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Atlanta: Statement zu den Spa-Morden

Statement von Atlanta Antifascists zu der jüngsten Massenerschießung und Morden in der Gegend von Atlanta, die auf asiatische Spas abzielten und 8 Menschen töteten, veröffentlicht auf It’s Going Down.

Die gestrige Serie von tödlichen Erschießungen im Großraum Atlanta endete mit acht Toten und weiteren Verletzten. Der Killer hatte es auf asiatische Spas abgesehen, sechs der Opfer waren asiatische Frauen. Die Massenerschießung wird weitreichende Auswirkungen haben und traumatische Nachbeben auf nationaler Ebene verursachen.

Heute taucht die Nachricht auf, dass der Schütze möglicherweise Kunde in den von ihm angegriffenen Spas oder ähnlichen Geschäften war. Der Sheriff von Cherokee County – wo die Hälfte der Menschen ermordet wurde – bekräftigte die Behauptung des Mörders, dass Rassismus kein Motiv für seine Morde an den meist asiatischen Frauen war. Ein Sprecher des Sheriff-Büros erklärte, der Mörder habe einen „wirklich schlechten Tag“ gehabt und verwies auf eine angebliche Sexualsucht.

Unsere Gruppe widmet sich dem Aufspüren von faschistischem, rechtem und rassistischem Hass. Der Mörder war nicht auf dem Radar unserer Organisation. Während vieles unbekannt bleibt, können relevante Unterscheidungen zwischen dem gestrigen Gemetzel und der Gewalt ideologischer weißer Rassist:innen gemacht werden, zum Beispiel durch Mitglieder von akzelerationistischen Neonazi-Gruppen. Als Mitglieder der Metro-Atlanta-Gemeinschaft, als Feminist:innen und als Antirassist:innen weisen wir Versuche, die gestrigen Morde zu entpolitisieren, entschieden zurück. Um in sinnvoller Solidarität zu handeln, müssen wir verstehen, dass diese Ausschreitungen am Sammelpunkt mehrerer struktureller Unterdrückungen stattfanden.

Die Morde beinhalten potenziell mindestens vier Arten von Hass. Wir besprechen sie der Reihe nach und bieten dann Vorschläge an, wie man jeder Art begegnen kann.

  • Hass gegen Asiat:innen: in diesem Moment speziell gegen Ost- und Südostasiat:innen, der im letzten Jahr von Konservativen und Verschwörungstheoretiker:innen im Zuge der COVID-19-Pandemie hochgepeitscht worden ist. Dieser Hass wurde von den höchsten politischen Ebenen durch Verweise auf das „China-Virus“ nach unten übertragen, war aber bereits in unserer Gesellschaft vorhanden, aufbauend auf mehr als einem Jahrhundert der Entmenschlichung von Asiat:innen in Zeiten des Krieges. Es gibt wenig Zweifel, dass der wachsende antiasiatische Rassismus einen Hintergrund für seine Taten bot. Ideologische Rassist:innen werden diesen Moment nutzen, um das Leiden der asiatischen Gemeinschaften weiter ins Visier zu nehmen und zu verstärken – wie es bereits online geschieht.
  • Hass gegen Migrant:innen of Color: auch hier wird er von Politiker:innen und Mediengrößen geschürt. Dies baut zusammen mit anti-asiatischem Rassismus auf, da angenommen wird, dass alle Asiat:innen Migrant:innen sind. Rassist:innen verwenden oft positive Stereotypen von Asiat:innen, um sie als Waffe gegen andere Gruppen, insbesondere Schwarze Menschen, einzusetzen. Doch wenn asiatische Gemeinschaften als Teil einer migrantischen Masse dargestellt werden, die eine angebliche Bedrohung für Weiße darstellt, werden diese Gemeinschaften zum Ziel von racialem Hass und Gewalt.
  • Frauenhass/Misogynie: Die frauenfeindliche Natur von Massenerschießungen, die meist auf Frauen abzielen, sollte klar sein. Misogynie ist auch eine Triebfeder der modernen weißen Vorherrschaft. Nicht nur, dass frauenhassende Bewegungen wie Inceldom, „Men’s Rights Activism“ und GamerGate Wege für die Radikalisierung der weißen Vorherrschaft bieten, sondern Massenmorde, die auf Frauen abzielen, werden oft innerhalb der weißen Vorherrschaftskultur gefeiert. Misogynie durchdringt den Rassismus an fast jeder Stelle. Die meisten anti-asiatischen Angriffe im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie zielten auf asiatische Frauen.
  • Hass auf Sexarbeiter:innen: Dieser ist stark mit Frauenfeindlichkeit verbunden und wird oft von Rassismus geprägt. Sexarbeiter:innen werden besonders ins Visier genommen, weil Vorurteile aus der breiteren Gesellschaft sie angreifbarer machen. Sexarbeiter:innen werden oft für ihre eigene Viktimisierung verantwortlich gemacht und von den Strafverfolgungsbehörden ebenso ins Visier genommen wie von Sexualstraftätern. Unabhängig davon, ob alle Opfer der Spa-Schießereien Sexarbeiter:innen waren oder nicht, werden sie in der Öffentlichkeit wahrscheinlich als solche wahrgenommen.

Die Medienberichterstattung in den kommenden Wochen wird sich stark auf den Mörder und seine Beweggründe konzentrieren. Wir möchten die Menschen ermutigen, sich stattdessen auf die Opfer und die weiteren betroffenen Gemeinschaften zu konzentrieren. Hier sind unsere Vorschläge:

  • Unterstütze Basisorganisationen der asiatisch-amerikanischen Gemeinschaft und Anti-Hass-Kampagnen
  • Unterstütze Migrant:innenorganisationen, Initiativen gegen ICE und antirassistische Bildung
  • Unterstütze feministischen Aktivismus und schaffe Interventionen in der misogynen Rekrutierungspipeline
  • Unterstütze Sexarbeiter:innen-Peer-Organisationen und kämpfe gegen die Entmenschlichung und Kriminalisierung von Sexarbeiter:innen.

Wir bitten unsere Leser:innen auch, aktiv gegen Desinformation zu kämpfen, sei es von Rassist:innen, Verschwörungstheoretiker:innen, rechtsradikalen Organisator:innen oder anderen Quellen. Wenn du hörst, dass jemand Verschwörungstheorien verbreitet, mach deinen Mund auf. Melde Seiten, die Desinformationen verbreiten oder auf Gemeinschaften in der Region Atlanta abzielen. Wenn das nicht ausreicht, übe Druck auf Social-Media-Unternehmen aus, damit diese handeln.

Wir hoffen, dass wir Spendenaktionen für die betroffenen Opfer und ihre Familien ankurbeln können, wenn diese verfügbar werden. Wir werden Informationen über unsere sozialen Medien weitergeben. Denke daran, dass manche Menschen möglicherweise zweimal zum Opfer werden, einmal durch den Mörder und ein zweites Mal durch die Strafverfolgungsbehörden. Wenn während der Ermittlungen Immigrationsfälle auftauchen, muss die Öffentlichkeit lautstark Immunität für die Opfer fordern.