(A-Radio) Interview: Anarchistische Lebensmittelhilfe in Bochum und Dortmund

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Das A-Radio Berlin präsentiert ein Interview mit der Anarchistischen Lebensmittelhilfe in Bochum und Dortmund zu ihrer Arbeit.

Alle Downloads und Links findet ihr auf der Website des Anarchistischen Radios Berlin.



Immer wieder wird behauptet, die Pandemie treffe alle gleich. Dass auch das nichts mit der Realität des Kapitalismus zu tun hat, ist offenkunding. Vielmehr schreitet die Verelendung und Umverteilung von unten nach oben auch in der aktuellen Krise stetig voran. In Bochum und Dortmund organisieren Menschen seit November 2020 eine anarchistische Lebensmittelhilfe in direkter Aktion dagegen. Wir haben Mitte Februar 2021 mit ihnen über ihre Arbeit gesprochen.

Länge: 12:49 min

All unsere monatlichen Podcasts auf einem Blick findet ihr übrigens hier. Den letzten Monatsrückblick zum Monat Januar hier.

Neben dem Podcast haben wir vor Kurzem auch andere Beiträge veröffentlicht:

* Ein Interview mit Menschen aus Brasilien über eine Doku zu den massiven Schulbesetzungen 2016
* Ein Interview mit der Gruppe „Mare Liberum“ über Frontex und illegale Pushbacks im Mittelmeer
* Ein Interview über das Rave gegen das Patriarchat und queerfeministischen Aktivismus in Berlin
* Ein Interview zur Räumung der Zeltstadt in der Rummelsburger Bucht Berlin
* Ein Interview mit Maxida Märak und Gabriel Kuhn zur Situation der indigenen Sami im hohen Norden Europas
* Ein Interview über den Mord an Pavlos Fyssas und den Prozess gegen die Neonazi-Partei Golden Dawn
* Sonderberichterstattung zur Liebig34-Räumung zum Nachhören

Viel Spaß!

Euer A-Radio Berlin


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5 comments on (A-Radio) Interview: Anarchistische Lebensmittelhilfe in Bochum und Dortmund

  1. Was ich an dieser „anarchistischen“ Winterhilfe noch immer nicht verstehe ist, inwiefern diese anarchistisch sein soll?! Nur weil man vielleicht keine Armutsausweise sehen will, wird aus einer karitativen Handlung noch lange keine anarchistische. Ich meine es wäre was anderes, wenn die verteilten Lebensmittel expropriert worden wären oder wenigstens die finanziellen Mittel aus denen sie finanziert werden, aber wenn Spenden gesammelt werden, um Lebensmittel zu kaufen, die dann wiederum von einer mehr oder weniger formellen Organisation verteilt werden, dann sehe ich wirklich keinen Unterschied zu humanistischen oder auch anderweitig politisch motivierten, karitativen „Winterhilfen“ oder sonst irgendwelchem Quark.

  2. Hallo,
    die Interviewten gehen darauf ja ein, wenn sie sagen:
    a) Anspruch ist, dass es ein Projekt horizontaler gegenseitiger Hilfe wird. Das ist es momentant noch nicht. Weiterhin: der Kontakt zu Leuten der durch die Verteilung passiert, soll zur Verbreitung anarchistischer Inhalte genutzt werden. (Aber vielleicht ist ja auch das A-Radio für dich nicht anarchistisch, weil es seine Inhalte nicht über angeeignete Radiofrequenzen als Piratenradio verbreitet)
    b) Es wäre wünschwert wenn die Lebensmittel nicht gekauft werden müssten. Genannt werden Sachspenden anstatt Geldspenden; unklar bleibt ob auch andere Formen (z.B. Containern, Aneignung von Lebensmitteln oder Geld) angestrebt / ok für die Gruppe wären. Es ist ein Versäumnis dass ich danach nicht gefragt habe. (Auf Expropriation will aber vielleicht auch nicht jede*r in einem direkten Audiointerview eingehen)
    Abgesehen davon würde ich vertreten, dass die Initiative grundsätzlich zu begrüßen ist, weil viele Menschen die Hilfe brauchen (auch in der Form in der sie gerade stattfindet) und es Leute gibt, für die es leichter, besser, angenehmer ode sogar nur so möglich ist, die Hilfe anzunehmen als über bestehende karitativen o.ä. Strukturen. Ich stimme Dir aber auch zu, dass das Projekt eine ganz andere Dimension erhalten würde, wenn es möglich wäre, es abseits einer Spender*innen/Nehmer*innen-Struktur zu betreiben. Den Aussagen der Interviewten folgend dürften sie dem auch zu stimmen. Aber aller Anfang ist schwer und nicht „perfekte“ Aktivität halte ich (sicherlich mit Einschränkungen) wünschenswerter als Passivität und ich sehe in der Aktivität der Leute hier nichts weswegen ihnen das Adjektiv „anarchistisch“ in ihrem Gruppennamen „abgesprochen“ gehört. Aber das kann mensch selbstredend anders sehen.

    1. Hallo,

      also zu a) Es gab ja nun in verschiedenen Städten und zu verschiedenen Zeiten immer wieder irgendwelche Hilfsprogramme, die entweder von linker oder von anarchistischer Seite initiiert wurden und die zwar das Ziel hatten, „horizontale gegenseitige Hilfe“ aufzubauen, die jedoch soweit ich das dann jeweils mitbekommen habe, immer irgendwann nur noch weiter institutionalisiert worden oder sich im Sande verlaufen haben. Warum? Ich würde behaupten, weil sie eben von Anfang an nicht horizontal waren und ohnehin eine Organisation geschaffen haben, die einer solchen Form im Wege steht. Abgesehen davon, dass unter Obdachlosen gegenseitig in vielen Fällen bereits eine sehr viel größere Solidarität besteht (zumindest innerhalb gewisser „Affinitäten“, die beispielsweise durch Sprachen, Nationalitäten, Stadtviertelgrenzen, sowie gemeinsam genutzte Räumlichkeiten entstehen, unabhängig davon, was man nun von den einzelnen Gründen halten mag), als das zwischen Obdachlosen und Nicht-Obdachlosen der Fall ist und dass es in der Regel sicher eher das letzte ist, was diese brauchen/wollen bzw. was ihnen hilft, wenn irgendwer beabsichtigt, sie zu „organisieren“, scheint mir schon die Herangehensweise problematisch: Die Identität des Obdachlos-seins führt in diesem Fall dazu, dass Menschen als bedürftig betrachtet werden, denen man nach einem bestimmten Schema F, nämlich dem Verteilen von Lebensmitteln helfen kann. Das ist eine Betrachtung, die das Individuum schon in ihren Grundzügen weitestgehend ausklammert und genau so werden sich meiner Meinung nach auch die Beziehungen verhalten, die aus soetwas entstehen. Anstatt dass ich selbst mit Kai, Yassin und Petra, den Obdachlosen, die in meinem Viertel wohnen rede, sie kennenlerne, ebenso wie sie mich, mich in ihren Alltag einfühle und sie an meinem teilhaben lasse und sich daraus dann eben das ergibt, was ich ihnen vielleicht helfen kann, wobei ehrlich gesagt, Yassin mir bei weitem öfter einen Gefallen getan hat, irgendwelche exotischen Früchte, die wir beide noch nie gegessen haben besorgt und mit mir geteilt hat, usw., als umgekehrt, aber genau das macht eben eine entsprechend „horizontale“, wenn man sich die blöße geben will, das zu formalisieren, Beziehung aus, nicht, dass ich mich hinstelle und Lebensmittel verteile und dabei ausschließlich daran zu denken scheine, wie ich noch mehr Menschen Lebensmittel verteilen kann.
      Und wer karitative Hilfe nutzt, um politische Inhalte zu verbreiten, die*der ist meines Erachtens nach einfach ein*e manipulative*r Propagandist*in, die*der diese Inhalte selbst soweit aushöhlt, dass man sie*ihn nicht mehr ernst nehmen kann, denn die Gegenleistung, die man dann für seine „hilfe“ einfordert besteht darin, irgendwelche Propaganda zu ertragen. Wenn Nazis das machen wird das kritisiert, aber selbst hat man damit kein Problem? Dafür habe ich null verständnis!

      b) ich spreche niemandem ab, sich als anarchistisch zu verstehen, aber ich sehe nichts anarchistisches bei diesem Projekt. Das ist ein Unterschied: Ich kann Anarchistin sein und eine Kampagne für das (demokratische) Frauenwahlrecht machen. Anarchistin bleibe ich vermutlich trotzdem, aber meine Kampagne ist es deswegen noch lange nicht.

  3. Joa, also ich habe nicht gesagt, dass die Gruppe Lebensmittel nur gegen Predigt verteilt. Das wäre tatsächlich ziemlich scheiße. Ich kann generell auch nicht für die Gruppe sprechen. So wie ich sie verstanden habe, geht es hier darum über das Verteilen hinaus in Kontakt mit Leuten zu kommen und sie zum partizipieren anzuregen. Wenn man versucht sich horizontal zu organisieren und auch darüber redet, dann sind wir dem worum es hier geht wahrscheinlich näher dran als bei Vergleichen mit Nazis oder irgendwelchen Christen. Ich bin überrascht wie du nach Hören des Interviews zu deiner Einschätzung und dieser implizierten Gleichsetzung der Praxis der Interviewten kommst. Denn die scheint nichts mit dem zu tun zu haben, was im Interview geäußert wurde.

    Abgesehen davon wäre ein Austausch über Ansätze und Erfahrungen sicher cool. Das setzt denke ich aber auch voraus sich dass was das Gegenüber konkret macht auch wirklich anzuschauen. Das 12 Minuten Interview reicht dafür wohl nicht aus.

    1. Ach hör doch auf so selbstgerecht zu tun. Keiner hat hier irgendwen mit Nazis verglichen. Es wurde nur auf eine bestimmte Doppelmoral hingewiesen, die ja zumindest da zu sein scheint, wenn man sich so selbstgerecht aufführt, sobald Kritik an etwas geäußert wird.

      Eine Diskussion über bestimmte Tendenzen ist bei einer solchen Kritikunverträglichkeit immer weniger möglich, was vielleicht auch der Grund dafür ist, dass Leute wie die ursprüngliche Kritikerin recht allergisch reagieren, wenn einem verbürgerlichter Unsinn, sorry, anders kann man das echt nicht nennen, als anarchistisch verkauft wird.

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