Die Linke muss Antisemitismus in ihren eigenen Reihen bekämpfen

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Übersetzung eines Forward-Artikels von BigBlackBanner

Im letzten Jahr sind verschiedene antisemitische Verschwörungstheoretiker*innen auf linksgerichteten Veranstaltungen in New York aufgetreten. Als Beobachter rechtsextremer Politik, verfolge ich solche Dinge und habe einen deutlichen Anstieg der Anzahl solcher Ereignisse Festgestellt. Aber im Gegensatz zu anderen intoleranten Menschen, die in der Trump-Ära energetisiert wurden, suchen diese Antisemit*innen ihr Publikum unter den Großes L „Linken“ – Anarchist*innen, Marxist*innen, Sozialist*innen und Teilnehmer*innen an sozialen Bewegungen wie Occupy Wall Street. Aber immer mehr Linke sprechen sich dagegen aus, und wenn das so weitergeht, können wir dafür sorgen das sich die Antisemit*innen nicht mehr wohlfühlen. Der bekannteste Vorfall war ein Vortrag von Christopher Bollyn, einem ehemaligen Herausgeber der Holocaustleugner-Publikation Barnes Review, im September 2016 im Brooklyn Commons. Im April 2017 sprach Gilad Atzmon – der sagt, er sei ein „stolzer selbsthassender Jude“, aber Juden seien keine „normalen Menschen“ – im Theater 80 in Manhattens East Village. Und im Mai 2016 umfassten die jährliche Konferenz des Linken Forums, an der Tausende von Menschen teilnahmen, Disskusionsgruppen zu Verschwörungstheorien. Inmitten der Bollyn-Kontroverse stellte sich heraus, dass einige der Redner Antisemit*innen waren. Kevin Barret zum Beispiel bezweifelte die Tatsache des Holocausts und behauptete, dass die USA einen „zionistischen Doller“ haben, weil die Federal Reserve von Jüd*innen kontrolliert wird,während Gearóid Ó Colmáin sagt, dass Flüchtlinge auf „Rothschild’s Schlachterschiffen, den Sklavenbooten der zionistischenn Weltordnung nach Europa fliehen. Einige in der jüdischen Gemeinde gehen davon aus, dass die Linke oder zumindest die radikale Linke – erbittert antisemitisch ist. Aber das ist ein Missversändniss. Ein Teil dieser Nebulosität liegt an der Definition des Begriffs Antisemitismus. Falls es beinhaltet, ein Ende Israel’s Besetzungen nach 1976 zu fordern, ist die US-Linke mit Sicherheit schuldig. Abgesehen davon identifizieren sich die meisten bekennenden Linken nicht als antisemitisch und kritisieren im Allgemeinen die immer häufiger verbreiteten wilden Verschwörungstheorien über Jüd*innen. Aber selbst in jenen linken Kreisen, in dem mensch antisemitische Verschwörungstheorien finden kann, gelten noch immer zwei Grundsätze: Du darfst den Holocaust nicht leugnen und du darfst nicht alle Jüd*innen denunzieren. Um letzteres zu umgehen, recyceln einige Autor*innen antisemitische Ideen, nennen jedoch eine Untergruppe von Jüd*innen – normalerweise „die Zionisten“ – als Verschwörer*innen. Aber es gibt nur etwa ein halbes Dutzend Autor*innen die dieses Spiel spielen und Sprechzeit bekommen. Keine bekannten Namen, und von mehreren linken Webseiten; ist CounterPunch die einzige prominente Seite, die dies willkommen heißt. Die gute Nachricht ist, obwohl dass mehrere Jahre gedauert hat, dass Antisemitischen Verschwörungstheoretiker*innen marginalisiert werden. Antizionistische hard-liner haben sich die Mühe gegeben, sich von Atzmon zu distanzieren. Jewish Voice for Peace hat die Verbindung zu Alison Weir abgebrochen, die antisemitische Bilder verwendete, auf die Weise die Antisemit*innen typischerweise den jüdischen Einfluss auf die Weltpolitik dargestellt haben. Zum Beispiel behauptet sie, dass Zionist*innen, eine besonders wichtige Rolle dabei spielten die USA in den Ersten Weltkrieg zu drängen. Sowohl Bollyn’s als auch Atzmon’s Auftritte in New York City stießen auf Proteste. (In beiden Fällen besaßen Privatpersonen die Veranstaltungsorte und weigerten sich, die Veranstaltung abzusagen). Und dieses Jahr hat Left Forum – mein ehemaliger Angestellter – Barret’s Gremien abgesagt nachdem ich und andere ihnen mit Dokumentationen seiner abscheulichen Ansichten vorgelegt hatten. Es ist fast immer zutiefst frustrierend, Linke davon zu überzeugen, diese Verbindungen zu lösen – aber oft ist es erreichbar. Linke wissen, dass diese Menschen ihre Bewegungen beeinträchtigen, obwohl sie oft zögern, in scheinbar endlose Kontroversen über Antisemitismus hineigezogen zu werden. Es gibt fast immer Unglauben, wenn Sie das Thema ansprechen, und die Tendenz, jegliche Dokumentation zu verwerfen, die von normalen Überwachungsorganisationen stammt. Und es kann Sie auch zum Zentrum unerwünschter Aufmerksamkeit machen; Barrett führte eine Verleumdungskampange gegen mich durch, als Rache dafür dass ich ihm entlarvt habe. Aber Linke ändern normalerweise ihre Meinung, sobald sie verstehen, dass diese wiederwärtigen Allianzen kritische Medienaufmerksamkeit erzeugen. Linke Jüd*innen kommen oft privat zu mir und beschweren sich über den Antisemitismus, den sie erlebt haben, fühlen sich aber gezwungen, darüber zu schweigen. Aber je mehr Menschen innerhalb der Linken dagegen aussprechen, desto weniger wahrscheinlich ist es, das die antisemitischen Verschwörungstheoretiker*innen eine einladende Plattform finden.Dieses Wochenende im Left Forum spricht noch eine antisemitische Verschwörungstheoretikerin, Alison Weir. Es gibt also immer noch Raum führ Verbesserungen. Aber Barrett hält seine Vorträge am Samstag, dem 4. Juni, an einem geheimen Ort außerhalb der Konferenz unter dem Namen „Left Out Forum“. Es ist eine Schande, dass er überhaupt ein Publikum anziehen wird, aber sein Vortrag ist genau dort wo er sein sollte: aus der Linken herausgelassen.

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2 Gedanken zu „Die Linke muss Antisemitismus in ihren eigenen Reihen bekämpfen

  • 12. März 2021 um 13:52
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    Was den Juden als Juden im Holocaust angetan wurde, ist nie wieder gut zu machen. Niemand kann sich einbilden, jemals auf der sicheren Seite zu stehen. Was einmal geschah, kann wieder geschehen.
    Ein nicht geringer Teil der „scheinbar endlosen Kontroversen über Antisemitismus“ in der deutschen vergifteten Debattenkultur ist der Verwirrung der Begriffe und auch absichtlichen Desinformation geschuldet, unter Antisemitismus sei alles zu verstehen, was sich kritisch gegen die unterdrückerische Politik Israels gegenüber der einheimischen palästinensischen Bevölkerung in Form von Segregation, Apartheid und ethnischen Säuberungen, Landraub, Zerstörung von Häusern und Lebensgrundlagen und alltäglicher Terrorisierung positioniert.
    Dabei wird von einer chauvinistischen Warte aus definiert, unter „den Juden“ sei eine homogene Gruppe zu verstehen, und sogenannte Deutsche erdreisten sich sogar zu entscheiden, wer als „richtige Juden“ anzusehen sei. Da scheint mehr der Gebrauch „der Juden“ als Projektionsfläche für eigene „Schuldentlastungs“-Sehnsüchte im Spiel zu sein als echte Aufarbeitung auch der eigenen Stereotypien.
    Auch über den politischen Begriff des Antizionismus gibt es Klärungsbedarf. Kritik gegenüber dem Zionismus als der staatstragenden Ideologie Israels wird mit Antisemitismus gleichgesetzt und tabuisiert.
    Moshe Zuckermann hat eine einfache Formel dafür: Nicht alle Juden sind Zionisten, nicht alle Zionisten sind Israelis, nicht alle Israelis sind Juden.
    Sein Buch „Der allgegenwärtige Antisemit“ sei jedem Menschen, der es mit der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ernst meint, wärmstens empfohlen.

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  • 13. März 2021 um 12:59
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    Es ist wichtig zwischen legitimer Kritik an Israel und antisemitischen Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Zum Beispiel zu sagen dass AIPAC U.S. Politikern Anreize gibt eine militaristische Politik zu fördern ist eine legitime Kritik. Zu behaupten dass die Israel Lobby heimlich die US Regierung kontrolliert, ist eine antisemitische Verschwörungstheorie.

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