlich und auch dass ihr Hobby-Bullen erlaubt, ihren Dreck bei euch zu publizieren wäre ja nicht das erste Mal. Aber glaubt ihr wirklich, dass solch ein schwachsinniger Artikel ein Beitrag zu eurem Stiftungszweck wäre, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen?

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