Black Lavenders Lyrik-Ecke: Woche XXI

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wegelager

maulwurfblind
auf straßen suche ich
mitstolpernde
die noch über steine
und menschen fallen

närrin

hab verstehen
nie gelernt
an ihrer vernunft
geh ich zu grunde

schatten schenken
mir ein lächeln
und ich lege ihnen
kleine worte
in den weg


fremd

ich war tot und lag in meinem sarg. das war befremdlich. das möchte ich nicht noch einmal. ich konnte nichts mehr machen. lag einfach nur da. ohne jedes gefühl. ohne erwartung. aber ich war es. ich – die, die da so tot dort lag.

auf einmal gehörte ich mir gar nicht mehr. und ich gehörte auch keiner anderen mehr. aber sie konnten mit mir machen, was sie wollten. sie hatten mich in diesen sarg gelegt. hierher gebracht. und jetzt steht der hier. mit mir drin.

ich war objekt. verhüllt. der sarg war auch objekt. verbarg eine gedankenprojektion. mich. ich war das. ich wollte das nicht. aber ich konnte mir das nicht aussuchen. ich konnte mich ja nicht wehren.

alle dachten und fühlten etwas. alle für sich. sie schauten auf den sarg, in dem ich lag. und ich wusste nicht, was das mit mir zu tun hatte. ich glaube, auch das wollte ich nicht.

tot sein war gar nicht so schlimm. aber ich wollte mit dem allen hier nichts zu tun haben. sie haben das einfach so mit mir gemacht. haben ihre worte gesprochen, ihre lieder gesungen.

all das hatte ich auch schon oft erlebt. und mitgemacht. ich hatte aber nie überlegt, wie es für die im sarg sein würde. oder wie es einmal für mich sein würde. das merkte ich erst jetzt. und ich wollte das nicht.

viele waren traurig. betroffen. verstört. sie sahen ja nur den sarg, in dem ich lag und in dem sie mich nicht sehen konnten. ich glaube, sie waren froh, dass nicht sie in meinem sarg lagen.

ein bisschen habe ich sie verstanden. sie wollten sich trösten und vergewissern; sinn finden und allem eine bedeutung geben. aber ich konnte doch gar nichts dafür. es war ja nicht meine schuld. ich hatte mir das nicht ausgesucht.

ich glaube, du hast das genau verstanden. und es hat dich zusätzlich traurig gemacht. aber du konntest ja auch nichts machen. irgendwie waren wir durch meinen tod alle wie objekte.

mach dir bitte keine gedanken mehr, liebste. wir haben es ja überstanden.

Black Lavender
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Black Lavender

black lavendel - christliche anarchistin - schreibt, um nicht zu verzweifeln oder zynisch zu werden - wohnt in ihrem fernweh nach einer anderen welt, in der wir weder uns noch andere ausbeuten - antinational - vegan - queer - verliebt. motto: lyrik ist die fortsetzung der verzweiflung mit anderen mitteln

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