ein paar gedanken zu linkssprech/anarchosprech

Für E-Reader:

Von dublinstinkt

ich kann all eure texte lesen, und die meissten versteh ich auch ohne nachschlagen zu müssen.

das problem:
ich hab mein abi aus langeweile abgebrochen, nicht weil ich was nicht konnte. ich habe nicht studiert, weil ich mich dazu entschieden habe, es nicht zu tun.
ich bin sogenanntes prekariat* (und genau hier wirds schon schwierig!), weil ich das sein will. das unterscheidet mich von vielen anderen. nicht das prekariat sein, sondern das auch sein zu wollen.

diese texte und diskussionen für die gebildete mittelschicht sind zum kotzen!
überlegt doch mal, wen ihr bitte erreichen wollt.

ich für meinen teil hab kein bock auf ne revolution aus mittelstands-kids und student*innen.
ihr dürft gerne mitmachen, aber das niveau auf dem wir reden ist doch bitte eins, bei dem auch der*die methjunkie noch mitkommt, oder die neu hier lebende person, für die deutsch noch ne fremdsprache ist, oder oder oder.

dieses nichtanschlußfähige gelaber und geschreibe ist pure selbstbefriedigung – not more.

und noch was:
eine kapitalismuskritik, die erst da ansetzt, wo leute gefälligst das ganze bild verstanden haben müssen ist für n arsch!

mag sein, das es das hirngewichse (ups, jetzt hab ich es tatsächlich gesagt – heul doch! der möchtegern-gangster auf der straße versteht mich!) irgendeiner selbsternannten intellektuellen schicht nicht bedient, aber:

jeff bezos ist ein arschloch, weil er seine angestellten für wenig kohle schuften lässt, sie nach belieben rausschmeißt, auf arbeitsschutz scheisst,… während er in dieser verfickten krise das jahresgehalt einer pflegekraft in der sekunde verdient (joar, fakt!)

versteht jede*r! die pflegekraft, der gemüsehändler an der ecke, die fleischfachverkäufer*in, die putzkraft, der mensch der dir den müll abfährt, einfach JEDE*R

ja, zeigt nicht das ganze bild – aber das verdammte problem!


next point (joar, jetzt mach ich mir feinde):

marginalisiert** sein ist scheiße!
auch scheiße ist aber, nicht zu wissen, was marginalisiert überhaupt bedeutet!


wenn du willst, das jemand versteht, was er*sie in deinen augen scheiße macht, dann erklär es gefälligst so, das er*sie es auch versteht und komm nicht mit: „informier dich“ um die ecke, arschloch!
ja, ich weiß das ist hart. ich verstehe auch, dass leute kein bock drauf haben, alles immer wieder neu durchzukauen.
respekt für die, die es trotzdem immer wieder tun. ernsthaft.

aber das problem ist der tritt vor den kopf, den du leuten verpasst, die verstehen wollen.

so jedenfalls wird sich niemand die mühe machen, verständnis aufzubringen oder deine position nachzuvollziehen

sich zurückziehen, weil dir gerade die kraft fehlt alles zum 1000sten mal zu erklären – völlig in ordnung!
leuten zu erklären, sie sollen sich gefälligst selbst informieren und gleichzeitig dein geschreibsel und rumbeleidigen beim vogel als bildungsarbeit verkaufen wollen – fick dich!

ja, ist scheiße marginalisiert zu sein. was du aber treibst mit so ner scheiße ist nach unten zu treten – und genau in diesem moment werden wir feinde. scheißegal wie marginalisiert du bist!

oder wann hast du dich zum letzten mal ernsthaft über die arbeitsbedingungen der kloreinigungskraft in deinem lieblingsclub informiert?

wenn „wir“ es nicht schaffen, leuten einfach zu erklären warum ihre sicht auf dinge falsch ist, könnte es unter umständen auch daran liegen, das unsere einfach falsch ist. könnte ja sein.

wenn „unsere“ kritik an herrschenden verhältnissen ne millionen fremdwörter braucht um überhaupt formuliert werden zu können und dann ausserhalb einer bildungsbürger*innen-bubble nicht im ansatz verstanden wird, ist sie sowas von wertlos. zumindest für die, für die „wir“ ja angeblich was reissen wollen.

ja, fremdwörter vereinfachen (dein eigenes geschreibsel – FÜR DICH). aber wenn du nicht mal bereit bist, von deinem hohen bildungsross zu steigen um die zu gewinnen um die es ja angeblich geht, läuft hier was falsch.
und das problem sind dann nicht die massen, die deiner denke weder folgen können noch wollen. das problem bist dann du!

scheißegal wie toll und ausgereift und nach allen seiten abgesichert deine kritik ist. elitäre kackscheiße eben!

so, fertig. erstmal.


ein nachsatz noch:

wenn du was von dem was ich schreibe, nicht verstehst. bitte frag nach, gern auch als dm (hier jetzt dann eher die kommentarfunktion, oder such mich auf mastodon). ernsthaft.

ich bin nicht frei davon mich komisch auszudrücken (aber ich versuchs).

du wirst mit sicherheit kein „informier dich“ hören, versprochen. und ich halte dich auch nicht für doof oder so.

vielleicht hab ich keine zeit, oder gerade kein nerv, aber dann antworte ich später (und falls ich es vergesse, nerv mich ruhig, das geht total klar).

*prekariat ist eine bezeichnung für gruppierungen von menschen, die aufgrund ihrer lebensumstände sozial abgestiegen oder von sozialem abstieg bedroht sind.

**marginalisiert bedeutet, jemanden zur nebensächlichkeit zu erklären, als unwichtig zu befinden, ins gesellschaftliche abseits zu drängen.

Für E-Reader:

1 comment on ein paar gedanken zu linkssprech/anarchosprech

  1. Danke für die klaren, deftigen Worte. Damit wir ans Ziel kommen, brauchen wir jeden und um überhaupt mal aus dem Knick zu kommen erst recht! NUR mit den Elitären geht gar nichts. Mögen diejenigen, die es betrifft, es als Selbstreflektion/Selbstbetrachtung ihrere Handlung sehen und als aufbauende/konstruktive Kritik .
    Love and Peace = hoch die Solidarität!

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