[Fluchtpunkte einer radikalen Kritik an der Genetik] Teil 7: Genetisch korrekt

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Das Labor war die realisierte Utopie dieses auf Sachen reduzierten Wissens, ein künstlicher, abstrakter Raum. Hier kann man mit den “Naturgesetzen” spielen, ohne die Hindernisse der Natur, alle “irrationalen und störenden” Elemente können eliminiert werden. Dadurch, dass sich die Vorbedingungen im Labor kontrollieren lassen, werden die komplexen und wechselhaften Verkettungen eliminiert. Die Experimentierenden werden alleinige Ursache des beobachteten Phänomens. Man muss eingesetehen, dass durch dieses Vorgehen eine Realität hergestellt wird, obwohl diese nur beobachtet werden sollte – der “unendliche Irrtum” ist geschaffen und wird weiter und weiter gesponnen.

Von weißen Mänteln und deren Neutralität in Das Feld der Kontrolle

Wer erinnert sich noch an den Februarmorgen 1997, als die Zeitungen den Warnhinweis der neuen Zeit den Bewohnern der Erde verkündeten: Wir präsentieren euch Dolly, ein Schaf, eher aus der Replikation, als der Befruchtung geboren. Das Bild eines gewöhnlichen Schafes provozierte keinen generellen Aufschrei und die Zeitungen übernahmen es selbst uns mit Vulgaritäten über die Mythen der molekularen und genetischen Biologie des Tieres zu versorgen. Der Normalbürger lernte von der Existenz der Biotechnologie durch Dolly, das Schaf, das innerhalb eines Labores künstlich erschaffen worden ist. Nicht ohne die Beschwörungen über die “ethische Barriere”, die uns gegen das Klonen von menschlichen Wesen schützen sollte, stach die Genmanipulation triumphierend hervor, indem sie ihr Programm der Welt eröffnete: die Geheimnisse der Natur “zu entdecken”, die fundamentalen Mechanismen des Lebens und seiner Reproduktion zu verstehen und zu beeinflussen, das Leben “zu verbessern”, zum Beispiel indem man die menschlichen Gene säubert.

Die Zeit verging und die heutige Biotechnologie ist keinen radikalen Infragestellungen ausgesetzt. Ein Grund unter anderen ist die bedeutende Entdeckung, die in der Zwischenzeit gemacht wurde: die Idee, was ein menschliches Leben sein könnte ist so massiv verloren gegangen, vergessen, verstümmelt worden oder ist jetzt so schwer vorzustellen, dass man beinahe unfähig sein wird, ein ernstes und nicht-reaktionäres Argument zu artikulieren, das der Verbesserung und Duplikation des menschlichen Wesens innerhalb eines Labors widerspricht. Biotechnologie brachte die natürlichen Grenzen zu Fall, die bis zu einem bestimmten Moment als Mauern dienten, um die industrielle Expansion zurück zu halten. Aber schlussendlich ist das, was im Labor entdeckt wird nichts mehr als “Leben” innerhalb eines Labors, in anderen Worten, nichts: ein genetischer “Meccano”, eine willkürliche Konstruktion, die nur als Lebensform beobachtbar wird, wenn sie zurück in die Natur gebracht wurde. Die Wände der Laboratorien konnten also nicht all diese Experimente enthalten: das Labor musste hoffnungslos auf die ganze Welt ausgeweitet werden.

Wir können Biotechnologie als einen Cluster aus Techniken definieren, die benutzt werden Mikroorganismen, Tierzellen (das menschliche Tier eingeschlossen) und Gemüse industriell auszubeuten. Diese Techniken konzentrieren sich hauptsächlich auf die Manipulation und Modifizierung von Genen, in anderen Worten, auf die Komposition von Fragmenten unzusammenhängender Organismen. Das ist besonders der Fall, seit die Möglichkeit DNA-Teile zu rekombinieren 1973 in den USA entdeckt wurde. Biotechnologie wird in Sektoren angewendet, die von Landwirtschaft zu Pharmazeutika und Chemie reichen. Biotechnologie ist (an der Frontlinie) in der Offensive auf allen Feldern: Zellenvorräte, um Organe zu “korrigieren”, GVO, das ein wichtiger Teil globaler Landwirtschaft geworden ist, die synthetische Schaffung und Produktion von Pflanzen und Bakterien, in künstlicher Befruchtung (eingeschlossen der Hinzufügung von Genen), die Kühe oder menschliche Wesen, Waffen der Massenvernichtung produziert, die aus künstlichen Bakterien bestehen, die Erbanlagen angreifen und die genetische Standardisierung von Rind.

Es könnte nutzlos erscheinen uns daran zu erinnern, dass alles, was heute als “schwache Gene” bekannt und korrigierbar durch Biotechnologie ist, ewige Variationen der Evolution von Leben selbst ist; und dass die Reduktion, die von der genetischen Manipulation ausgeführt wird (die “Kreation” von künstlichen Genen und somit Organismen) nur zum … Ende des “Lebens” führen kann, seiner Fähigkeit beraubt, zu reproduzieren und zu wachsen. Die von Monsanto kommerzialisierte, sterilisierte Saat kann, zu einem kleinen Grad, als Spiegel betrachtet werden von dem was überall passiert: Leben wird “steril”, seines Reichtums beraubt, reduziert auf Computermodelle innerhalb von Laboratorien. Das gleiche gilt für das “menschliche Wesen”. Die wachsende Blöße die mit der industriellen Verwüstung und Verschmutzung verbunden ist, kann zur zur biotechnologischen Lösung führen. Falls “Natur” nicht länger funktioniert, dann lassen wir “Natur” funktionieren. Künstlicher Uterus, Befruchtung in Laboratorien, eugenische Selektion von Eizellen, die befruchtet werden sollen durch standardisierte Spermien: das Künstlich-Machen, mehr als der Progressivismus und die Emanzipation, die seine Partisanen behaupten zu sein, ist “die Zukunft zu der wir verurteilt sind”. Das ist was (unter anderem) die bewaffnete Gruppe von Frauen/Lesben Rote Zora (gezeichnet durch Linkstum und Anti-Imperialismus) erwartete, indem sie ihre Biotechnologie-Kritik mit Dutzenden Angriffen gegen Forschungszentren in den 80ern materialisierten: “Wir haben uns entschieden, unsere Aktionen gegen die demografische Politik und genetische und reproduktive Technologie zu konzentrieren. Wir betrachten und betrachten weiterhin dieses Thema als einen zentralen Punkt im Kampf gegen das Patriarchat. Diese Technologien materialisieren ein patriarchales Machtverhältnis die sogenannten “Herren der Schöpfung” intervenieren, indem sie zerstören und etwas “Neues” zu einem bisher unbekannten Ausmaß erschaffen, und das mit dem Ziel das Leben auszubeuten, Profit zu erhöhen und die Strukturen der Macht und Unterdrückung zu stärken. […] Reproduktive Technologien wollen technisch sich selbst als Prozess an die Stelle setzen, Kinder zu haben: Frauen die als “klinisch tot” diagnostiziert worden sind, werden dann als tot erklärt und in Produktionsmittel verwandelt, und ihre Embryos – für die es angeblich essentiell notwendig ist, gegen Frauen verteidigt zu werden – in Forschungsobjekte. Die Fabrikation des künstlichen Uterus, die Forschung wird gemacht mit dem “Material”, das die Medizin durch Millionen Gebärmutterentfernungen erhält, ist bereits eine konkrete Praxis, so wie das Tabu des menschlichen Klonens weniger streng geworden ist.”

Es ist kein Spezialwissen über Molekularbiologie nötig, um zu beteuern, dass die Unternehmungen der Manipulationstechniker zahllose Konsequenzen haben, weil sie unkontrollierbar und unwiderruflich sind. Die qualitative Essenz der Lebensformen, die als Dinge manipuliert werden, bleibt “mysteriös” und unzugänglich für die Wissenschaftler, die dann zur Substitution dieser Essenz durch genetisch spezifische Programme übergehen. Selbst wenn ein offensichtlicher methodologischer Fehler durch Invasionen von Parasiten, die Multiplikation von Infektionen, die Unfruchtbarkeit der Erde und Lebewesen, die Vermehrung von Tumoren signalisiert wird, behält die Biotechnologie den selben Geist bei, indem neue Insektizide erschaffen werden, neue Antibiotika, Landwirtschaft ohne Erde und genetische Therapien um die Metastasen von Krebs zu verlangsamen. Somit verstehen wir bis zu welchem Punkt das Künstliche, die offizielle Ideologie der Herrschaft geworden ist. Die neue Welt, die neue “natürliche Ordnung der Dinge” ist das eine Wesen, das durch Biotechnologie geschaffen wurde. Nichts muss außerhalb davon überleben.

Biotechnologie (all ihre Zweige und Anwendungen) gliedern alle Formen des Lebens auf, sei es Gemüse oder Tier, indem sie es als unterschiedsloses Genmaterial behandelt. Sie löst alle Unterschiede auf, alles von der überraschenden Vielfalt der organischen Phänomene. Sie reuziert die lebende Gesamtheit auf eine Realität kodifizierter Gene; es ist eine erschreckende Reduzierung des Lebens, die uns fast vergessen lässt, dass das “genetische Programm” in der Ära der Computer erschaffen wurde. Die Maschinen, die zur Aufgliederung der Genome befähigen, sind dieselben, die das theoretische Modell der “Geninformation” produzieren; in anderen Worten, Biotechnologie erschafft ein Universum, ein geschlossenes Universum, indem es alles auf ihren logischen Formalismus reduziert. Je mehr dieses Universum Einfluss erreicht, deste absurder wird es die “biologische Reprogrammierung” des Menschen, seine biotechnologische “Erweiterung” seiner Fähigkeiten zu verweigern und desto mehr nacktes Leben wird den “Spezialisten der Schöpfung” in weißen Kitteln überlassen.

Entnommen aus Reise in Richtung Abgrund. Lose Betrachtungen zur Technowelt.


Dieser Beitrag ist Teil einer mehrteiligen Artikelreihe.

Teil 1: Der Anschlag der Roten Zora auf das Humangenetische Institut Münster im August 1986

Teil 2: Auswertung der gestohlenen Akten aus dem Humangenetischen Institut Münster durch die Rote Zora

Teil 3: Eugenismus im weißen Kittel

Teil 4: Brandstiftung bei Gentech-Futterlieferant 2015

Teil 5: Sabotage an Forschungsfeld von Agroscope 2017

Teil 6: Brandanschlag auf das DuPont Pioneer GMO-Forschungszentrum in Pessina (Italien) 2018

Teil 7: Genetisch korrekt

Teil 8: Eine kleine Ampulle Genetik, bitte?

(Teil 9): Eine Nachbemerkung

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6 Gedanken zu „[Fluchtpunkte einer radikalen Kritik an der Genetik] Teil 7: Genetisch korrekt

  • 24. Mai 2021 um 10:57
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    Wenn ich die Artikel zur Genetik, Biotechnologie – oder überhaupt zu Technologien – lese, die vom Staat, vom patriarchal-kapitalistischen System ausgenutzt werden, frage ich mich, ob es sinnvoll wäre, diese Technologien einfach abzuschaffen, anstatt sie anarchistisch zu nutzen in einer anarchistischen Gesellschaft. Nur, weil diese Technologien missbraucht werden, heißt das automatisch nicht, dass es nicht auch positive Nutzungsmöglichkeiten gäbe, z.B. Krankheiten mithilfe der Genetik zu heilen, wie z.B. Krebs.
    Immerhin hat z.B. auch die Medizin seit dem 19. Jahrhundert auch große Fortschritte gemacht und nur weil Robert Koch in einem staatlichen System arbeitete, heißt das ja auch nicht, dass wir nach der Abschaffung des Staates alle wieder so unhygienisch sein sollten, wie vor Kochs Entdeckungen.
    Natürlich sollte man die Menschen nicht zwingen, auf eine bestimmte Art zu leben und das gilt natürlich auch für die Genetik.
    Aber was ist, wenn es eine Krankheit genetisch heilbar wäre und ein Patient wünscht sich diese Behandlung? Manche anarchistische Gemeinden können sich ja dazu entscheiden, Genetik nicht zur Behandlung zu nutzen, aber Technologien zu verteufeln, nur weil der Staat sie missbraucht, ist meiner Meinung nach ein falscher Schritt.

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    • 24. Mai 2021 um 12:49
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      Ich denke die Frage ist, nutzt der Staat und das patriarchal-kapitalistische System, wie du es nennst, Technologien aus, oder bringt er sie zu einem bestimmten Zweck hervor. Meine Analyse ist letzteres. Heißt das, dass es nicht auch positive Nutzungsmöglichkeiten gäbe? Zum Beispiel Krebs zu heilen, wie du sagst? Solche Fragestellungen lassen zumindest stets konsequent außen vor, dass die meisten Krankheiten, für die diese kapitalistisch-patriarchale-koloniale Medizin Heilung verspricht, ohne ein kapitalistisch-patriarchal-koloniales System gar nicht existieren würden. So zum Beispiel auch Krebs, deswegen nennt man es ja eine Zivilisationskrankheit.
      Nun, wo du schon von Robert Koch sprichst: Seine Medizin und sein Ansatz ist meiner Meinung nach besonders untrennbar mit einer bestimmten Form der Verwaltung von Individuuen verbunden. Es ist der Lager-Ansatz, bei dem Menschen, die mit sehr viel Gewalt und Zwang zu einer bestimmten Lebensweise gezwungen werden, dann auch gezwungen werden müssen, eine medizinische Hygiene einzuhalten. Hygiene bemisst sich „vor Kochs Entdeckungen“ übrigens nicht am individuellen Verhalten der Menschen, sondern an den äußeren Umständen unter denen diese zusammengepfercht leben müssen, am Industrialismus und Kolonialismus. Ich halte den Artikel „Eingeimpft“ aus Zündlumpen #078 für recht aufschlussreich zu Robert Kochs Art der Medizin: https://zuendlumpen.noblogs.org/post/2020/11/23/eingeimpft/ oder wenn du abgeschreckt bist vom Tonfall solcher Interventionen, dann lohnt sich stattdessen auch Manuela Bauches „Robert Koch, die Schlafkrankheit und Menschenexperimente im kolonialen Ostafrika“ https://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/robertkoch.htm
      Was ist wenn Menschen sich genetisch behandeln wollen. Nun ich denke dann ist es an ihnen oder an jenen, die diese Behandlung anbieten wollen, eine „neue Genetik“ jenseits des Apparats zu erforschen, der die Genetik aufs engste mit dem Staat, dem kapitalistisch-patriarchalen-kolonialen System und auch faschistischen Ideologien verknüpft. Wenn du sagst, dass sich „manche anarchistische Gemeinden“ entscheiden könnten, die Genetik nicht zur Behandlung zu nutzen, dann setzt du implizit den gesamten patriarchalen-kapitalistischen-kolonialen Apparat voraus, den die Genetik braucht, um sich zu entwickeln, um ihre Produkte herzustellen, usw. Du benötigst für ein Labor, in dem du entsprechende Forschung betreiben kannst ja zweifelslos nicht einfach ein paar Dinge, die du in deiner Umgebung so findest. Nein, du musst in einem imperialen-kolonialen Prozess Ressourcen aus der ganzen Welt zusammentragen, du musst logistische Infrastrukturen nutzen, aufbauen und instandhalten, die den momentanen gleichen oder zumindest sehr ähnlich sind.
      Du drehst also den Spieß um: Etwas, das seinem Wesen nach zumindest in seiner jetzigen Form absolut herrschaftsvoll ist, das erklärst du für „gegeben“ und verteidigst es (verbal) gegen Angriffe derer, die die damit verbundene Herrschaft angreifen. Dabei wäre es doch vielmehr logisch aus Perspektive, die diese Technologie weiter nutzen will, einmal darzulegen, wie man sich das verdammt noch mal vorstellt, ohne diese Herrschaft weiter zu perpetuieren. Was auch immer dabei herauskommen wird, mit der Genetik, wie sie heute existiert, wird das nicht viel zu tun haben. Ich bezweifle auch, dass das so gelingt, aber sicherlich hätte ich kein Problem damit, wenn …

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      • 26. Mai 2021 um 22:54
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        Vielen Dank für die Links! 🙂
        Du hast recht, ohne das kapitalistisch-patriarchal-koloniale System wären viele Zivilisationskrankheiten nicht da, ganz zu schweigen von den ganzen anderen Problemen, die diese Systeme hervorgebracht haben. Aber sie sind nun mal da und manche Menschen würden vielleicht selbst in der tolerantesten Gesellschaft, in der alle integriert sind solche Möglichkeiten nutzen.
        Und du hast recht, nachdem eine anarchistische Gesellschaft eingeführt wäre, müssten die Menschen dieser Gesellschaft einen Weg finden, existierende Wissenschaften von dem kapitalistisch-patriarchal-kolonialen Apparat befreien, in dem sie momentan gefangen ist. Und es wird mit Sicherheit etwas herauskommen, das mit der heutigen Genetik nicht viel zu tun hat. Das hatte ich eigentlich als gegeben für eine anarchistische Gesellschaft gesehen, deshalb hatte ich es nicht erwähnt. Ich hatte auch nicht vor, es als gegeben darzustellen, aber vielleicht dennoch als nützlich auch jenseits des kapitalistisch-patriarchal-kolonialen Systems. Aber so wäre das doch mit allen Dingen, die uns heute sowohl als nützlich erscheinen, aber in einem kapitalistisch-patriarchal-kolonialen System erschaffen wurden, von der Medizin über die Bildung, die Infrastruktur bis hin zur Technologie wie das Internet, das auch Anarchisten verwenden, um zu kommunizieren und sich schneller zu vernetzen, als das früher möglich wäre (und wie man das Internet von dem kapitalistisch-patriarchal-kolonialen System befreien könnte, ist in diesem Artikel beschrieben: https://theanarchistlibrary.org/library/tech-learning-collective-winning-back-the-internet-by-building-our-own?v=1608946911)
        Wir müssen uns entscheiden, in einer anarchistischen Gesellschaft, was wir noch brauchen, und wenn wir es noch brauchen, wie können wir es umbauen, sodass es jenseits eines kapitalistisch-patriarchal-kolonialen Apparates funktionieren könnte. Natürlich würde das radikal anders aussehen, aber der prinzipielle Nutzen (Internet = globale Vernetzung zur einfacheren Kommunikation; Medizin = Heilung von Krankheiten) sollte ja derselbe bleiben. Nur weil die Medizin missbraucht wurde, heißt das ja nicht, dass wir in einer anarchistischen Gesellschaft niemanden mehr heilen wollten. Wir wollen die Menschen von Verletzungen oder Krankheiten heilen, ohne sie dabei zu missbrauchen. Und wie die Menschen mit Verletzungen oder Krankheiten umgehen sollten sie ja auch selbst entscheiden dürfen.
        Ich hoffe, ich habe mich nicht sinnlos wiederholt, sondern meinen eigentlichen Punkt erkläutern können. 🙂

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          • 27. Mai 2021 um 16:11
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            Oh, danke für den Link. 🙂

        • 6. Juni 2021 um 23:09
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          Dazu ein Auszug aus dem Freedom Club Manifest: „Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“:

          DIE UNTRENNBARKEIT VON »GUT« UND »BÖSE« IN DER TECHNOLOGIE

          121. Ein weiterer Grund dafür, weshalb die industrielle Gesellschaft nicht zugunsten von mehr Freiheit reformiert werden kann, liegt darin, dass die moderne Technologie ein einheitliches System darstellt, in dem alle Teile voneinander abhängig sind. Man kann die »bösen« Seiten der Technologie nicht los werden und nur die »guten« behalten. Ein Beispiel dafür gibt die moderne Medizin. Der Fortschritt der medizinischen Wissenschaft hängt vom Fortschritt in Chemie, Physik, Biologie, Computerwissenschaft und anderen Gebieten ab. Moderne medizinische Behandlung erfordert eine teure High-Tech-Aus- rüstung, die nur in einer technologisch fortgeschrittenen und wirtschaftlich wohlhabenden Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden kann. Es wird deutlich, dass medizinischer Fortschritt nicht denkbar ist ohne das gesamte technologische System und allem, was dazu gehört.

          122. Sogar wenn man den medizinischen Fortschritt ohne das übrige technologische System aufrechterhalten könnte, würde er selbst einige Übel mit sich bringen. Angenommen, man hätte ein Heilmittel gegen Diabetes entdeckt. Menschen mit einer genetischen Anlage zu Diabetes könnten dann überleben und sich wie jeder andere fortpflanzen. Die natürliche Auslese gegen Diabetes-Gene wird dann gestört und diese Gene werden sich in der gesamten Bevölkerung verbreiten. (Dies ist in gewissem Umfang bereits geschehen, weil Diabetes zwar nicht heilbar ist, aber mit Hilfe von Insulin unter Kontrolle gebracht werden kann.) Dasselbe wird mit vielen anderen Krankheiten geschehen, für die Menschen mit einer bestimmten genetischen Disposition anfällig sind (z.B. Krebs bei Kindern), die Folge ist eine massive genetische Degradierung der Bevölkerung. Die einzige Lösung wird eine Art Eugenikprogramm sein oder extensive Genmanipulation beim Menschen, sodass der Mensch der Zukunft nicht länger ein Geschöpf der Natur oder des Zufalls oder Gottes (je nach religiöser oder philosophischer Überzeugung) sein wird, sondern ein künstlich erzeugtes Produkt.

          123. Wer findet, dass sich der Staat JETZT schon zu sehr in das Privatleben einmischt, sollte erst ab warten, bis der Staat die genetischen Anlagen seiner Kinder reguliert. Solche Regulierungen werden die unvermeidbare Folge sein, wenn Genmanipulationen beim Menschen zugelassen werden, weil die Konsequenzen einer nichtregulierten Genmanipulation verheerend sein würden.

          124. Die übliche Antwort auf solche Befürchtungen ist das Gerede von »medizinischer Ethik«. Aber ein ethischer Code würde die Freiheit nicht vor dem medizinischen Fortschritt schützen können; er würde die Sache eher verschlimmern. Ein ethischer Code, der auf Genmanipulationen anzuwenden ist, wäre im Endeffekt ein Mittel der Regulierung der genetischen Verfassung des Menschen. Irgendjemand (wahrscheinlich hauptsächlich die obere Mittelschicht) würde entscheiden, dass diese oder jene Anwendung der Genmanipulation »ethisch« sei, andere dagegen nicht, sodass sie letztlich ihre eigenen Wertvorstellungen über die genetische Ausstattung der gesamten Bevölkerung aufzwingen würden. Selbst wenn ein Ethikgesetz auf vollkommen demokratischer Grundlage beschlossen würde, hätte damit die Mehrheit ihre Wertvorstellungen gegenüber allen Minderheiten durchgesetzt, die vielleicht eine andere Vorstellung dessen haben, wie ein »ethischer« Umgang mit Genmanipulationen aussehen könnte. Das einzige ethische Gesetz, das wirklich einen Schutz der Freiheit gewährleisten könnte, wäre das Verbot JEGLICHER Genmanipulation am Menschen, doch mit Sicherheit wird in einer technologischen Gesellschaft kein solches Gesetz erlassen werden. Kein Gesetz, das der Genmanipulation nur eine untergeordnete Rolle erlaubt, würde lange bestehen können, weil die Versuchung der unfassbaren Macht der Biotechnologie unwiderstehlich ist, besonders weil viele ihrer Anwendungen von der Mehrheit der Menschen ganz offensichtlich und unzweideutig für gut gehalten werden (das Ausrotten von physischen und geistigen Krankheiten, die Möglichkeit, Menschen die Fähigkeiten zu geben, die sie brauchen, um in der heutigen Welt zurechtzukommen). Genmanipulation wird unvermeidlich in weitem Umfang angewandt werden, jedoch nur auf eine Art und Weise, die den Bedürfnissen des industriell-technologischen Systems entspricht.

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