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Dutzende Tote bei Myanmars schlimmstem Tag der Gewalt seit dem Putsch

Sicherheitskräfte eröffnen das Feuer auf Anti-Putsch-Demonstrierende in Yangon, Mandalay und anderswo

Die Polizei setzt Tränengas ein, um die Demonstrierenden in Mandalay zu vertreiben


Mindestens 33 Menschen wurden getötet, nachdem Myanmars Sicherheitskräfte das Feuer auf friedliche Anti-Putsch-Demonstrierende in mehreren Städten eröffneten, dem schlimmsten Tag der Gewalt seit dem Militärputsch im letzten Monat.

Die Polizei und das Militär haben zunehmend tödliche Gewalt angewendet, um die Demonstrationen zu unterdrücken, wobei inzwischen mindestens 40 Menschen seit dem Putsch am 1. Februar getötet wurden.

Die Menschenmassen sind weiterhin täglich auf die Straße gegangen, um der Militärjunta zu trotzen, nur mit Schutzbrillen, Schutzhelmen und selbstgebauten Schilden als Schutz. Die Demonstrierenden fordern, dass das Militär die Demokratie wiederherstellt und ihre gewählten Anführenden freigelassen werden.

Thinzar Shunlei Yi, ein Menschenrechtsaktivist mit Sitz in Yangon, beschrieb die Gewaltanwendung des Militärs gegen die Demonstrierenden als „tägliches Gemetzel“.

Unter denen, die am Mittwoch starben, war eine 19-jährige Frau, die in Mandalay erschossen wurde. Bilder, die in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigten sie mit einem T-Shirt, auf dem „Alles wird gut“ stand. Ein Teenager wurde ebenfalls getötet. Lokale Medien berichteten, er sei 14 Jahre alt.

Sicherheitskräfte setzten tödliche Gewalt in mehreren Städten ein, darunter Monywa, wo sechs Menschen getötet und mindestens 30 verletzt wurden, so ein Zeuge gegenüber dem Guardian. Hunderte von Menschen hatten sich zum Protest eingefunden, als die Polizei gegen 11 Uhr das Feuer eröffnete.

Mindestens acht Menschen wurden in einem Viertel in Yangon getötet, nachdem Sicherheitskräfte am frühen Abend das anhaltende Feuer mit automatischen Waffen eröffneten, wie Reuters berichtet.

Ein Demonstrant, der Zeuge der Niederschlagung im North Okkalapa Township war, sagte dem Guardian, dass das Feuer ununterbrochen war. „Ich werde immer noch an die Frontlinie gehen. Wenn ich erschossen werde und sterbe, dann soll es so sein. Ich kann es nicht mehr aushalten“, sagte er.

Demonstrierende fliehen vor den Sicherheitskräften in Yangon — Bild: Anadolu/Getty Images


Demonstrierende in der Gegend hatten Straßen blockiert, so dass Gefängnistransportfahrzeuge, die junge weibliche Häftlinge transportierten, nicht passieren konnten, sagte der Demonstrant. Die Demonstrierenden hatten Berichte über sexuelle Übergriffe auf Frauen in den Gefängnissen gehört und fürchteten um die Sicherheit der Insassinnen.

Die Polizei setzte Schleudern ein und feuerte Tränengas ab, um den Weg frei zu machen, sagte er. Gegen 17 Uhr feuerten die Beamt:innen mit Gummigeschossen auf die etwa 100 verbliebenen Demonstrierenden, dann schossen Soldat:innen mit scharfen Geschossen. Der Demonstrant sagte, dass ein Mann neben ihm angeschossen wurde und überlebte, aber sie konnten ihn erst ins Krankenhaus bringen, nachdem die Polizei abgezogen war.

„Ich habe keine Worte, um zu beschreiben, was ich fühle. Da waren so viele Menschen, die auf der Straße starben. Sie haben auf jede Person auf der Straße geschossen“, sagte ein anderer Demonstrant, der ebenfalls anonym bleiben wollte. „Wir sind keine Terrorist:innen, wir sind Zivilist:innen, wir versuchen, unsere Demokratie zurückzubekommen. Wir protestieren friedlich, aber sie terrorisieren uns.“

Ko Bo Kyi, ein Sekretär der Rechtsgruppe Assistance Association for Political Prisoners, sagte, dass am Mittwoch mindestens 18 Menschen von Sicherheitskräften getötet wurden. Todesopfer wurden in der nördlichen Stadt Hpakant und der zentralen Stadt Myingyan gemeldet.

Die Associated Press berichtete später, dass 33 Menschen getötet wurden.

Hunderte von Menschen wurden allein in Yangon festgenommen, wie Myanmar Now, ein unabhängiges Magazin, berichtete. Videos, die in den sozialen Medien gepostet wurden, zeigten Schlangen von jungen Männern, die sich mit den Händen an dem Kopf in Armeelastwagen drängten.

Unabhängig davon zeigten Videoaufnahmen, die von Radio Free Asia veröffentlicht wurden, wie die Polizei einen Krankenwagen anhielt und drei Sanitäter:innen festhielt. Die Bullen griffen sie an, traten und schlugen sie mit Gewehrkolben.

Seit der Machtergreifung des Militärs wurden fast 1300 Menschen festgenommen, darunter die gestürzte Führerin des Landes, Aung San Suu Kyi, gegen die vier Anklagen erhoben wurden, und der Präsident Win Myint. Am Mittwoch wurden zwei neue Anklagen gegen Win Myint bekannt gegeben, darunter eine wegen eines angeblichen Verfassungsbruchs, der mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Es wird erwartet, dass der UN-Sicherheitsrat am Freitag eine geschlossene Sitzung über die Situation abhält, nachdem Großbritannien ein Treffen beantragt hat. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass koordinierte Maßnahmen vereinbart werden, da China und Russland zuvor Versuche, Druck auf Myanmars Militär auszuüben, blockiert haben.

Die Außenminister:innen der Association of Southeast Asian Nations, in der Myanmar Mitglied ist, trafen sich am Dienstag, aber die Gruppe kam zu keinen bedeutenden Maßnahmen. Eine am Dienstag veröffentlichte Erklärung forderte ein Ende der Gewalt. Allerdings forderten nur vier Mitglieder – Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Singapur – die Freilassung von Aung San Suu Kyi und anderen Inhaftierten.


Quelle: The Guardian