Die wachsende Bewegung gegen die Ausgangssperre in Quebec

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Ein Blick auf die wachsende Anti-Lockdown-Bewegung im sogenannten Quebec, die sowohl die rechten als auch die neoliberalen Antworten auf die COVID-19-Pandemie ablehnt.

Übersetzung eines Artikels von It’s Going Down

Eine neue Anti-Lockdown-Bewegung entsteht in Québec.

In Montreal haben Anarchist:innen und andere radikale Linke begonnen, gegen das drakonische Ausgangssperrengesetz zu protestieren, das im Grunde die gesamte Provinz Quebec unter Hausarrest gestellt hat. Die erste Demonstration fand in der Nachbarschaft von Hochelaga statt. Ein Bericht darüber kann hier gefunden werden.

Währenddessen wurden in Quebec City in verschiedenen Vierteln Banner aufgehängt, mit der Botschaft: „Pour des mesures sanitaires et solidaires, pas policières“ (Gesundheits- und Solidaritätsmaßnahmen, keine Polizeimaßnahmen). Und in Sherbrooke wurden überall in der Stadt Bildnisse aufgestellt, die die negativen Auswirkungen der Ausgangssperre auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen zum Ausdruck brachten.

Ein Bildnis, das einen Obdachlosen darstellt, lautet: „Où veux-tu que j’aille? Pas de logement : pas de couvre-feu! Amnistie pour les itinérants.“ (Wohin soll ich gehen? Keine Unterkunft; keine Ausgangssperre! Straferlass für die Obdachlosen). Ein anderes Bildnis, welches einen undokumentierten Nachtarbeitenden repräsentiert, lautet: „Travailleur de nuit. Payé en dessous de la table: couvre-feu à 20h, pas d’emploi. Comment fais-je pour nourrir mes enfants?“ (Nachtarbeiter:in. An der Steuer vorbei bezahlt: Ausgangssperre um 20 Uhr. Keine Arbeit mehr. Wie soll ich meine Kinder ernähren?). Ein drittes, welches einen Drogenkonsumierenden darstellt, lautet: „Consommer seul est une condamnation à mort. Après 20h qui sera là pour vérifier si je respire?“ (tr: Allein zu konsumieren ist ein Todesurteil. Wer wird nach 20 Uhr da sein, um zu prüfen, ob ich atme?). Ein viertes (aus einer Reihe von neun), stellt ein Opfer von häuslicher Gewalt dar und liest: „Où aller après 20h du soir quand mon chum est saoul et me donne des coups?!“ (Ü: Wohin nach 20 Uhr, wenn mein Freund betrunken ist und mich schlägt?!)


Drei Tage, drei Proteste, die sich auf Polizeigewalt, Straffreiheit und Repression konzentrieren. Am Freitag versammelten sich Demonstrierende im Parc Extension, um das Racial Profiling der Montrealer Polizei im Zusammenhang mit der unzulässigen Festnahme und Inhaftierung von Mamadi Fara Camara anzuprangern.

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Die Organisator:innen der Demo – eine Ad-hoc-Gruppe mit dem Namen Pas de solution policière à la crise sanitaire / Keine polizeiliche Lösung für eine Gesundheitskrise – betonten, dass der Protest für Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 sei, lehnten aber die Ausgangssperre als autoritär und schädlich für eine effektive Pandemiebekämpfung ab. Die Organisator:innen legten auch Wert darauf, die Beteiligung und Anwesenheit von Personen abzulehnen, die mit rechtsradikalen, wissenschaftsfeindlichen Verschwörungstheoretiker:innen in Verbindung gebracht werden, und betonten stattdessen einen auf sozialer Gerechtigkeit basierenden, wissenschaftsfreundlichen Ansatz zur Pandemie.

In diesem Sinne wurde die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie betont, die auf Solidarität und Unterstützung für die am meisten Ausgegrenzten der Gesellschaft beruhen. Die Demonstration, die erfolgreich durch die Straßen von Hochelaga marschierte, betonte die grausamen negativen Auswirkungen der Ausgangssperre und der damit verbundenen Polizeischikanen auf Obdachlose, Sexarbeiter:innen, Drogenkonsument:innen, Arbeiter:innen ohne Papiere und andere.

Am 6. Februar fand die zweite Demonstration gegen die Ausgangssperre statt, die von der gleichen Gruppe organisiert wurde. Dieses Mal war nicht nur die Beteiligung deutlich höher, die Demonstration wurde auch von einer Reihe anderer linker Gruppen befürwortet und unterstützt, darunter die berühmte CLAC, die eine wichtige Rolle bei den Studentenaufständen von 2012 spielte.

Darüber hinaus hat Contrepoints Media einen Aufruf zur Einreichung von linken, anarchistischen und antiautoritären Texten zu COVID-19 veröffentlicht, um eine kritische Analyse der Aktionen des Staates in dieser Krise zu entwickeln und wie sich die Linke in diesen Zeiten am besten organisieren kann. Der Aufruf zur Einreichung von Beiträgen kann hier gefunden werden.

Es ist klar, der Ball ist im Rollen. Wohin wird das alles führen? Es ist leicht vorstellbar, dass die Dinge an Dynamik gewinnen, besonders wenn wir uns den wärmeren Monaten nähern. Der Mai ist in Montreal als „Monat der Anarchie“ bekannt, und oft ist die politische Energie im Frühling am höchsten. Wenn diese Bewegung weiter an Schwung gewinnt, ist es gut möglich, dass bald zehntausende Menschen auf die Straße gehen und sich ein Moment des revolutionären Potentials auftut.

Von den Organisator:innen der Demo am 6. Februar:

„Danke an alle Teilnehmenden, die gestern auf die Straße gegangen sind, um gegen repressive Lösungen für die Gesundheitskrise und für wirklich unterstützende Lösungen zu protestieren! Wir waren etwa 300 Leute stark auf der Straße, um ein Ende der Ausgangssperre und der repressiven Maßnahmen zu fordern. Wir haben unseren Stimmen Gehör verschafft.

Diese Demonstration war ein Erfolg wegen euch und der Unterstützung der vielen Gruppen und Organisationen, die die Veranstaltung unterstützt haben. Danke an alle, die Reden gehalten haben, die das Missmanagement des Staates bei der Pandemie anprangerten und das Ende der Ausgangssperre forderten. Danke an das CLAC-Kollektiv und das Verdun Anti-Gentrification-Kollektiv für die Unterstützung und Befürwortung unserer Veranstaltung. Dank all dieser Organisationen und all der anwesenden Menschen war diese Demonstration ein großer Erfolg.

Dank euch allen hat sich die Rede zur Ausgangssperre und der Gesundheitskrise verändert. Es ist nun eine entschieden linke Rede entstanden. Während wir im letzten Dezember noch in der falschen Alternative zwischen verschwörungstheoretischer Eigenwilligkeit und ebenso eigenwilliger nationalistischer Gefügigkeit gefangen waren, ist das Tabu nun gebrochen. Jetzt hören wir endlich die Stimmen derer, die am meisten betroffen sind und sie stehen im Vordergrund der Debatte. Das haben wir euch allen zu verdanken, also danken wir euch! Der Kampf geht weiter, lasst uns nicht aufgeben!“

-Pas de Solution Policiere a la Crise Sanitaire

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