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LASST. MICH. STERBEN. Pandas, Technologie und das Ende der Welt

Wenn man ewig in einem Käfig ‚lebt‘, wenn die Möglichkeit zu sterben Stück für Stück gestohlen wird und die schreckenerregende Realität einer ‚unsterblichen Menschheit‘ jeden Tag ein Stückchen näher rückt, wenn die Kosten dafür, überhaupt zu existieren, sind, dass man durch diese Welt gerade mal am Leben gehalten wird, und wenn jede Möglichkeit auch nur die kleinste Freiheit zu realisieren, die Möglichkeit wirklich zu leben, gestohlen wird unter der Prämisse dich zu beschützen, kann es nur eine Forderung geben, die in dieser alptraumhaften Realität gestellt werden kann… LASST. MICH. STERBEN.

Unsterblichkeit zerstören

1. Die primäre Verteidigung der Zivilisation in dieser Epoche (insbesondere in der westlichen Welt) ist das Argument, dass Zivilisation das ‚Leben‘ verlängert, oder wenigstens die Lebenserwartung.

2. Die Wissenschaft erzählt, dass man erwarten könne länger zu leben, gesünder und produktiver als jede Generation vor uns.

3. Vermeintlich bessere medizinische Versorgung, die Fähigkeit viele Viren und Infektionen zu heilen oder einzudämmen, die Sterilisation von Umweltgefahren und die Verminderung der allgemeinen Risiken bei der eigenen Fortpflanzung tragen alle zu der Perspektive bei, dass diese Welt und ihre Organisation das Leben fördert.

4. Technologie hofiert unsere Todesangst mit dem Versprechen von Computern, die in der Lage dazu seien, unsere Psychen herunterzuladen, von der Möglichkeit, uns in einer gigantischen Datenwolke zu speichern, ewig zu ‚leben‘.

5. Gleichzeitig sammeln Algorithmen von Werbetreibenden und Staaten bereits gewaltige Schwaden an individualisierten Daten – Musikgeschmack, Essgewohnheiten, innere Zweifel und Sorgen, Beziehungs’status‘, Freundeskreis etc. – und speichern diese in Datenbanken und Geräten, die deutlich langsamer verrotten werden als jeder menschliche Körper.

6. Der Prozess der Androidifizierung, der mit der Einführung ’smarter‘ Telefone in den Alltag begann; und nun mit ’smarten‘ Apps, Homes, Cities fortgeführt wird, verändert für immer die Natur nicht nur des menschlichen ‚Lebens‘, sondern auch den menschlichen Körper, wie wir ihn kennen. Man kann heute einen Gedanken in weniger als der Zeit, die benötigt wird, um ihn zu denken, um die ganze Welt schicken und dafür sorgen, dass dieser Gedanken ‚ewig‘ im Netzwerk aufgehoben wird. Die nächsten Schritte werden wahrscheinlich die Implantation solcher Technologien nicht nur auf, sondern auch in den menschlichen Körper sein [1].

7. Man muss nur in die Richtung sehen, die die Nanotechnologie und andere ‚hochmoderne‘ Wissenschaft eingeschlagen hat, um diesen Trend zu sehen – das Chaos der letzten Epoche aufräumen (kohlenstoffessende Technologien [2], ‚Recycling‘ bis zum Erbrechen), die Gefahr eindämmen, die in der Dunkelheit lauert (Sterblichkeit/Aussterben), und das Leben wieder einmal bis zu irgendeiner imaginären goldenen Ewigkeit verlängern.

8. Der Himmel ist nicht länger ein mythischer Ort neben Gott, in Kultur und Tradition verankert, sondern ein paar sehr konkrete wenige Quadratmillimeter Mikrochip und eine WLAN-Verbindung.

9. Selbst die endliche Existenz des Habitats (das Ende der Erde als gastlicher Planet aufgrund von Umweltzerstörung, ‚Natur’katastrophen etc.) wird mit dem Versprechen einer für das Weltall bereiten Menschheit abgemildert, die die Galaxie kolonisieren und dem Tod ein weiteres Mal entkommen wird.

10. Jenseits der Aufrechterhaltung lediglich des menschlichen Lebens betrachtet es diese Epoche als ihre Pflicht keimfrei alles zu bewahren, was die menschliche Zivilisation zerstört hat. Schau auf die Zoos, die ‚Umweltschutzprojekte‘, das Aufzwingen des Verlangens der Menschheit ewig zu leben auf andere Spezies, die bis heute ohne unsere Einmischung glücklich aufgehört hätten zu existieren (beispielsweise Pandas, die sich überwiegend der reproduktiven Futurorität [futurority] verweigern [insbesondere in Zoos] und für die ‚Pandaporno [3]‚, Phäromonbehandlungen und künstliche Befruchtung erfunden wurden, um die Aufrechterhaltung der Spezies in Gefangenschaft zu erzwingen).

11. Alles muss leben. Alles muss ewig leben (egal um welchen Preis und um welche Konsequenzen). Tod ist etwas, dem wir entfliehen können. Qualität ist unwichtig, Fortdauer ist der Schlüssel.

12. Bei alledem scheint niemand die einfachste aller Fragen zu stellen. Warum? Warum sollte ein Leben länger dauern? Warum sollte ein Leben ewig dauern? Warum haben wir es nötig unendlich lange zu existieren?

13. Und indem diese Frage nicht gestellt wird, marschiert die Menschheit in einen viel wahreren, viel realeren Tod als das körperliche Ende eines einzelnen Wesens. Sterblichkeit ist, was die Möglichkeit zu leben, wirklich zu leben, erschafft – leben ohne Käfig oder Petrischale, gefährlich leben, leben mit dem Risiko zu sterben. Ohne Tod kann es kein Leben geben.

14. Die Aufrechterhaltung des ‚Lebens‘ auf Kosten des Lebens, sicher und beschützt vor den Gefahren von außerhalb, bildet straffere und straffere Beschränkungen gegenüber dem, was es bedeuten kann zu leben, die gesamte Zivilisation wird eine ‚lebenserhaltende Maschine‘, und im Austausch akzeptieren wir, vollkommen komatös zu existieren.

15. Der Mythos des Himmels verlangte, dass man die Übel der Welt für das Versprechen eines glorreichen Jenseitses akzeptierte, der Mythos der Technologie vollstreckt die Übel der Welt im Austausch dafür, dass man innerhalb dieser für immer existieren kann.

16. Gefängnismauern, Irrenhäuser, Schulen, Büros, Wohnhäuser bedeuteten, dass menschliches Leben gezügelt werden konnte, bewahrt, beschützt (aber nie frei war eine Form zu finden) innerhalb einiger weniger Quadratmeter, Computertechnologie reduziert die Größe des Käfigs tausendfach.

17. Die Frage, die sich freie Wesen in dieser Epoche stellen müssen, ist, ob die Kosten fürs ‚Leben‘ die immer klinischere Umgebung rechtfertigen, in der sie reproduziert werden. Man muss sich selbst fragen: Möchte ich überleben? Oder möchte ich LEBEN? Die beiden sind nicht mehr länger dasselbe.

18. Mit der sehr realen Möglichkeit konfrontiert, dass es einer*m nicht mehr erlaubt wird zu sterben – kommt man zu der Forderung danach als eine Form der Weigerung.

19. Der Lebenskult – der paradoxerweise ein Kult des lebendigen Todes ist, muss zerstört werden.

20. Lassen wir die Finsternis ein, lassen wir diese fragilen Körper welken und schwinden, lassen wir den Wüstenwind die zerbrochenen Trümmer der Zivilisation zerstreuen, sorgen wir dafür, dass das Universum die Spuren vergisst, die wir hinterlassen haben.

21. Zerbrechlichkeit, Zeitlichkeit, Sterblichkeit ist nichts, vor dem man sich fürchten müsste; sondern dass es zu feiern gilt – „flüchtig, bedeutungslos und kurz“ sind wahrscheinlicher Synonyme für Freiheit als es „ewig, technologisch und gezügelt“ jemals sein könnten.

Sicherheit als Illusion – Gefahr als Bruch

1. Mit der Erhaltung des Lebens als lebendiger Tod ist das zweite Versprechen der Mauern der Zivilisation verbunden, das Versprechen von Sicherheit.

2. Sicherheit ist immer eine Illusion, wie die unzähligen Attentate und die ständig sich ändernden Sicherheitsprotokolle am Flughafen offenbaren – ihre Auferlegungen jedoch sind sehr solide. Nimm die traditionelle Mauer rund um eine Stadt oder eine Siedlung (die den Schutz vor Bedrohungen von außen – vor dem Barbarischen – verspricht); die Mauer kann untergraben, erklommen, ja sogar zerstört werden, wenn man denn Zeit und Motivation dazu hat, sie zerfällt mit der Zeit und ohne beständige Wartung und kann einfach nur dadurch überwunden werden, dass die Person verführt wird, die sie bewacht. Trotzdem scheint für das Individuum innerhalb der Mauern die Masse an Steinen undurchdringlich und unüberwindbar und stellt eine sehr materielle Abschneidung von dem dar, was sich draußen befindet (zum Beispiel kann man nicht einmal sehen, was sich außerhalb der Mauern befindet).

3. So ist die Illusion von Sicherheit bloßgestellt, nicht als eine Form von Schutz, sondern als eine Form der Einhegung; nur diejenigen, die innerhalb der Mauern leben, können von der Undurchdringlichkeit von Sicherheit überzeugt sein – jede*r willens genug jenseits der Mauer zu existieren, kann den Papiertiger so sehen, wie er wirklich ist – eine Falle, um Flucht zu verhindern und ein Schutz vor Zutritt.

4. Heutzutage sind Mauern viel diffuser; produziert auf psychischer Ebene und in der Psyche in den Schulen und innerhalb von menschlichen Beziehungen werden die Mauern in den Köpfen der Individuen errichtet, die über so viele Generationen hinweg innerhalb derselben gelebt haben und die es nun nicht mehr brauchen, dass sie das Außen nicht sehen, um davor Angst zu haben.

5. Die Illusion von Sicherheit durchdringt jeden Aspekt unseres Alltags, was ‚Sicherheit‘ bedeutet wird nie konkret definiert; abgesehen von den Kolonnen an Fußsoldat*innen, die in den Straßen patrouillieren, und Videoüberwachung an jeder Straßenecke gibt es keine diskursive Definition, was es bedeuten könnte ’sicher‘ zu sein und keine konkrete Beschreibung dessen, was denn die Gefahr wirklich ist.

6. Sogar radikale Milieus haben diese Logik übernommen, durch Forderungen nach ’safe spaces‘, durch Policies, die Sicherheit definieren und durch die Vorstellungen, man könne Orte oder Gemeinschaften schaffen, die frei seien von den ‚Gefahren‘ der äußeren Welt.

7. Sicherheit setzt immer imaginäre Gefahren voraus – normalerweise die Gefahren von außen, vom ‚anderen‘ oder am allermeisten die der Sterblichkeit. Im Namen der Überlebenssicherung wird jede repressive Maßnahme normalisiert.

8. Beim Suizid behilflich zu sein oder ihn zu erlauben ist fast überall auf der Welt illegalisiert [4], die Käfige von psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen sind voller Individuen, die eine ‚Gefahr‘ für ihr eigenes oder das Leben anderer darstellen.

9. Die Forderung nach Sicherheit geht immer Hand in Hand mit den Kräften der Herrschaft. Mag es auch in der Tradition des radikalen Feminismusses liegen, die ’sicherere Straßen‘ für Frauen vor maskierten und rassifizierten Angreifern forderten (was zu riesigen Polizeieinmärschen in arme und rassifizierte Communities führte), oder der Vorstoß von LGBT-Organisationen zu einer Gesetzgebung bezüglich Hassverbrechen, die Individuen vor Belästigung und Übergriffen auf der Straße beschützen sollte (und die als Vorwand hergenommen wurde, um im Zweifel jede*n damit festnehmen zu können und die die Zahl derer, die ins Gefängnis gesperrt wurden oder eine sonstige Strafe erhielten, in die Höhe trieb, für so geringe Dinge wie ‚fuck‘ in der Öffentlichkeit gesagt zu haben). [5]

10. Ein passendes Beispiel für die anthropozentrische Obsession mit Sicherheit ist die ‚Hauskatze‘; ein Wesen, das die Gesamtheit seiner Existenz in den begrenzten Mauern einer Wohnung verbringt. Auf der Idee basierend, dass die Gefahren der äußeren Welt – sich zu verlaufen, zu verhungern, von einem Auto überfahren zu werden – so angsteinflößend sind (aus der Sicht der*s menschlichen Geiselnehmers*in), dass sie als Rechtfertigung für diese absolute Grausamkeit und Beschneidung von Freiheit dienen. Die Katze wird komplett ’sicher‘ gehalten, in einem sterilen Umfeld, das ihr nichts tun kann; und doch kann man ehrlich sagen, dass [für] ein Wesen, für das lange Nächte, rastlose Jagden, eine schulterzuckende Geringschätzung gegenüber der Menschheit normale Charakterzüge sind – dass die vier Wände eines menschengemachten Gefängnisses sie glücklich machen werden?

11. Die ‚Hauskatze‘ fungiert auch als passende Analogie für unser eigenes Leben – die Gebieter*innen der Herrschaft halten uns sicher gezügelt in den Städten, dem Arbeitsplatz, zuhause; und wir mögen ein bisschen zappeln, aufgeregt vom Versprechen der Turnhalle oder des Schwimmbades –, aber hinauszugehen, wahrhaft außerhalb ihrer Welt ist nicht nur verboten, sondern heute auch unmöglich. Wir begrüßen die zerquetschenden Reifen des Autos oder den Nachbarshund, der uns davonträgt – Gefahr bedeutet Freiheit.

12. Individuen oszillieren zwischen Geiselnehmer*in und Geisel, da sie die Logik von Sicherheit internalisieren und reproduzieren. Vom*n der Bull*in an der Straßenecke zum Elternteil, der seine Kinder vor den Gefahren durch die Pädophilen warnt, zur liberalen queeren Person, die gewaltsame oder konfrontative Aktionen für daneben hält und Passivität im Namen von ‚Inklusivität‘ durchsetzt.

13. Individuen dieser Epoche müssen dem Fakt ins Auge sehen, dass es nirgends ’sicher‘ ist, und dass jede*r, die*der verspricht für Sicherheit zu sorgen, in Wahrheit lediglich Gefangenschaft (re)produziert.

14. Wenn man sich im Netz der Sicherheitshüter*innen (der Polizei oder ihren Repräsentant*innen) verfängt, wird einer*m bald klar, dass die Illusion von Sicherheit nicht irgendeine absolute Sicherheit vor Schädigung [harm] ist, sondern ein imaginärer Parameter von Sicherheit, der durch die Apparatschicks und Algorithmen der Herrschaft definiert wird.

15. Wenn man in Konflikt mit den Sicherheitshüter*innen gerät, erkennt man schnell, dass ihre Version davon ‚dich zu beschützen‘ [keeping you safe] in Wirklichkeit bedeutet dich unter Kontrolle zu halten [keeping you under control], oder meistens dich vor einer imaginären Gefahr zu retten, damit sie dir ihren eigenen sehr realen Schaden zufügen können.

16. Zum Beispiel kann man dafür angehalten werden zu schnell mit dem Auto gefahren zu sein, über eine rote Ampel gefahren zu sein, versucht zu haben von einer Brücke zu springen, eine verlassene Lagerhalle erkundet zu haben oder sich in eine physische Auseinandersetzung begeben zu haben, in allen Beispielen wird das Verhalten zuerst als ‚gefährlich‘ definiert werden und das Narrativ folgt normalerweise dem „wir sind hier, um dich zu beschützen“. Sobald man sich natürlich in den Händen der Sicherheitshüter*innen befindet, kann man erwarten, geschlagen, gefoltert, in einen Käfig gesperrt zu werden, sexualisierten Übergriffen ausgesetzt zu sein, gedemütigt, gemobbt und verletzt zu werden, auf alle möglichen unbenennbaren Arten und Weisen.

17. „Dich zu beschützen“ [keeping you safe] ist gleichbedeutend mit der Aufrechterhaltung des Monopols auf Gefahr, Schädigung [harm] und Gewalt.

18. Es nützt der Herrschaft möglichst viele imaginäre Gefahren an der Hand zu haben für egal welchen Moment. Je mehr und desto gefährlicher die Gefahren, desto größer der Spielraum um sich Wege auszudenken, um ‚Sicherheit‘ zu gewährleisten.

19. Die immer wachsende Anzahl an Gefahren, die die zivilisierte Ordnung sehr gerne in ihre Logik integriert – sei es die Bedrohung durch Terrorismus, Umweltkatastrophen, Kleinkriminalität, Homophobie, vergeschlechtlichte Gewalt oder Rassismus [oder aus aktuellem Anlass durch einen Virus, Anm. d. Übers.] – rechtfertigt eine immer wachsende Anzahl an Bestrafungen, Eingrenzungen und Käfigen.

20. In vielen ‚liberalen Demokratien‘ sehen wir, wie die Antwort auf die allgemeine Erkenntnis über strukturelle Unterdrückung darin bestand, jedes Individuum zu kriminalisieren, das beschuldigt wird Täter*in zu sein (wobei dabei die Realität ignoriert wird, dass der Staat immer der größte Übeltäter ist). Von der Gesetzgebung zu Hassverbrechen, um ‚unterdrückte Minderheiten‘ zu beschützen, zu Versuchen, Netzwerke wie Tor zu verbieten (weil das da ist, wo Terrorist*innen leben), sehen wir wieder und immer wieder, dass das Versprechen, uns vor Gefahr zu bewahren verzerrt wird zu einer sehr realen Anwendung von Schaden und Leid [harm].

21. Die Illusion von Sicherheit basiert auf einem sehr fluiden Verständnis davon, von was oder wem Gefahr ausgeht. In der Logik der Herrschaft wird uns täglich eingeredet, dass eine schwer bewaffnete Gang, die das Recht hat zu ermorden, zu entführen, zu vergewaltigen und zu foltern (die Polizei) ’sicher‘ ist und dass irgendein Kind, das eine rote Ampel überfährt oder wo entlang geht und dabei schwarz ist, eine Gefahr darstellt.

22. Das wird weiterhin verkompliziert durch einen Status, der Individuen verliehen wird und der auf einer angenommenen Konformität/Non-Konformität basiert. Der Flüchtling ist ’sicher‘, der*die illegale Immigrant*in ist gefährlich, der*die Stahlarbeiter*in ist ’sicher‘, die*der Sexarbeiter*in ist gefährlich, die*der gesetzestreue Bürger*in ist ’sicher‘, die*der Kriminelle ist gefährlich. Die willkürliche Verleihung des Rechts auf Sicherheit ist in Wirklichkeit die reale Gefahr.

23. Solche willkürlichen Verleihungen bedeuten, dass wir im Namen von Sicherheit bewaffnete Hooligans haben, die mit Sturmgewehren in den Straßen patrouillieren – und dass jemand dafür in den Knast kommen kann, ein Küchenmesser vom Laden zur Heimstätte zu tragen.

24. Jede*r, die*der glaubt, dass wir innerhalb der Mauern sicher sind, ist bestenfalls wahnhaft, wahrscheinlicher aber selbstmordgefährdet.

25. Einige ‚gute Bürger*innen‘ (weiß, reich, cis, hetero, gesetzestreu) könnten in der Lage sein die Lüge aufrechtzuerhalten, dass sie innerhalb der Mauern sicher sind (selbst wenn sie die giftigen Dämpfe und Radiowellen, die sie langsam dahinraffen, außer Acht lassen); aber selbst sie werden dazu gezwungen sein ihren Fehler zuzugeben, wenn sie im Namen der ‚Sicherheit‘ ihren Heimkäfig nicht mehr verlassen können, außer, um zu ihrem (re)produktiven Käfig zu gehen.

26. Mehr als das alles jedoch, warum brauchen wir es sicher zu sein? Warum haben wir es zugelassen, dass eine Angst vor Gefahr in unseren Köpfen brütet und in unserer Praxis wuchert? Wissen wir überhaupt wirklich, was wir meinen, wenn wir sagen, dass wir sicher sein wollen? Wir sind in Illusionen gefangen, die von Tyrann*innen kuratiert werden.

27. Sicherheit mag illusorisch sein, aber Gefahr kann sehr real sein. Nicht die imaginären Gefahren, mit denen die Herrschaft ihre Subjekte füttert, um sie unterwürfig zu halten – aber die Gefahr, vor der die Herrschaft selbst beständig Angst hat.

28. Aus der Gefangenschaft auszubrechen bedeutet Gefahr im eigenen Leben zu akzeptieren – nicht die falschen Gefahren, die Sicherheit ausschließt; aber die wahren Gefahren der aktiven Konfrontation mit denjenigen, die für sich in Anspruch nehmen für sie zu sorgen (Sicherheit). Reale Gefahr zu akzeptieren bedeutet die Konfliktualität mit dem Staat, der Polizei, der Technologie, pazifistischen Ideologien und vielleicht sogar mit sich selbst zu bewaffnen– es ist die Realisierung, dass selbst wenn es nichts gibt, für das es sich zu sterben oder in den Knast zu gehen lohnt, diese Möglichkeiten vielleicht weniger grauenerregend sind als sicher zu bleiben (d. h. in Gefangenschaft).

29. Die Illusion von Sicherheit aufrechtzuerhalten, in jedem Aspekt des Lebens, ist immer das Ziel der Herrschaft, jedes Mal, wenn jemand Konfliktualitäten bewaffnet, Gefahr inspiriert, einen Bruch kreiert; wird Sicherheit herbeieilen, um das Leck abzudichten. So wie man fast keine Chance hat die Zivilisation zu zerstören, gibt es wenig Hoffnung, Sicherheit in ihrer Totalität zu zerstören; man kann weghacken und Brüche vergrößern, aber man muss immer vorbereitet sein, dass diese Brüche neue Formen erschaffen werden und die Durchsetzung von Sicherheit – die Schlacht wird eine unendliche sein.

30. Der Kampf gegen Sicherheit an sich erschafft Gefahr für die Person, die diesen Kampf führt.

31. Wenn jemand ernsthaft die Illusion von Sicherheit erkennen, und von dieser Erkenntnis aus handeln will, um diese zu zerstören: diese Person muss zuerst Gefahr als stetige Freundin und Gefährtin willkommen heißen.

32. Im Laufe des Prozesses des Gefährlichwerdens muss sie sich den realen Gefahren innerhalb der Mauern stellen (Repression, Angriff, Mord) und ihr Herz allen möglichen imaginären Gefahren von außerhalb der Mauern öffnen.

33. Herrschaft wird an jeder Tür sein, wenn man sich selbst voll der Gefahr öffnet. Sie wird in dichten Reihen um eine*n zusammenrücken und versuchen Sicherheit um jeden Preis der*mjenigen aufzuzwingen, die*der danach sucht.

34. Gefahr muss all die Angst vor dem Unbekannten verkörpern, allen instinktiven Terror vor den Gebieten außerhalb der Mauern, sie muss tief in die Finsternis eintauchen und nie ein Licht erstrahlen lassen.

35. Wenn Gefahr sich verbreitet, wird ‚Sicherheit‘ verwelken.

Futurorität bekämpfen

1. Futurorität ist das Versprechen der Zivilisation, dass die menschliche Spezies fortdauern wird.

2. Mehr als das, es ist das Versprechen, dass die ‚richtige‘ menschliche Spezies fortdauern wird.

3. Jenseits des Versprechens ist es auch der Zwang, dass sie fortdauern MUSS.

4. Sie ist weiß, cis und hetero; sie ist die Kleinfamilie und 2,5 Kinder – das Haus in der Vorstadt, und das Versprechen von universitär gebildeten Enkel*innen, die ins Weltall fliegen.

5. Futurorität ist ein anderer Weg, auf dem wir gezwungen werden ewig zu leben.

6. Sie ist das Vermächtnis der Menschheit, sie ist aber auch das Vermächtnis von Individuen, folglich impliziert sie nicht nur die Anwendung von Zwang auf die Fortpflanzung von Gesellschaften, sondern auch auf die Fähigkeit zur Fortpflanzung bei Individuen.

7. Der Zwang die Zivilisation und ihre Jünger*innen zu reproduzieren wird auf unterschiedliche Individuen unterschiedlich angewendet, aber wo auch immer sie existiert, wird sie immer erzwungen.

8. Manchmal impliziert die Reproduktion von Zivilisation die Sterilisation (von Unerwünschten wie etwa Drogenabhängige, trans Personen etc.), und andere Male impliziert sie die erzwungene Reproduktion (Verwehren von Abtreibung, heterosexuelle Indoktrination in der Schule, Assimilierung queerer Sexualitäten in reproduktive Logiken etc).

9. Historisch und aktuell wird dieser Zwang disproportional auf Frauen und gender-nonkonforme Leute angewendet; und die Verantwortung für Fortpflanzung und die Aufrechterhaltung des Lebens direkt in ihre Hände gelegt, oder in ihre Gebärmutter.

10. Das Programm, um Frauen vom Wissen um pflanzliche Abtreibungsmittel zu trennen [6], die Vergewaltigung und die erzwungene Schwangerschaften von schwarzen Frauen während der Sklaverei [7], um mehr Sklav*innen zu produzieren), und die Extrahierung genetischen Materials und die darauffolgende Sterilisierung von trans „Patient*innen“ sind alles Beispiele dieses Zwangs.

11. Abtreibung ist weltweit immer noch in vielen Ländern illegal, und selbst wenn diese zugänglich ist, werden strikte staatliche Richtlinien angewendet und die Möglichkeit außerhalb des medizinischen Industriekomplexes abzutreiben, ist fast weltweit illegal; ebenso ist Kindsmord weltweit kriminalisiert.

12. Individuen werden von ihren eigenen Körpern getrennt, von dem Recht ihre Fortpflanzung selbst zu bestimmen (oder insbesondere die Nicht-Fortpflanzung). Geschlechtsorgane, die in der Lage dazu sind zur Fortpflanzung zu dienen, sind letzten Endes Eigentum des Staates – egal, ob dieser sich dazu entscheidet diese Eigentumsrechte zu einem bestimmten Zeitpunkt geltend zu machen oder nicht.

13. Die negativen Konnotationen, die in solch verzweifelten Charakteren wie der einsamen kinderlosen alten Frau, dem bösen alleinstehenden schwulen Mann und dem*der jämmerlichen Transsexuellen auf der Straße verankert sind, sind alle folkloristische Bilder, die den psychischen Druck, sich fortzupflanzen anstatt alleine oder in Schande zu sterben, durchsetzen oder zumindest verstärken,

14. Ein vielleicht esoterisches, jedoch trotzdem nicht minder reales Beispiel der Anwendung dieses Zwangs kann in den zahlreichen Reddit-Threads und National-Geographic-‚Enthüllungen‘ über „Die schlimmsten Mütter der Natur'“ gesehen werden. Pandakindsmord zum Beispiel geschieht in einer extrem hohen Anzahl an Schwangerschaften (Pandamütter produzieren in der Regel zwei Junge während ihrer Schwangerschaft und wenn dies der Fall ist, werden sie mindestens eines davon töten oder im Stich lassen [8]), trotzdem werden wir konstant mit der Idee bombardiert, dass das Bewahren des Pandalebens eine erstrebenswerte Sache ist – die ’süßer‘-Panda-Bastion der Naturschützer*innen weltweit, Geschenkgeber*innen großer Erträge für Domestizierer*innen wie auch für Zoobesitzer*innen, mögen außerdem die Anwendung von Zwang erhellen, die der Futurorität inhärent ist; wer hat schließlich jemals von einem Zwangszüchtungsprogramm für das Lichen Weevil [9] gehört?

15. Zivilisation reproduziert das, was wertvoll für sie ist und zerstört alles Leben, das es nicht ist.

16. Das Kontinuum der Futurorität impliziert immer die Absorbierung jeden neuen Lebens in den Horror der Herrschaft, jedes neugeborene Individuum ist der Besitz und das Produkt von Herrschaft, die*der neue Empfänger*in von Sicherheit, der*die nächste Kandidat*in für Unsterblichkeit – das neueste Lamm für die Schlachtung.

17. Die vielleicht cleverste Taktk der Herrschaft war, simultan Selbstbestimmung zu verwehren und selektiv die Fortpflanzung spezifischer Communities/Gruppen zu verhindern – und so Fortpflanzung wie eine Widerstandshandlung aussehen (und manchmal diese auch sein) zu lassen – dieses Paradigma versorgt weiterhin die Zivilisation mit all dem bio- und nekropolitischen Material, das sie für ihre eigene Manifestierung benötigt.

18. Wenn man am Rand eines Abgrunds steht, zwischen der scheinbaren Sicherheit, dass die aktuellen Epochenformen kollabieren werden und der schrecklichen neuen Welt, die in ihrer Asche auferstehen könnte – ist es manchmal unbegreiflich, warum Individuen sich überhaupt fortpflanzen.

19. Im schwindelerregenden Kollaps, der Auflösung, der Apokalypse (welchen Namen auch immer du wählst, um den Moment zu benennen, in dessen Zentrum sich die Menschheit aktuell wiederfindet), scheint das Potenzial dafür, dass widerspenstige Konflitualitätslinien in der Sphäre der reproduktiven Futurorität auftauchen, unendlich und verlockend.

20. Jedoch werden bisher die diskursiven und praktischen Möglichkeiten, die dem Ende der Welt inneliegen, zugunsten des Festhaltens an der Idee des Überlebens (und in Erweiterung der Fortpflanzung) ignoriert.

21. Die Technophilen und die modernen Propheten der Klimawandelleugnung träumen von jungen Kolonien auf dem Mars, humanistischer Expansion mithilfe der Technologie, von neuem Leben, das außerhalb des Planeten aber innerhalb derselben Zivilisation geboren wird [10]; während eine planlose Brigade von ebenso träumerischen Ideolog*innen der sogenannten Linken [11] eine immer bedeutungslosere diskursive Schlacht gegen das Aussterben [extinction] führt – und dabei Mäßigung und ‚Ökologie‘ im Namen des Überlebens der Arten predigt.

22. Letzten Endes sind beide Seiten, auch wenn sie sich selbst als endlos in Konflikt stehend inszenieren und präsentieren, lediglich zwei Seiten derselben zivilisierten Medaille.

23. Ob Ökofaschismus oder Technofaschismus die nächste Phase des Zerfalls beherrschen wird, ändert wenig, der Zwang zur Fortpflanzung wird unvermeidbar unter jedem Zustand erhalten bleiben, auch wenn vielleicht mit leicht anderen Parametern (die Ökofaschist*innen beispielsweise werden wahrscheinlich Einschränkungen bezüglich der Anzahl der Wesen, die man (re)produzieren darf, etablieren, insbesondere bei den Leuten, die den ‚globalen Süden‘ bewohnen [12], während die Techofaschist*innen wahrscheinlich mehr Gewinn darin sehen, dieselben Personen zu zwingen einen endlosen Nachschub an Arbeiter*innen für den Extraktivismus des Mars‘ oder andere gefährliche und brutale außerplanetarische Projekte zu (re)produzieren [13]).

24. Auch wenn diese Realitäten noch weit entfernt, extrem oder polarisiert klingen, erscheinen Zeichen ihres Werdens schon hier und jetzt und sind weit weg von ‚extrem‘, wenn man die gesamte Geschichte der Zivilisation in all ihrem Horror bedenkt.

25. Diese grauenvollen wenn auch moderaten/bescheidenen Fortführungen des ‚business as usual‘ unter neuer Flagge oder Ideologie werden sich als nicht bedeutungsvoller herausstellen als das Umstellen von Stühlen auf der Titanic – und letzten Endes existieren beide innerhalb desselben sinkenden Schiffs der ‚zivilisierten‘ Menschheit.

26. Natürlich ist die Reduktion all der zukünftigen Möglichkeiten der Herrschaft auf eine Dichotomie zwischen Öko- und Technofaschismus eine irgendwie reduzierende und faule Analyse – es gibt vielleicht unzählige andere Wege, die die Futurorität auswählen könnte, um sich selbst in der Ordnung des Zivilisierten zu manifestieren, auch wenn jetzt gerade diese beiden oben genannten Inkarnationen des Terrors die dominantesten von denen zu sein scheinen, die um einen Platz in oder nach den Trümmern wetteifern.

27. Das Verlangen die zukünftigen Wege des Terrors zu analysieren negiert nicht den Fakt, dass die Gegenwart auch grauenerregend und schrecklich ist.

28. Selbst wenn es möglich wäre sich vorzustellen, dass die Zukunft besser, freier oder ohne Herrschaft sein könnte; der Terror der Gegenwart präsentiert immer noch adäquate Gründe, um Futurorität abzulehnen, (Re-)Produktion wo und wann immer möglich abzulehnen.

29. Wissend einem neuen Leben die Leiden des Jetzt zuzufügen ist eine Wahl, eine Wahl ein anderes Leben innerhalb der Hochöfen der Zivilisation zu domestizieren, eine Wahl, für die man letztlich Verantwortung übernehmen muss, wenn man denn in einer Position ist eine Wahl zu treffen.

30. Gleichzeitig und paradoxerweise; die (Re-)Produktion solcher Leben, die für die Futurorität unerwünscht sind, kann eine Form des Widerstands gegen Herrschaft sein – ein Widerstand, der große Gewalt, Schmerz und Leid in sich trägt, aber dennoch ein Widerstand.

31. Wenn man mit dieser brutalen Zwickmühle konfrontiert ist, ist man gezwungen zwischen einem Widerstand und einem Ende zu wählen.

32. Die unausgesprochene Blasphemie für diejenigen, die wünschen außerhalb der Mauern zu leben, liegt in der totalen Verweigerung der Futurorität (persönlich oder gesellschaftlich).

33. Die (Re-)Produktion der Gesellschaft im Ganzen mag unentfliehbar sein (da sie auch nicht konsensual stattfindet) außer in Momenten des direkten Konflikts mit ihr (der Gesellschaft), aber die persönliche Verweigerung der Futurorität ist vielleicht in Momenten wahrscheinlicher erreichbar.

34. Dem Aussterben direkt ins Gesicht starren, vielleicht es sogar willkommen heißen; reproduktive Futurorität verweigern, akzeptieren, dass es Keine Zukunft gibt.

35. Ein Massen’sterben‘ kommt wahrscheinlich auf die menschliche Spezies zu; die Aufgabe für Radikale dieser Epoche liegt darin dieses Sterben so zu kommunisieren, dass es das Innere der westlichen Zivilisation mit einschließt, anstatt lediglich seine ungebremste Fortsetzung außerhalb davon zu erlauben – das ‚Sterben‘ zu kommunisieren bedeutet Futurorität zu verweigern.

36. Der Realität ins Auge zu sehen und sie zu begrüßen, dass man Teil einer der letzten Generation der ‚Menschheit‘ ist, könnte das sein, dass am nächsten an dem dran ist, was sich diese erhoffen können, die gegen das Bestehende kämpfen.

37. Wenn Futurorität fällt, könnte die Zivilisation zerbröckeln.

38. Das Ende der Futurorität ist das Ende der Menschheit, jedoch nicht notwendigerweise das Ende individueller Projektualitäten.

39. Das menschliche Wesen und seine Reproduktion sind die sozialen Konstrukte und materiellen Realitäten der Zivilisation, aber die Existenz wilder Wesen und ihre Ausbreitung außerhalb der Mauern ist etwas, das noch unbekannt ist.

40. Gegen Ideologien, die die Zukunft beanspruchen.

41. Und Tyrann*innen, die das Morgen erzwingen.

42. Gegen Staatseigentum an reproduktiven Kapazitäten.

43. Und die brutale Zähmung wilden Lebens.

44. Dem Fall der Zivilisation entgegen.

45. Und dem Tod der Futurorität.

LASST. MICH. STERBEN.

1. Man kann nicht die Freiheit von Tyrann*innen erbettelt und deshalb tut man es auch nicht.

2. Jedoch mag man alleine tief in die Tiefen der Höhle des Löwen laufen, nur den Tod konfrontierend, und sie fordern.

3. Die Forderung ist an und für sich eine Todesforderung – und sicher wird der*die Tyrann*in gezwungen sein dieser Forderung stattzugeben. Gotteslästerern zu erlauben zu leben verhieß noch nie etwas Gutes für solche Leute.

4. Im Moment der Forderung sind die Freiheit und der Tod untrennbar.

5. Herrschaft hat sich auf uns, um uns und in uns eingeschrieben; sodass die Zerstörung der Totalität auch die Zerstörung des Selbst ist – der Tod des Selbsts.

6. Ob ein neues Nicht-Selbst, eine Individualität aus dem Sterbenden erstehen wird oder nicht, kann nie herausgefunden werden, ehe man die Schwelle übertritt – aber bedeutet das, dass man es nicht versuchen sollte?

7. Einer*m selbst zu erlauben, von einem Selbst nach der Gesellschaft zu träumen, ist fast so gefährlich wie von einer Gesellschaft nach der Gesellschaft zu träumen – Keine Zukunft ist nicht nur eine Erwartung oder ein Verständnis der aktuellen Realität; sondern auch eine direkte Drohung ihr gegenüber.

8. Das Verlangen nach dem Ende der Welt sollte nicht mit dem Verlangen die Welt zu verändern oder zu verbessern verwechselt werden. Die Zivilisation zu zerstören bedeutet die Welt zu beenden, nicht sie zu reparieren.

9. Ähnlich sollte die Forderung den Tod zu umarmen, die Erlaubnis zu haben zu sterben nicht mit einer selbstmörderischen verwechselt werden; sondern eher als einen verzweifelten Griff nach der Möglichkeit wahrhaft zu leben, als einen untrennbaren Teil des Kampfes für das Leben außerhalb der Mauern – für Freiheit.

10. Die wahrhaft Selbstmörderischen sind jene, die an die Möglichkeit glauben, das Leben innerhalb der Zivilisation weiter zu führen – eine Existenz auf dem Rücken anderer zu akzeptieren bedeutet auch die Autonomie darüber abzugeben.

11. Innerhalb einer Zivilisation ausgebrütet zu werden, die selektiv freies wildes Leben: züchtet, zügelt, ermordet, kontrolliert, beschränkt, markiert, formt, konstruiert, führt, beeinflusst, absorbiert, indentifiziert und domestiziert, bedeutet nie wirklich überhaupt gelebt zu haben – unter solchen Umständen selbstbestimmt zu sterben ist eine Form der Verweigerung; eine Zurückweisung der Logik des Ganzen, das die Aufrechterhaltung sterilisierten Lebens verlangt.

12. Indem man einen selbstbestimmten Tod fordert, fordert man etwas außerhalb des Normalzustands – außerhalb der Alltagslogik der Herrschaft; eine Forderung, der nie gerne nachgekommen wird, lediglich missgönnend geschenkt im Prozess des Kriegs/Zerfalls.

13. Man muss dahin schauen den ‚Todestrieb‘ [14] zu bewaffnen, hin zu einem allumfassenden Krieg gegen das Selbst und gegen die Gesellschaft; und durch diesen Prozess es zu einem Ende bringen (auf dem einen oder anderen Weg).

14. Dieser Prozess ist weder ein revolutionärer noch einer, der wünscht eine Revolution zu vollbringen – eine Revolution ist etwas Kreatives; es gibt keine Garantie, dass Revolutionen das Ende bringen, und sehr viel öfter als nicht bringen sie Tyrann*innen hervor.

15. Aus dem Verlangen nach besseren Worten heraus mag man es Aufstand oder antisozialen Krieg nennen; oder zumindest kann gesagt werden, dass jemand, die*der mit diesen Worten spricht, von etwas nah am Streben nach dem Tod spricht.

16. Es muss gesagt werden, dass es in einem solchen Streben keine Siege gibt und dass man nicht hoffen darf, ein*e Gewinner*in zu sein. Die Natur eines solchen Prozesses impliziert viele Verluste – auch wenn nicht jeder Verlust einer ist, den man beklagen braucht.

17. Man muss die Freude im Verlust suchen, in der Schönheit, das Selbst und die Gesellschaft zurückzulassen – zu akzeptieren, dass Siege die Spielzeuge von Kriegsherren und Generälen sind und den Akt, ohne Hoffnung oder Belohnung zu handeln, willkommen zu heißen, ist vielleicht der erste Schritt in Richtung Unwerden.

18. Der Angriff wird neue Straßen aufdecken, entlang derer die*der achtsame Reisende die Realität durchqueren könnte.

19. Die Durchquerung könnte sich als endloser, lebenslanger Kampf herausstellen oder sie könnte schnell mit dem Gesicht nach unten in die Gosse führen.

20. Wenn sie korrekt durchgeführt wird, wird sie, wenn schon sonst nichts, den wahren Horror des Zivilisierten entlarven, wenn seine Verteidiger*innen herbeieilen, um diejenigen, die nicht einverstanden sind, zu zerschmettern.

21. Zerschmettert zu werden ist besser als erstickt zu werden.

22. Der Tod ist kein Ziel, sondern ein Prozess.

23. Beendigungen sind keine Zustimmungen sondern Negationen.

24. Schaltet die Maschinen aus.

25. LASST. MICH. STERBEN.

Ausgewählte Meinungen zu Pandas

1. Eine Gruppe Pandas wird ‚eine Peinlichkeit‘ genannt

2. In Gefangenschaft zeigen 60 % aller ‚männlichen‘ Pandas kein sexuelles Verlangen – was für eine Überraschung!

3. Pandas leben in der Wildnis weniger lang als in Gefangenschaft. 🙂

4. Mehr als 60 % aller Pandas, die in Gefangenschaft geboren werden, sterben innerhalb der ersten Woche.

5. Manchmal resorbieren oder absorbieren Pandas einen Fötus – und beenden dabei die Schwangerschaft – dieser Prozess und die Gründe dahinter sind immer noch ein Rätsel für die Biologie, vielleicht aber nicht für jede*n, die*der schon mal Zeit im Knast verbracht hat?

6. Pandamütter zerquetschen regelmäßig ihre Jungen. In Gefangenschaft beinhalten die ersten Monate nach der Geburt Rund-um-die-Uhr-Überwachung und gewaltsame Interventionen, um das zu verhindern.

7. ‚Weibliche‘ Pandas sind lediglich einmal im Jahr fruchtbar, für einen Zeitraum von weniger als 72 Stunden.

8. Alle Riesenpandas werden als ‚Eigentum‘ des chinesischen Staates betrachtet, im Alter von 4 Jahren muss jeder Panda, der in einem anderen Land/Staat in Gefangenschaft lebt, per Gesetz/Vereinbarung nach China zurückgebracht werden, um in die ‚Brutpopulation‘ integriert zu werden.

9. Obwohl Pandas mit die größte Beißkraft auch im Vergleich zu allen Fleischfressern haben, haben Pandas sich dazu entschieden eine herbivore Diät zu sich zu nehmen, eine Entscheidung, die sie dazu zwingt, bis zu 30 kg Nahrung an einem Tag zu sich zu nehmen.

10. Pandas werden als einzelgängerisch und ‚ungesellig‘ betrachtet, die andere ihre Spezies nur einmal im Jahr zum Ficken treffen – dann werden sie aber viele Sexualpartner*innen haben und dutzende Male in diesem Zeitraum ficken.

11. Viele Zoos habe große Schwierigkeiten Pandas zu finden, die „verhaltenskompetent“ sind (Züchtersprache für das Verständnis wie man Sex hat) – und nutzen deshalb künstliche Befruchtung, um die Fortpflanzung zu sichern.

12. Mehr als die Hälfte aller neugeborenen Pandas sterben an Krankheiten oder daran, aus Versehen von ihren Müttern zerquetscht zu werden.

13. Auch wenn dieser Text sich überwiegend auf den Kampf des Pandas d. h. des Riesenpandas gegen Zivilisation konzentriert, lohnt es sich zu bemerken, dass rote Pandas eine lange Geschichte an Ausbruchsversuchen aus einer Varietät an Zoos weltweit haben.

14. Es gibt viel Streit sogar unter sogenannten Wissenschaftler*innen, ob der Panda eine ‚Reliktspezies‘ [remnant species] ist d. h. ob er ’natürlicherweise‘ ausstirbt oder ob die menschliche Zivilisation daran schuld ist. Egal was – Lasst Sie Verfickt Noch Mal Sterben!

Quellen

Widmung

‚Mit grimmigem Hass gegenüber all jenen, die ‚Leben‘ ausbrüten und sterilisieren ohne das Versprechen auf Freiheit, denen, die in Käfige sperren, die foltern und einschließen, jenen, die Dissident*innen in die Irrenanstalt schicken zu ‚ihrem eigenen Schutz‘. Mit bewaffneter Konfliktualität allen Bull*innen gewidmet, die dich ‚davor retten‘ von einem Dach zu fallen oder dich ins Krankenhaus bringen, nachdem du dir eine Kugel eingefangen hast – nur um dich dann nach ihren Regeln zu schlagen und zu foltern. Mit Verachtung denen gewidmet, die das Einfrieren von genetischem Material erzwingen, im Austausch für die Erlaubnis hormonell zu transitionieren und denjenigen gewidmet, die die Möglichkeit ‚Leben‘ innerhalb von dir abzutreiben behindern und kontrollieren. Mit Liebe den vielen Pandamitkämpfer*innen gewidmet, die reproduktive Futurorität bekämpfen.‘

Bellatrix Black 2019

[1] Vgl. die Implantierung von NFC-Chips in Leute in Schweden. https://www.npr.org/2018/1 0/22/658808705/thousands-of-swedes-are-inserting-microchips-under-their-skin?t=1570529276200.

[2] Vgl. Reise in Richtung Abgrund – Lose Betrachtungen zur Technowelt für eine Kritik an Nanotechnologien, die für diesen Zweck entwickelt wurden oder die neueste Entwicklung von Metall’bäumen‘ in Irland für denselben Zweck: https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/Metal-Trees-Suck-Up-CO2-From-Air.html als Beispiele.

[3] Zoos und Forschungseinrichtungen in China entwickelten diese Technik, die bisher in dutzenden Fällen angewendet worden ist. https://www.nationalgeographic.com.au/animals/panda-porn-and-other-desperate-measures-to-get-rare-species-to-mate.aspx

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Suicide_legislation

[5] Vgl. Dean Spade: ‚Normal Life: Administrative Violence, Critical Trans Politics, and the Limits of Law‘ für eine verständliche Kritik an diesen Verläufen, oder Teil 5 des Public Order Offenses Acts in Großbritannien als konkretes Beispiel.

[6] Vgl. Silvia Federici: Caliban und die Hexe.

[7] Vgl. Saidiya Hartman: In the Belly of the World: A note on Black Women’s Labors.

[8] https://www.nationalgeographic.com/news/2015/08/1 50824-pandas-national-zoo-twins-animals-science/
https://blog.nus.edu.sg/lsm1303student201 3/201 3/04/1 1 /panda-cute-wait-till-you-see-their-dark-side/

[9] Eine vom Aussterben bedrohte Insektenart.

[10] Die NASA zum Beispiel veröffentlichte 2016 ein Paper, in der sie eine mögliche Strategie zur Kolonisierung des Mars skizziert.
https://www.popularmechanics.com/space/moon-mars/a21330/nasa-wants-martian-resources-for-martian-colony/

[11] Diese Richtung wird am besten mit der Gruppe ‚Extinction Rebellion‘ veranschaulicht (wenn sie sich auch nicht darauf beschränkt).

[12] Solche Prophet*innen der ökofaschistischen ‚Linken‘ wie David Attenboroughs, der als einen Weg, um die ‚Überbevölkerung‘ zu bewältigen, vorschlug, Nahrungsmittelhilfe im afrikanischen Kontinent zu beenden, und die Diskurse über ‚Überbevölkerung‘ im Allgemeinen demaskieren die potenziellen von diesem Weg ausgehenden Richtungen. https://www.independent.co.uk/voices/comment/sorry-sir-david-attenborough-this-isn-t-the-way-to-tackle-over-population-8824385.html

[13] Auch wenn die meisten der aktuellen Dokumenten rund um Weltraumextraktivismus aktuell um den Gebrauch von Maschinen werben, braucht man nur auf die disproportionale Verteilung der aktuellen Extraktionsprojekte, die menschliche Arbeitskraft im ‚globalen Süden‘ erfordern, zu schauen. um zu sehen, wer wahrscheinlich zu außerweltlichen Projekten einberufen und wer davon profitieren wird. Eine interessante NASA Ausschreibung von 2017 kann hier eingesehen werden: https://www.nasa.gov/feature/nasa-seeks-commercial-solutions-to-harvest-space-resources

[14] Der ‚Todestrieb‘ ist ein konzeptuelles Gerüst, das zuerst von Lee Edelman im Text ‚No Future‘ vorgeschlagen wurde und das später im Journal Baedan Vol. 1 erweitert wurde; er ist die Möglichkeit, die der Queerness inneliegt, Futurorität zu negieren und eine negative, antisoziale Abwendung von der Zukunft.
Unter anderem wurden einige der Meinungen über Pandas auf folgenden Seiten gefunden:
https://www.nationalgeographic.com.au/animals/panda-porn-and-other-desperate-measures-to-get-rare-species-to-mate.aspx
https://www.nationalgeographic.com/news/2015/08/1 5081 8-plague-yosemite-campground-cases-science/1 50820-giant-pandas-national-zoo-animals-science/
https://www.smithsonianmag.com/science-nature/only-thing-harder-finding-love-human-finding-love-panda-1809621 65/
https://www.factslides.com/s-Panda
https://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/14-fun-facts-about-giant-pandas-1 80972879/

A History Of Daring Red Panda Escapes


https://www.factretriever.com/giant-panda-facts

kopiert von anarchistischebibliothek.org, ursprünglich veröffentlicht beim Down & Out Distro, die deutsche Übersetzung erschien beim Maschinenstürmer Distro.

Von bellatrix

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