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We keep us safe: die transformative Gerechtigkeitsbewegung

Während die Rufe nach Abolition lauter werden, bietet die von Queers und Women of Color angeführte Bewegung für transformative Gerechtigkeit einen Ausblick auf eine Zukunft jenseits des Policing.

Via RoarMag

In den frühen Tagen der Black Lives Matter Aufstände war der Anblick der Polizeistation in Minneapolis in Flammen etwas, was sich viele vorher nicht vorstellen konnten. Es entfachte damit eine Vision, die ebenfalls für die meisten zuvor unvorstellbar war: die Abschaffung des Policing selbst.

In den Monaten seither haben sich viele der nun neugierigen Abolitionist_innen gefragt, an wen sie sich anstelle der Polizei wenden sollen. Die Abschaffung stellt eine Frage zwischen dem Moment der Krise und der Entscheidung, den Notruf zu wählen. In dieser Lücke springen ganz neue Welten ins Blickfeld — Leben ohne Polizeigewalt — aber sie fühlen sich oft schwer zu erreichen oder mit den nötigen Mitteln auszustatten.

Die Antwort kann in der Weisheit von Communities of Color gefunden werden, die seit Generationen ohne Polizei oder andere staatliche Institutionen Sicherheit für sich selbst schaffen mussten. Der Wirbelsturm des vergangenen Sommers — die größte Bewegung für soziale und raciale Gerechtigkeit in der Geschichte der USA — hat die Zwillinge der Abolition und der transformativen Gerechtigkeit in den Mainstream katapultiert.

Wenn Abolitionist_innen aufzeigen, dass Polizei und Gefängnisse genau die Probleme schaffen, die sie vorgeben zu lösen und uns weniger sicher machen, anstatt mehr, dann weisen sie auch auf eine Alternative hin: transformative Gerechtigkeit. Mehr als 20 Jahre Experimentieren mit transformativer Gerechtigkeit durch Queers und Women of Color zeigen, dass es viele verschiedene Lösungen gibt, die nicht die Beteiligung der Polizei oder anderer Arme des Staates erfordern — aber keine davon ist einfach.

Transformative Gerechtigkeit und Community Accountability (TJ-CA) beschreibt eine Bewegung, die traditionell von queeren Menschen und Frauen of Color angeführt wird und sich für gemeinschaftsbasierte Alternativen zu Gefängnis und Polizei sowie deren zugrundeliegende Logik der Bestrafung als Reaktion auf zwischenmenschlichen Schaden einsetzt. Diese Antworten können von Ansätzen zur Schadensminimierung, die die Abhängigkeit von Strafvollzugssystemen minimieren, bis hin zu alternativen, nicht strafenden Prozessen für Täter_innen reichen, um Verantwortung zu übernehmen, Schaden zu reparieren und ihr Verhalten zu ändern.

Besonders in diesem Moment, in dem Abolition viral geht, muss die Bewegung mit neuen Möglichkeiten auf der einen Seite und der Gefahr einer Verwässerung des radikalen Wandels auf der anderen Seite umgehen. Abolitionistische Antworten existieren außerhalb des Staates und seiner Institutionen, im Gegensatz zu restorativer Gerechtigkeit, welche das Versprechen für Veränderungen innerhalb von Institutionen wie Schulen und Universitäten birgt, aber auch oft als ergänzender Arm des Strafrechtssystems kooptiert wurde. Die Skepsis der Praktizierenden der transformativen Gerechtigkeit ist verständlich, da die Bewegung selbst als Antwort auf die staatliche Vereinnahmung von Anti-Gewalt-Bemühungen entstanden ist.

GESCHICHTE DER BEWEGUNG

TJ-CA-Aktivist_innen und -Praktizierende sehen ihre Arbeit als verwurzelt in einer langen Geschichte von improvisierten, am Küchentisch entstandenen Antworten auf Gewalt, angeführt von Frauen und queeren Menschen in Schwarzen, Braunen und indigenen Gemeinschaften. Das kann bedeuten, dass du dein Haus für jemanden öffnest, dessen Partner_in gewalttätig ist, dass du respektierte Älteste schickst, um mit Gewalttäter_innen zu sprechen, oder dass du ehrliche, schmerzhafte Gespräche über Gewalt in Moscheen und Kirchen, in der Schule oder zu Hause führst. TJ-Organisatorin, Strategin und Autorin Ejeris Dixon hat solche Gespräche mit ihrer Mutter über die Strategien beschrieben, die sie im Jim Crow-Süden angewandt hat, wo der Staat keine Quelle der Sicherheit ist, sondern eine Kraft der genozidalen Besetzung und des racialen Terrors.

In den späten 90er und frühen 2000er Jahren haben Frauen, Queers und trans Personen of Color an den Schnittstellen von antirassistischer und feministischer Organisierung in beide Bereiche eingegriffen. Die antirassistische Organisierung gegen Polizeigewalt und Masseninhaftierung in den 90er Jahren konzentrierte sich manchmal auf staatliche Gewalt, ohne der zwischenmenschlichen Gewalt so viel Aufmerksamkeit zu schenken, was implizierte, dass ein Ende des Policing an und für sich unsere Probleme lösen würde. Race stand im Vordergrund, während Geschlecht und Sexualität oft übersehen wurden.

Die feministische Anti-Gewalt-Welt hingegen wurde zunehmend professionalisiert, beschönigt und in eine Strafverfolgungsagenda kooptiert, die heute als „Carceral Feminism“ kritisiert wird. Ihre Analyse konzentrierte sich oft ausschließlich auf zwischenmenschliche — in diesem Fall geschlechtsspezifische — Gewalt, auf Kosten des Verständnisses von staatlicher und racialer Gewalt.

Im Fadenkreuz dieser beiden Formen von Gewalt stehend, meldeten sich Frauen und queere People of Color zu Wort. Als zwei neu gegründete Netzwerke in den USA, die abolitionistische Gruppe Critical Resistance (CR) und die feministische Organisation INCITE!, im Jahr 2001 an einer gemeinsamen Erklärung arbeiteten, brachten sie diese beiden dringend benötigten Perspektiven zusammen. Damit schufen sie eine politische Agenda, die den Kurs für einen tiefgreifenden intersektionalen und radikalen Ansatz zur kollektiven Sicherheit vorgab, der nun von einer neuen Generation von „Movement for Black Lives“-Organisationen wie Black Youth Project 100 umgesetzt wird.

Die prominente queere und weibliche Führung dieser Organisationen hat die Herausforderung von CR und INCITE angenommen, „arme/arbeitende Frauen of Color in den Mittelpunkt ihrer Analyse, Organisierungspraxis und Führungsentwicklung zu stellen.“ Initiativen wie die #SayHerName-Kampagne des African American Policy Forums haben Frauen of Color in den Mittelpunkt der Erzählung über Polizeigewalt gestellt. Die Plattform von M4BL mit ihren Analysen der einzigartigen Auswirkungen von anti-Schwarzem Rassismus auf Frauen und trans, queere, nicht-geschlechtskonforme und intersexuelle Menschen sowie ihrer Solidaritätserklärung mit Palästinenser_innen entspricht der Forderung von CR und INCITE nach einer vernetzten Analyse von zwischenmenschlicher Gewalt, innerstaatlicher und internationaler Gewalt.

Die Vision von CR und INCITE! von „gemeinschaftsbasierten Antworten auf Gewalt, die sich nicht auf das Strafrechtssystem verlassen UND die über Mechanismen verfügen, die Sicherheit und Verantwortlichkeit für Überlebende von sexueller und häuslicher Gewalt gewährleisten“ hat eine Welle von Experimenten hervorgebracht, die unter dem Banner der transformativen Gerechtigkeit und der gemeinschaftlichen Verantwortlichkeit kohärent geworden sind.

Diese Experimente kreuzten sich mit jedem anderen Kampfbereich, in dem Schwarze und Braune Queers und Frauen führend waren oder Weisheit destillierten: Indigene Souveränitätskämpfe, Heilung und Behindertengerechtigkeit und visionäre Neuvorstellungen von Sex, Familie und Fürsorge in queeren und trans Gemeinschaften.

HAUPTZUTATEN FÜR TRANSFORMATIVE GERECHTIGKEITSPROZESSE

Die bahnbrechenden Organisationen INCITE! und Communities Against Rape and Abuse (CARA) feierten beide im letzten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, und der Rahmen, den sie der Bewegung gegeben haben, ist nach wie vor aktuell. Das Modell von INCITE! skizziert vier Hauptbereiche, in denen TJ-CA-Arbeit stattfindet, um Gewalt eines Tages undenkbar zu machen: Prävention in der Gemeinschaft, Selbstbestimmung der Überlebenden, Verantwortlichkeit für die Verursachenden und schließlich soziale Transformation von der Mikro- bis zur Makroebene. TJ-CA-Interventionen können alle diese Arbeitsbereiche beinhalten, konzentrieren sich aber meist auf den einen oder anderen.

Einige konzentrieren sich zum Beispiel auf die Unterstützung von Überlebenden, wie Sexarbeiter_innen, die ihre eigenen gemeinschaftlichen Melde-, Beweissammlungs- und Überwachungssysteme entwickeln, um Übergriffe durch ihre Freier oder die Polizei zu verhindern. Ein anderes Beispiel sind die indigenen Untersuchungen, Dokumentationen und Zeremonien als Reaktion auf vermisste und ermordete indigene Frauen, Mädchen und Two-Spirit People. Andere engagieren sich mehr für die Verursachenden, darunter Gruppen wie Philly Stands Up, Support New York und das Challenging Male Supremacy Project, die es Personen, die sexuelle Übergriffe begangen haben, ermöglicht haben, Rechenschaft abzulegen, anstelle von Leugnung und Scham.

Wieder andere erforschen, wie Gemeinschaften sowohl Sicherheit als auch Verantwortlichkeit unter ihren Mitgliedern unterstützen, indem sie Gewalt auf Partys und Demonstrationen deeskalieren, das Erzählen von Geschichten nutzen, um Gespräche über Schaden und Heilung zu eröffnen und Netzwerke von alternativen Ressourcen aufbauen, die Menschen aktivieren können, wenn sie mit Gewalt konfrontiert werden. Einige Vermittler_innen haben auch Prozesse zur Koordinierung der Arbeit in diesen Bereichen unternommen — um Überlebende, Verursachende von Schaden und Gemeindemitglieder in einen gemeinsamen Prozess zu bringen. Dies ist die granulare Arbeit der Veränderung, kein universelles Einheitsmodell.

Praktizierende der transformativen Gerechtigkeit stellen sich neue Formen von Gerechtigkeit, Verantwortlichkeit und Sicherheit vor und praktizieren sie, indem sie sich in jedem der vier Bereiche des INCITE!-Modells von bestehenden Konzepten der Gerechtigkeit hin zu einer transformativen Gerechtigkeit bewegen. Im Bereich der strukturellen Bedingungen gibt es eine Verschiebung vom Verständnis von Gewalt als individuellem Fehlverhalten hin zu intersektionalem Schaden auf mehreren Ebenen (zwischenmenschlich, gemeinschaftlich, institutionell, strukturell). In der Sphäre der Täter_innen gibt es eine Verschiebung von Bestrafung und Schuldzuweisung zu Verantwortlichkeit und Veränderung. In der Sphäre der Überlebenden gibt es eine Verschiebung von Sicherheit als paternalistischer Schutz zu Sicherheit als Selbstbestimmung der Überlebenden. Und schließlich gibt es in der Sphäre der Gemeinschaft eine Verschiebung vom Staat zur Gemeinschaft als relevante Instanz zur Schaffung von Gerechtigkeit.

Diese Verschiebungen sind verbunden mit einer allgemeineren Abkehr von einer karzeralen Logik, die versucht, soziale Probleme zu individualisieren und zu isolieren, hin zu einer Politik der sozialen Verbindung als mögliche Lösung. Die Krise der sexuellen Gewalt — und die damit verbundene Verletzung von Grenzen und des Selbst — wird zum Anstoß für das Gegenläufige: sich genau in dem Moment der Interdependenz zu öffnen, in dem die sozialen Beziehungen verwundet sind, und die soziale Verbindung in dem Moment als Ressource zu sehen, in dem sie am gefährlichsten oder prekärsten erscheint.

EINE BESTANDSAUFNAHME DES GEGENWÄRTIGEN MOMENTS

Als Praktizierende für transformative Gerechtigkeit, die ein Jahrzehnt lang in Deutschland organisiert hat, habe ich oft miterlebt, wie die Begeisterung der Menschen über TJ-CA in sich zusammenfiel, als sie mit der Realität konfrontiert wurden, dass es keinen einfachen Ersatz für die Polizei gibt. Stattdessen bedarf es einer kompletten Neukonzeption unserer Institutionen, was Angela Davis in Anlehnung an W.E.B. DuBois als „Abolitionsdemokratie“ bezeichnet.

Okay, aber wenn nicht eine Telefonnummer, dann vielleicht ein Lieferservice, eine Taskforce, zumindest ein Leitfaden? Das, was dem am nächsten kommt, ist die Weisheit, die in einigen neueren Büchern gesammelt wurde und die Flut von Webinaren, die durch den Aufstand im letzten Sommer ausgelöst wurde (für einen Überblick, siehe Transform Harm Resource Hub und Barnard Center for Research on Women’s „Building Accountable Communities“ Serie für einen guten Start).

Eine der nützlichsten ist Beyond Survival: Strategies and Stories from the Transformative Justice Movement, eine Sammlung von persönlichen Geschichten, Toolkits und Interviews, die eine Bestandsaufnahme der transformativen Gerechtigkeitsbewegung 20 Jahre nach ihrem Entstehen macht. Ejeris Dixon, die Mitherausgeberin des Buches, erklärte mir 2015, dass die Bewegung weit genug gekommen sei, um das „Warum“ der transformativen Gerechtigkeit nicht mehr beweisen oder rechtfertigen zu müssen. Der Sammelband ist ein Zeugnis dieser neuen Ära: er gibt uns stattdessen das „Wie“. Aber wenn du auf der Suche nach einer schnellen Lösung bist, wird dich die Mitherausgeberin Leah Lakshmi Piepzna-Samarasinha hier enttäuschen: „Der People’s Court von INCITE: Women of Color Against Violence wird nicht mit einem Blutspendewagen anrollen und Dinge in Ordnung bringen und eine Guillotine haben, das wird nicht passieren.“

In gewisser Weise ist die Beyond Survival-Anthologie ein Nachfolger von The Revolution Starts at Home, der TJ-„Bibel“, die von Piepzna-Samarasinha, Ching-In Chen und Jai Dulani mit herausgegeben wurde. Ein Großteil der frühen Arbeit, die heute unter dem Namen TJ oder CA läuft, entstand als Reaktion auf sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt, insbesondere gegen People of Color, was auch der Fokus von The Revolution Starts at Home war, ebenso wie frühe wegbereitende Gruppen wie CARA, INCITE! und generationFIVE. Piepzna-Samarasinha und Dixon haben eine Sammlung kuratiert, die dieselben Felder wieder aufgreift und dokumentiert, wie TJ-CA sich erweitert hat, um andere Formen zwischenmenschlicher Gewalt anzusprechen.

Safe OUTside the System Collective vom Audre Lorde Project schreibt über das Veranstalten von Partys, die Konflikte ansprechen können, ohne die Gäste der Strafverfolgung auszusetzen. Trans Lifeline und das Fireweed Collective erörtern, wie man mit Menschen in Krisen umgeht, die sich selbst und andere verletzen könnten, ohne den Notruf zu wählen. Der „Community Defense Zone Starter Guide“ stellt sich eine gemeinschaftlich betriebene Zuflucht für Einwanderer_innen ohne Papiere vor, während Lara Brooks und Mariame Kaba ihre Strategien beschreiben, um den Schaden durch die Strafverfolgungsbehörden und private Sicherheitskräfte in Zentren für heimatlose Jugendliche zu reduzieren.

Das Genre von Beyond Survival ist vielseitig — es greift die erschütternden persönlichen Zeugnisse auf, die das schlagende Herz von The Revolution Starts at Home bildeten, vermischt sie aber mit dem strategischen Denken des organisatorischen Toolkits und dem historischen Bewusstsein der Interviews mit Schlüsselfiguren der Bewegung. Man bekommt das Gefühl, dass sich die Bewegung auf den Seiten dieses Buches als solche begreift, das versucht, alle unter einem zu großen, manchmal überdehnten Zelt zu vereinen, während es gleichzeitig versucht, „TJ wild zu halten“, um es mit den Worten von Alisa Bierria von CARA zu sagen.

ZUR DEBATTE STEHT: DIE ZUKUNFT DER TRANSFORMATIVEN GERECHTIGKEIT

Ein Teil dieser Spannung beim Familientreffen ist darauf zurückzuführen, dass transformative Gerechtigkeit als Begriff „ein beliebtes Kind“ geworden ist, um die Mitherausgebenden des Sammelbandes zu zitieren. Während dieser Moment der größeren Reichweite auch Ängste vor der Kooptation durch den Mainstream hervorgerufen hat, reagiert Beyond Survival nicht mit Reinheitstests oder Abgrenzungspolitik. Die Herausgebenden lassen transformative Gerechtigkeit absichtlich „frei sein“ und legen weiterhin Wert auf kreatives Experimentieren im Einklang mit den Werten von TJ. In Übereinstimmung mit Dixons Gefühl, dass TJ seine Existenz nicht länger rechtfertigen muss, bedeutet diese Freiheit, offen für Selbstkritik und Meinungsverschiedenheiten zu sein. Während die Bewegung reift, muss das Buch nicht versuchen, die Unzulänglichkeiten von TJ zu verstecken oder zu behaupten, dass es immer der am besten geeignete Ansatz ist, wenn er es manchmal nicht ist.

Mit Blick auf die Zukunft ist eine lebendige Strömung in der Bewegung die Debatte über Skalierung und Institutionalisierung — umso dringlicher, da Minneapolis und andere Städte ihre Polizeibehörden entlasten wollen. TJ war schon immer lokal, kontextabhängig und experimentell. Doch die DIY, selbstorganisierte Natur der Arbeit macht sie oft unzugänglich für viele, die sie brauchen und unhaltbar für diejenigen, die sie praktizieren. Die Mischung der Stile in diesem Buch ist ein Beispiel für diese Spannung — konkrete persönliche Geschichten gemischt mit Toolkits, die dokumentieren, wie Organisationen transformative Gerechtigkeit institutionalisiert haben. Das Toolkit von Creative Interventions (die Mutter aller Toolkits) umfasst über 500 Seiten und zeigt, dass es fast unmöglich ist, einen einzigen Leitfaden für TJ zu erstellen. Diese Arbeit war brillant aufgebaut, um durchlässig zu sein, um an jedem Punkt einsteigen zu können. Aber es zeigt die Schwierigkeit, die unendlichen Möglichkeiten einer Intervention in die Gewalt zu erfassen.

Doch wenn wir transformative Gerechtigkeit für ein ganzes Viertel oder eine ganze Stadt zugänglich machen wollen, wie es sich Gruppen wie Harm Free Zones vorgestellt haben, brauchen wir nachhaltige, gemeinschaftsbasierte Infrastrukturen, die sowohl die soften Policing-Funktionen vieler staatlicher Sozialarbeit als auch die Domestizierung des gemeinnützigen Industriekomplexes vermeiden, der Organisationen risikoscheu und deradikalisiert hält, um ihre Geldgebenden nicht zu verärgern. TJ ist zum Teil in der Asche der Anti-Gewalt-Bewegung aufgewachsen und hält die Erinnerung daran wach, wie scheinbarer Erfolg in Wirklichkeit langfristigen Misserfolg bedeuten kann.

Mimi Kim, Gründerin von Creative Interventions, hat eine Form der Skalierung vorgeschlagen, die nicht den „neoliberalen korporativen Kontext von Urheberrechten, Markenzeichen und Standardisierungen“ imitiert. Stattdessen spricht sie von „Regeneration“, um sich auf das dezentralisierte Wachstum der Fähigkeit einer Gemeinschaft zu beziehen, transformative Gerechtigkeit zu praktizieren.

Ein vielversprechendes Modell in dieser Richtung kommt von API Chaya, einer Organisation, die sich mit geschlechtsspezifischer Gewalt innerhalb der südasiatischen, asiatischen, pazifischen Islander_innen- und weiteren Immigrant_innengemeinschaften in Seattle beschäftigt. Ihr „Community Solutions“-Programm bietet ein 45-stündiges Training für eine bezahlte Kohorte von 15 Gemeindemitgliedern an, die dann Community Accountability-Prozesse, die ihnen von API Chaya vermittelt werden, mit der Unterstützung von monatlichen Treffen und Coaching durch eine_n erfahrene_n Mentor_in erleichtern.

Der Geist hier ist einer der Anerkennung und Schärfung bestehender Gemeinschaftsexpertise und der rhizomatischen Verbreitung von Fähigkeiten, anstatt sie in einer professionalisierten Bürokratie zu konsolidieren: „scaling out“ statt scaling up. Kiyomi Fujikawa, eine Visionärin von TJ, die zuvor einen Teil von API Chayas Organisierung rund um die Rechenschaftspflicht der Gemeinschaft geprägt hat, hat den Bedarf an temporären „Übergangsorganisationen“ geteilt, die es uns erlauben, eine Reihe von „Möglichkeitsmodellen“ zu erforschen, die diejenigen in den Mittelpunkt stellen, aus denen TJ entstanden ist — queere und trans, Schwarze, indigene und People of Color Gemeinschaften.

Während wir transformative Gerechtigkeit inmitten einer Pandemie fortsetzen, fragt Alexis Pauline Gumbs in ihrem Interview in Beyond Survival: „Was braucht es wirklich, um sich mit der Geschwindigkeit des Vertrauens inmitten von sich häufenden Katastrophen zu bewegen?“ Während TJ in den Straßen während dieser Aufstände wiedergeboren wird und die Bewegung schnell wächst, ist eine weitere Einladung, sich auch mit dem Chaos anzufreunden, die emotionalen Kapazitäten aufzubauen, um die Dissonanz, Unvollständigkeit und Widersprüche auszuhalten, über die TJ-Praktizierende in ihrer Arbeit oft sprechen.

Abolition öffnet die politische Tür für die alternativen Zukünfte der transformativen Gerechtigkeitsbewegung. Um durch diese Tür zu gehen, müssen wir sowohl die langfristige Vision im Auge behalten, die durch die BLM-Aufstände erneut beleuchtet wurde, als auch den kurzfristigen Pragmatismus, der uns überhaupt erst über die Schwelle bringt. Wenn wir vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen, indem wir improvisieren, was wir für gemeinschaftliche Antworten auf Gewalt jetzt brauchen, können wir den Grundstein für eine Zukunft mit einer Fülle von Ressourcen zur Prävention und Bewältigung von Schaden durch gemeinschaftliche Betreuung legen. Auf diese Weise können wir Policing und Bestrafung überflüssig machen.