Ausbruch aus dem Vogelkäfig – Ein Mastodon-Guide

Für E-Reader:

Bildquelle: Ückück / Stephanie Henkel


>> Don’t hate the media – become the media! <<

Was ist dieser Spruch eigentlich noch wert, wenn so viele Gruppen und Individuen auf Twitter, Facebook und Instagram setzen, obwohl die freien und dezentralen Alternativen bereits vorhanden sind? Hauptsache, die Empörung ist hinterher wieder groß, dass Corporate Social Media sie zensiert.

Erst kürzlich mussten Aktivist:innen bezüglich des Verhältnisses von aktivistischen Informationsstrukturen und Corporate Social Media nachdenken, als Facebook sich entschieden hat, Antifa- und andere linke und anarchistische Accounts zu sperren. Nun machen Fridays for Future und Ende Gelände darauf aufmerksam, dass die Suche unter Fotos und Videos nach #dannibleibt keine Ergebnisse anzeigt (Anmerkung: diese Sperre ist inzwischen wieder aufgehoben). Twitter möchte wohl nicht, dass du einen schnellen Zugriff auf die Aufnahmen erlangst, welche in den letzten Tagen und Wochen die Polizeigewalt im Danni dokumentieren. (Anmerkung: Dies ist natürlich erstmal nur Spekulation, für welche es keine abschließenden Beweise gibt. Nach immer stärkeren Zensuren ist dies allerdings eine berechtigte Möglichkeit.) Seit langem ist beispielsweise Twitter auch besonders für Tor-Nutzer:innen eher schlecht zu bedienen.

Fortlaufend blockiert oder zensiert Corporate Social Media unseren Content, während sie uns gleichzeitig tracken um ihre Datensammelwut zu befriedigen. Es wird Zeit, dass wir auf freie und dezentrale Medien setzen, dass wir unsere eigenen Strukturen aufbauen und dass wir uns der Kontrolle und der Macht von Corporate Social Media entziehen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil den großen sozialen Medien auch weiterhin Uploadfilter drohen, die obige Zensur nochmal erheblich verstärken werden.

Aus diesem Grund präsentiere ich an dieser Stelle einen Guide für Mastodon, ein Twitter-ähnliches soziales Netzwerk, das versucht, die besten Teile des Dienstes neu zu erschaffen und gleichzeitig die Probleme des blauen Vogels zu beseitigen (und theoretisch nazifrei ist – warum erkläre ich weiter unten).

Häufig werden Alternativen wie Mastodon abgewiesen mit den Argumenten wie „Aber alle sind hier!“, „Reichweite!!!“ oder „Keine Zeit zwei Plattformen gleichzeitig zu bedienen!“ – all diese Argumente sind jedoch in Wahrheit falsch und ich versuche nach bestem Gewissen auf diese einzugehen, während ich gleichzeitig Schwächen der Plattform aufzeige. Keine Plattform ist perfekt, erwartet also keinen „Fangirl-Guide“.

Es wird Zeit aus dem Vogelkäfig auszubrechen!

Gleich im Vorfeld möchte ich jedoch Folgendes klarstellen: Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mastodon ist deutlich umfangreicher als Twitter und ich werde sicherlich nicht auf alles eingehen. Stattdessen schreibe ich diesen Guide aus meiner Perspektive und wie ich die Plattform nutze. Wenn du der Meinung bist, dass ich etwas Grundlegendes vergessen habe oder etwas näher ausführen sollte, schreibe es in die Kommentare.

Mastodon und das Fediverse

Mastodon ist Teil des Fediverse, ein Netzwerk föderierter, voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke, Mikroblogging-Diensten und Webseiten für Online-Publikation oder Daten-Hosting. Die Idee des Fediverse ist, dass es möglich sein soll, ein Benutzerkonto auf einer beliebigen Plattform im Fediverse anzulegen und sich darüber mit Nutzer:innen auf allen anderen Plattformen austauschen zu können, ohne dort ein weiteres Konto anlegen zu müssen. Mit anderen Worten: Während Twitter-User:innen nur mit Twitter-User:innen kommunizieren können, ist es auf Mastodon möglich mit User:innen zu interagieren, die auf anderen Plattformen aktiv sind. Stell dir zB vor, du könntest mit deinem Twitter-Account auf Youtube kommentieren – was komisch klingt, ist im Fediverse aber bereits Praxis.

Für diesen Guide werde ich allerdings ausschließlich Mastodon behandeln, um potentielle Nutzer:innen, die aus dem Vogelkäfig ausbrechen möchten, nicht mit der Vielseitigkeit des Fediverse zu erschlagen und abzuschrecken. Für das Fediverse als übergeordnetes Netzwerk wird es stattdessen einen eigenen Beitrag geben.

Was ist Mastodon?

Mastodon ist ein Twitter-ähnliches soziales Netzwerk, das versucht, die besten Teile des Dienstes neu zu erschaffen und gleichzeitig die Probleme des Vogels zu beseitigen. Die verteilte, quelloffene Plattform bietet bessere Werkzeuge zum Schutz der Privatsphäre und zur Bekämpfung von Belästigungen als Twitter, aber sie erfordert auch eine kleine Lernkurve. Die föderierte Natur von Mastodon bedeutet, dass es keine einzige Webseite gibt, die man benutzen kann, und zu lernen, wie man sich durch die Timelines (ja, richtig gelesen – Timelines als Mehrzahl) der Tweets (die hier Toots oder auch Tröts genannt werden) durchwühlt, braucht etwas Zeit, um sich darauf einzustellen.

Diese Lernkurve (keine Sorge, es wird nicht kompliziert) belohnt dich dafür mit einem sozialen Netzwerk, welches sich wie ein safe(r) space anfühlt. Keine Werbung, keine unausweichliche Flut von Belästigungen, deutlich(!) untoxischer als der Vogel, kein Schmunzel- oder Rechtstwitter, und mit vielen bereichernden Diskussionen. Tatsächlich sind die Diskussionen auf Mastodon meist informativer, intelligenter, untoxischer und inspirierender als im Vogelkäfig.

Instanzen und die Wohltat der Wahl

Auf Twitter loggt sich jede Person direkt auf den Server von Twitter ein, wahlweise auf der Webseite oder einer App. Auf Mastodon hingegen loggst du dich auf eine von dir gewählten Instanz ein.

Mastodon ist ein dezentrales Netzwerk, das heißt, dass es nicht nur einen Server gibt, sondern Hunderte und Tausende. Jeder Server (=Instanz) kann seine eigenen Regeln vorschreiben und häufig richten sich Instanzen an eine bestimmte Zielgruppe, zB Instanzen für Anarchist:innen, Queers, Techies, oder auch Bayern, Tuning-Fans und Gamer:innen.

Ein solches Netzwerk hat gegenüber dem zentralistischen Netzwerk von Twitter einen entscheidenden Vorteil: Instanzen, die sich zB an Antifas, Linke, Queers und Anarchist:innen richten, haben kein Interesse Rechten eine Plattform zu bieten und sperren solche Personen von ihren Instanzen – tatsächlich machen das wohl die meisten Instanzen, sodass Rechte auf ihre eigenen Instanzen ausweichen müssen. Hier kommt dann auch gleich der zweite Vorteil von Mastodon ins Spiel: jede Instanz kann selber entscheiden, mit welchen anderen Instanzen es föderiert. Ich bin zB auf der Instanz todon.nl, CrimethInc und SchwarzerPfeil sind bei todon.eu, It’s Going Down bei Kolektiva und Ende Gelände bei climatejustice.global – all diese Instanzen föderieren miteinander, das heißt auch wenn wir nicht auf der selben Instanz sind, können wir miteinander interagieren. Nicht interagieren kann ich dafür mit Nazi-Instanzen, weil meine Instanz diese blockiert. Mein Mastodon ist damit praktisch nazifrei. Auch wenn sie ebenfalls existieren, so kann ich sie nicht sehen und sie können mich nicht sehen.

Mastodon funktioniert also selbstorganisiert. Das ist ein Vorteil, aber auch eine hohe Verantwortung und teilweise auch eine hohe Arbeitsbelastung, die auf den Moderator:innen lastet. Die antifaschistische Arbeit innerhalb und bezüglich Mastodon ist noch sehr ausbaufähig: Es gibt zwar sehr viele Antifa-Gruppen, diese berichten allerdings quasi ausschließlich über ihre Offline-Arbeit. Das bedeutet, dass nur wenige Nazi-Instanzen auch großflächig blockiert und damit isoliert sind. Erfahrungsgemäß ändert sich das aber, wenn eine antifaschistische Recherche bezüglich konkreter Mastodon-Instanzen viral geht. Bisher wurde häufig via #FediBlock auf Problematisches aufmerksam gemacht, wobei es seit Kurzem auch eine Dokumentation davon auf fediblock.org gibt.

Ein weiterer Vorteil ist das Zeichenlimit. Während man im Vogelkäfig für alle drei Sätze einen neuen Tweet verfassen muss, aufgrund des geradezu lächerlichen Zeichenlimits von lediglich 280, so hebt Mastodon diese Beschränkung auf und erlaubt dir 500 Zeichen. Todon.nl und todon.eu erlauben sogar ganze 1000 Zeichen. Die Zeiten sich so kurz wie möglich zu fassen sind vorbei, gleichzeitig trägt es zu dem untoxischen Charakter von Mastodon bei, weil es erschwert wird Beiträge aus dem Zusammenhang zu reißen, was im Vogelkäfig nicht selten mit böswilliger Absicht geschieht.

Deine Instanz entscheidet zudem über zwei weitere Dinge: die Smileys sowie die lokale und föderierte Timeline (nicht die persönliche Timeline mit Leuten, denen du selbst folgst – wie schon erwähnt, hat Mastodon mehrere Timelines).

Hinweis: Hast du dich für eine Instanz entschieden, kannst du dich auch nur auf der entsprechenden Instanz einloggen. Du kannst dich logischerweise nicht mit einem todon.eu-Account in zB todon.nl oder mastodon.social einloggen. Nach einer Recherche erfuhr ich, dass dies gelegentlich zu einem Missverständnis führt und manche Personen verwirrt sind, warum ihr Passwort auf einmal nicht mehr geht.

Was sind die lokale und föderierte Timeline?

Hast du dich für eine Instanz entschieden, siehst du in deinem Account drei verschiedene Timelines:

Unter dem Haus-Symbol befindet sich deine persönliche Timeline. Hier erscheinen die Toots (Tweets) und Boosts (Retweets) der Personen, denen du selber folgst. Im Gegensatz zum Vogel erscheinen in dieser Timeline allerdings nicht die Beiträge, die diese Accounts geliked haben (welche hier Favorit heißen und ein Stern-Symbol haben). Der Like aus dem Vogelkäfig und der Favorit von Mastodon haben völlig unterschiedliche Funktionen. Der Favorit ist in erster Linie etwas, was du für dich persönlich selbst setzt – zB um darauf aufmerksam zu machen, dass du einen Beitrag oder eine Antwort gelesen hast. Alles, was du mit einem Favorit versehen hast, kannst du auch in einer Liste einsehen – diese Liste können andere Personen jedoch nicht sehen. Möchtest du also deine eigenen Follower:innen auf einen Toot aufmerksam machen, weil du der Meinung hast, dass es sich um etwas handelt, was andere sehen sollten, dann solltest du den Toot boosten.

Der Boost ist auch aus einem anderen Grund ein entscheidendes Element: Mastodon verzichtet bewusst auf einen Algorithmus. Alle Timelines sind daher chronologisch geordnet und unterliegen keiner Manipulation durch eine „KI“. Im Vogelkäfig kann der Algorithmus zwar auch nützlich sein (folge 300 Leuten, wovon jede:r 10 Beiträge am Tag postet/teilt und deine Timeline hat jeden Tag bis zu 3000 Posts – logisch, dass man dies nicht alles lesen kann), doch ein solcher Algorithmus hat auch seine Schattenseiten: manche Accounts, denen du folgst, verschwinden aus deiner Timeline, weil der Algorithmus entschieden hat, dass sie für dich nicht relevant sind. Twitter kann den Algorithmus so manipulieren, dass bestimmte Dinge nicht mehr bzw nicht mehr so häufig angezeigt werden. Likes und Retweets sind für den Algorithmus ein wichtiges Kriterium, was dazu führt, dass große Accounts bevorzugt werden, gleichzeitig setzt dies eine Spirale der „Like-Geilheit“ in Lauf und ist maßgeblich für die Existenz von „Schmunzeltwitter“ verantwortlich.

Mastodon durchbricht diesen Kreislauf indem die Timelines prinzipiell chronologisch angeordnet sind und bleiben. Jeder Account erhält die selben Chancen gesehen zu werden. Die Mentalität der Like-Geilheit schwindet. Wenn jemand den eigenen Toot boostet, dann nicht deshalb, weil die Person nach Sternchen und Boosts fischen möchte, sondern einfach nur deshalb um die Reichweite des Toots zu erhöhen – ein Toot, welcher nachts um 3 gepostet wird, hat schließlich weniger Chancen gesehen zu werden als ein Toot, welcher mittags um 12 gepostet wird. Wenn dir also ein Toot gefällt und du möchtest, dass es deine Follower:innen ebenfalls sehen: spendier dem Toot einen Boost. Toots lassen sich zudem völlig unkompliziert planen (zB nachts erstellen und es wird erst mittags gepostet, ohne dass du überhaupt anwesend bist) und Listen helfen dabei die Übersicht zu behalten, aber dazu weiter unten mehr.

Unter dem Symbol mit den Personen befindet sich die lokale Timeline.

Die lokale Timeline ist jeder Toot mit einem öffentlichen Status, der von Benutzer:innen in deiner Instanz gepostet wurde, mit Ausnahme der Antworten an andere User:innen. In meinem Falle sehe ich in dieser Timeline somit die Toots, welche auf der Instanz todon.nl gepostet wurden. In meinen Einstellungen habe ich zudem die Sprachen auf deutsch und englisch festgelegt, das heißt, dass ich Toots auf zB holländisch oder griechisch nicht mehr sehen kann, weil sie für mich nicht relevant sind.

Die föderierte Timeline, erreichbar unter dem Globus-Symbol, ist etwas komplizierter. In dieser Timeline findest du jeden Toot mit einem öffentlichen Status, der von irgendeine:m/r Benutzer:in gepostet wurde, den deine Instanz kennt – auch von anderen Instanzen. Deine Instanz weiß von entfernten Benutzer:innen, wenn mindestens ein:e Benutzer:in in deiner Instanz JEMALS diesen gefolgt ist.

Ein Blick in diese beiden anderen Timelines kann sich lohnen um neue Leute kennenzulernen.

Alles über Toots

Im Textfeld um einen Toot zu verfassen siehst du mehrere Symbole: eine Klammer, einen Globus, eine Sprechblase mit einem !, einen Smiley und eine Uhr (Hinweis: ich verwende hier die App Tusky – auf der Webseite und in anderen Apps kann sich dies leicht unterscheiden).

Klammer: Tippst du auf die Klammer, kannst du Medien wie Bilder und Fotos hinzufügen oder eine Umfrage starten.

Globus: Damit legst du die Privatsphäre-Option deines Toots fest – öffentlich, ungelistet, nur Folgende und direkt. Öffentlich ist das, wonach es sich anhört – dein Toot erscheint auf deinem Profil, in deiner Timeline, in der Timeline deiner Follower:innen und in der lokalen Timeline deiner Instanz sowie der föderierten Timeline. Nur Folgende bedeutet, dass nur die Personen, die dir folgen, diesen Toot sehen können. Ungelistet bedeutet, dass dein Toot zwar im Grunde öffentlich ist, aber nicht in der lokalen oder föderierten Timeline erscheint. Ungelistet macht Sinn, wenn du nicht versuchst, den Toot geheim zu halten, aber nicht willst, dass er Timelines oder Suchergebnisse unnötig verstopft. Direkt bedeutet, dass nur die in diesem Toot markierten Personen diesen sehen können. Es handelt sich hier somit um eine private Nachricht.

Die verschiedenen Privatsphäre-Optionen für Toots


Sprechblase mit dem !: Mastodon enthält auch eine Inhaltswarnung, welche das leidige Problem von Twitter effektiv löst. Manche Menschen möchten zB keine Bilder von Gewalt sehen. Mit der Inhaltswarnung kannst du den Inhalt deines Toots ausblenden – um den Inhalt zu sehen, müssen andere Nutzer:innen auf „Zeige mehr“ gehen. Im Vogelkäfig bedienen sich viele Menschen der „Taktik“ einen Inhalt zu posten oder zu teilen und darüber zB „CN Polizeigewalt“ zu schreiben – diese Taktik ist aber völlig nutzlos, wenn man die App nutzt, bei welcher man standardmäßig von unten nach oben scrollt und somit erst das Bild und dann die Warnung sieht. Nett gemeint, aber nicht besonders hilfreich in Anbetracht dessen, dass die meisten Menschen heute ihr Smartphone verwenden.

Die Inhaltswarnung lässt sich zudem auch wunderbar für andere Dinge nutzen – um Spoiler zu verstecken oder um zB Dinge zu posten, für welche Leute dir eigentlich nicht folgen. Mir folgen die Leute aus einem politischen Kontext heraus, viele sind daher wohl nicht an Privatem interessiert – mit der Inhaltswarnung kann ich Privates „verstecken“.

Eine Inhaltswarnung – um den Toot zu lesen, muss man auf „Zeige mehr“ gehen. Auch das Bild ist standardmäßig ausgeblendet.


Smiley: Hier befinden sich die speziellen Smileys deiner Instanz. Jede Instanz hat andere Smileys – wenn dir die deiner Instanz nicht gefallen, frage den Admin über eine Implementierung gewünschter Smileys oder denke über einen Umzug nach. Auch dies ist leicht möglich (siehe weiter unten).

Eine kleine Auswahl der besonderen Smileys meiner Instanz. Wenn dir deine nicht gefallen, frage deinen Admin andere einzubauen oder wechsle die Instanz.


Uhr: Hiermit lassen sich Toots planen. Du kannst somit problemlos nachts um 3 einen Toot verfassen, während es erst mittags um 12 gepostet wird. Dies ist auch gerade für Gruppen hilfreich, die wenig Zeit haben ihre Social Media-Konten tagsüber zu pflegen, ihre Infos dennoch zur „Primetime“ bereitstellen möchten.

Allerdings: Dieses Feature ist nicht fester Bestandteil von Mastodon. Die App Tusky hat es, auf der Webseite meiner Instanz ist das wiederum nicht möglich. Wer Tusky nicht nutzt oder nutzen möchte, kann stattdessen auf die FediPlan-Webseite zurückgreifen.

Wie privat ist eine private Nachricht?

Denk dran, dass private Nachrichten nicht verschlüsselt sind. So wie Twitter Zugriff auf all deine privaten Nachrichten hat, so kann der jeweilige Admin deiner Instanz deine Nachrichten lesen. Es geht nicht darum, dass sie es wollen, sondern weil es aus gesetzlichen Gründen müssen. Ein Admin, der es ermöglicht, dass Nutzer:innen andere heimlich belästigen oder illegale Geschäfte abschließen, macht sich mitverantwortlich.

Generell gilt jedoch, dass der Admin die von dir als privat markierten Toots nur dann überprüft, wenn er oder sie Grund zu der Annahme hat, dass Belästigungen oder illegale Handlungen stattfinden. Dennoch gilt für alle Plattformen dasselbe: wenn du mit anderen Personen Dinge austauschen möchtest, die niemandem etwas angehen, weiche auf verschlüsselte Mails oder sichere Messenger aus.

Die neue Bedeutung der Hashtags

Twitter hat das Zeitalter der Hashtags geprägt (scheußliches Wort – zu meiner Zeit hieß das noch Raute), dabei sind Hashtags im Vogelkäfig im Grunde gar nicht so wichtig. Ob ich nach Polizeigewalt oder #Polizeigewalt suche, spielt dort keine Rolle. Die Suchergebnisse sind identisch. So ziemlich der einzige Grund Hashtags zu verwenden, liegt darin, bestimmte Wörter in die Trends zu bringen, sodass man weiß, welche Themen die Twitterlandschaft gerade bewegt.

Auf Mastodon sind die Hashtags hingegen deutlich wichtiger. Gebe ich in die Suche zB „Klimakrise“ ein, finde ich ausschließlich eigene Beiträge oder Beiträge, mit denen ich bereits interagiert habe, welche das Wort enthalten. Um andere Toots zu finden – auch auf anderen Instanzen – muss ich in der Suche auf Hashtags gehen und dort nach #klimakrise suchen. Dort finde ich alle Toots, die das Thema Klimakrise behandeln – vorausgesetzt der Hashtag wurde genutzt.

Warum kann ich nicht einfach nach einem bestimmten Wort suchen, Twitter kann das schließlich auch? Ganz einfach: Das ist eine Anti-Belästigungsfunktion. Belästiger:innen suchen oft nach bestimmten Wörtern oder Ausdrücken (wie „trans“ oder „homophob“ oder „Jude/Jüdin“ oder „weiße Vorherrschaft“), um Leute anzugreifen und zu tyrannisieren. Durch die Beschränkung der Suche auf Benutzernamen und Hashtags, erlaubt Mastodon den Benutzer:innen zu entscheiden, wie sie möchten, in der Suche anderer angezeigt zu werden.

Wenn du also möchtest, dass dein Toot auch für andere in der Suche erscheint, verwende gängige Hashtags. Gleichzeitig kannst du unter der Vermeidung von Hashtags verhindern, dass dein Toot für andere in der Suche erscheinen wird.

Zweimal der selbe Beitrag, mit dem einzigen Unterschied, dass der Zweite ein Hashtag enthält. Gibt jemand in die Suche Panthifa ein, wird der erste Beitrag nur dann angezeigt, wenn die Person auch bereits mit diesem Toot interagiert hat. Der zweite Toot wird hingegen in der Suche unter #Panthifa für alle gefunden.


Warum kann ich einen Toot nur boosten, nicht jedoch mit einem Zusatz teilen? Gibt es auf Mastodon keine Möglichkeit für zitierte Boosts?

Kurz und knapp: Nein – bzw nicht direkt. Auch für mich war das der größte Schock, denn diese Funktion vom Vogel halte ich für eine der wichtigsten Funktionen. Nachdem ich jedoch den Grund erfahren habe, habe ich es verstanden – auch wenn ich der Zitier-Retweet-Funktion weiterhin hinterhertrauere.

Wie die Suche, ist es eine Anti-Belästigungs-Funktion. Wenn du auf den Toot einer anderen Person antworten willst, musst du tatsächlich darauf antworten; du kannst ihn nicht einfach mit einem (abfälligen) Kommentar an deine Follower:innen senden.

Wenn du allerdings unbedingt einen Toot mit einer Vermerkung (keine Belästigung!) teilen möchtest, kannst du stattdessen auf folgende zwei Optionen zurückgreifen:

1) Kommentiere unter dem Toot und booste deine Antwort. Deine Follower:innen können sehen, dass dein Toot eine Antwort auf einen anderen Toot ist. (Grundsätzlich tauchen im Gegensatz zu Twitter Antworten, die du unter Toots anderer Personen postest, nicht in der Timeline deiner Follower:innen auf – es sei denn, sie folgen der anderen Person ebenfalls. Dies ist auch so beabsichtigt, da deine Timeline sonst schnell „zugemüllt“ ist.)

2) Du kannst, auch innerhalb der App, problemlos den Link zu einem Toot kopieren, und zB Folgendes schreiben: „Ich stimme zwar mit diesem Beitrag in diesem einen Punkt (….) nicht überein, aber ansonsten klasse Beitrag. Bitte lest euch das durch. – Link zum Toot -„

Gehst du auf die drei Punkte unter einem Toot, kannst du den Link zum Toot kopieren und somit alternativ einen zitierten Boost posten. In diesem Fenster kannst du zudem die betreffende Person stummschalten, blockieren oder melden.


Bildbeschreibung

Wenn du deinem Toot ein Bild anhängst, mache bitte von der Bildbeschreibung Gebrauch. Tippe einfach auf das Bild und das Feld zur Eingabe öffnet sich. Warum solltest du das tun? Um die Frage mit nur einem Wort zu beantworten: Barrierefreiheit.

Auch sehbehinderte Menschen, die einen Screenreader benutzen, möchten gerne wissen, welche Inhalte du gerade geteilt hast. Schließe sie nicht aus. Wenn du beobachtest, dass andere keine Bildbeschreibung verwenden, weise sie freundlich darauf hin. Auf das dies in Zukunft zu einem Standardreflex beim Posten von Bildern wird.

Ein positives Beispiel für eine gelungene Bildbeschreibung.


Listen anlegen

Irgendwann wirst du an einem Punkt angelangen, an welchem deine Timeline immer voller wird. Immer mehr „Mastodonis“ und mehr Personen, denen du folgst, bedeuten, dass du auch hier einfach nicht alles lesen kannst. Mit dem Erstellen von Listen kannst du deine Follows gruppieren, zB eine Liste für Techies, eine für Klima-Aktivist:innen, eine für Mags oder auch eine Liste für Personen, die nur wenig schreiben, bei welchen du ihre Inhalte jedoch nicht verpassen möchtest. Vielen ist diese Funktion nicht bekannt oder wie man sie benutzt, dabei ist es relativ simpel. Ich stelle hier mal eine Anleitung für sowohl die App Tusky als auch für die Webseite vor:

Listen anlegen in Tusky: Gehe oben links neben „Start“ auf das Symbol mit den drei Balken – dort findest du die Option „Listen“. Gehe nun unten rechts auf das „Plus“ und gebe den gewünschten Namen für die Liste ein, in meinem Beispiel „Techies“. Sobald du die Liste erstellt hast, gehe auf die drei Punkte und dann auf „Liste bearbeiten“. Nun kannst du die Namen der Accounts angeben, welche du der Liste hinzufügen möchtest. Beachte, dass du diesen Personen folgen musst um sie einer Liste hinzuzufügen (eine weitere Anti-Belästigungs-Funktion). Hast du den Namen angegeben, tippe anschließend auf das Plus und die Person wurde der Liste hinzugefügt. Sobald du fertig bist, gehe einfach zurück und deine Liste ist einsatzfertig. Nun kannst du jederzeit auf diese Liste gehen und es erscheinen dort alle Beiträge der jeweiligen Personen in dieser Liste – mit Ausnahme der älteren Beiträge. Erst mit dem Erstellen der Liste wird diese mit Inhalt gefüllt, sobald eine der jeweiligen Personen etwas schreibt oder teilt. Die älteren Beiträge vor dem Erstellen der Liste werden nicht aufgelistet.

Listen anlegen auf der Webseite: Die Option für die Listen findest du oben rechts, wenn du auf das Symbol mit den drei Balken gehst. Gib im Feld „Neuer Titel der Liste“ den Namen der Liste ein und gehe anschliesend auf das Plus. Gehe auf die Liste und danach rechts neben der Liste auf das Symbol, wodurch du die Liste bearbeiten kannst. Die restlichen Schritte sind identisch mit dem Anlegen von Listen in Tusky.

Listen – eine effektive Lösung für mehr Überblick zu sorgen. In diesem Beispiel habe ich die Liste „Techies“ erstellt und fülle diese Liste mit Personen, die ideal da reinpassen. Im Gegensatz zum Vogel bekommen die Leute es nicht mit, wenn du sie einer Liste hinzufügst – dies ist auch gar nicht nötig, weil Listen nicht öffentlich sind und du zudem den Personen auch folgen musst.


Vorstellung

Auf Mastodon ist es üblich, dass sich neue Personen vorstellen. Im deutschen Raum werden hierfür #neuhier und #vorstellung genutzt, im englischsprachigen Raum #introductions und #introduction. Wenn du neu bist, erstelle einen kurzen Vorstellungspost mit diesen beiden Hashtags und die ersten Leute werden auf dich aufmerksam und folgen dir. Der „Kampf“ gesehen zu werden, ist auf Mastodon nicht mal annähernd so groß wie beim Vogel.

Hilfreich ist es zudem auch die eigenen Vorstellungs-Posts im Profil anzupinnen, damit diese nicht nach einigen Tagen untergehen. Gehe dazu einfach auf die drei Punkte unter deinem Toot auf „Im Profil anheften“.

Profilverzeichnis

Eine weitere Möglichkeit neue User:innen oder interessante Accounts kennenzulernen ist das Profilverzeichnis. Dieses Profilverzeichnis findest du auf der Webseite deiner Instanz oben rechts – dort wo du auch zu den Einstellungen gelangst. In diesem Verzeichnis findest du zB eine Auflistung von Accounts, die kürzlich aktiv waren oder neuen Benutzer:innen. Zudem kannst du die Profile nach deiner Instanz filtern oder dir Profile aus dem gesamten Fediverse anzeigen lassen.

Grundsätzlich werden Profile jedoch nicht automatisch im Profilverzeichnis aufgelistet. Möchtest du, dass dein Profil in diesem Verzeichnis aufgelistet wird, musst du unter Einstellungen auf Profil und dann auf Profil bearbeiten gehen. Dort kannst du den Haken aktivieren, dass dein Profil im Verzeichnis angezeigt werden soll.

Willst du im Profilverzeichnis aufgelistet werden, musst du es in den Profileinstellungen aktivieren.

Das Profilverzeichnis. Eine weitere Moglichkeit neue interessante Leute kennenzulernen.


Was ist, wenn ich jemanden sehe, der die Regeln bricht?

Wenn du jemanden siehst, der gegen die Regeln verstößt, kannst du eine Meldung senden. Gehe auf die drei Punkte (…) unter dem beleidigenden Toot und wähle „Melden“ (das ist normalerweise ganz unten in diesem Menü). Dadurch öffnet sich ein Fenster, in dem du bei Bedarf weitere aktuelle Beiträge dieses Users auswählen kannst. Außerdem kannst du einen Grund für die Meldung eingeben, damit der Moderator/die Moderatorin, welche:r die Meldung erhält, versteht, warum du sie gesendet hast.

Wenn der Benutzer/die Benutzerin aus einer anderen Instanz stammt, dann siehst du unter dem Grund für die Meldung auch einen Schalter, um die Meldung auch an die entsprechende Instanz weiterzuleiten. Bevor du dies tust, überprüfe die Regeln der anderen Instanz.

Im Feld unter den drei Punkten (…) unter jedem Toot kannst du zudem die Person stummschalten oder blockieren.

Gesperrtes Profil und Blocks

In deinen Profileinstellungen kannst du dein Profil sperren, das heißt, dass alle Personen dir erst eine Folgeanfrage senden müssen und nicht automatisch genehmigt werden. Das bedeutet, dass nur die Personen, die du genehmigst, deine Nur-Follower-Beiträge sehen können. Beachte allerdings, dass deine vorherigen öffentlichen Toots weiterhin öffentlich bleiben.

Wenn dich jemand blockiert hat, kannst du immer noch auf dessen öffentliche Seite im Web gehen und die öffentlichen und ungelisteten Toots sehen. Öffentliche Profile erfordern keine Authentifizierung (d.h. du musst nicht in dieser Instanz angemeldet sein, um sie zu sehen). Davon abgesehen: Wenn dich jemand blockiert hat, will diese Person dich nicht in ihrer Nähe haben. Du kannst ihre öffentlichen und ungelisteten Beiträge weiterhin lesen, aber du dringst in erheblichem Maße in ihre Privatsphäre ein und überschreitest absichtlich eine Grenze, die sie festgelegt haben, und „die Software erlaubt es mir, also muss es in Ordnung sein“ ist eine ziemlich fadenscheinige Rechtfertigung. Lass sie einfach in Ruhe.

Wenn du nicht willst, dass dir jede Person einfach so folgen kann, kannst du in den Profileinstellungen dein Profil sperren. Aktiviere dazu den Haken bei Gesperrtes Profil.


Erweiterte Einstellungen

Auf der Webseite deiner Instanz – nicht jedoch in der App – hast du Zugriff auf erweiterte Einstellungen. Gehe dazu in deiner Instanz oben rechts auf Einstellungen und anschließend nochmal oben rechts um das Fenster mit den Einstellungsmöglichkeiten zu öffnen. Du kannst zB dein Profil als Bot angeben, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung hinterlegen oder auch Filter anlegen, wenn du bestimmte Wörter oder Phrasen von deiner Timeline verbannen möchtest.

Instanz auswählen und Konto auf eine andere Instanz migrieren

Es gibt unzählige Instanzen. Diese hier alle aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Eine sehr kleine Auswahl, geordnet in Themenbereiche wie Aktivismus, Tech, LGBTQ+ oder Allgemein, findest du hier. Für Linke und Antiautoritäre gibt es zB todon.eu, anarchism.space oder kolektiva.social, für Klima-Aktivist:innen climatejustice.global und für Techies chaos.social. Eine queere, feministische Instanz ist eldritch.cafe. Eine neue antiautoritäre Instanz aus dem Hause SchwarzerPfeil findest du unter AntiNetzwerk.de. Manche Personen haben auch Accounts auf verschiedenen Instanzen um ihre Beiträge in Themenbereiche zu trennen.

Beachte bitte auch, dass Instanzen spendenfinanziert sind. Die Betreibenden dieser Server haben laufende Kosten, die mit jedem weiteren User steigen. Stelle dir daher einfach die Frage: Möchte ich meine Daten an Corporate Social Media verkaufen oder bin ich bereit auch mal etwas an die Betreibenden meiner jeweiligen Instanz zu spenden, damit diese am Leben erhalten werden kann?

Wenn dir deine Instanz nicht gefällt, kannst du dein Konto auf eine andere Instanz migrieren. Gehe dazu auf der Webseite deiner bisherigen Instanz unter Einstellungen auf Datenexport. Dort kannst du eine Liste aller Personen herunterladen, denen du folgst, aller Personen, die du blockiert hast, und aller Personen, die du stumm geschaltet hast. Gehe in der neuen Instanz zu deinen Einstellungen und dann auf Importieren um diese Listen hochladen. Um deine Follower:innen mitzunehmen gehe anschließend unter Einstellungen auf Konto -> Konto & Sicherheit und ganz unten kannst du die Migration abschließen. Auf der Webseite deiner neuen Instanz gibst du die Adresse deines alten Kontos an, auf der Webseite deiner alten Instanz gibst du die Adresse deines neuen Kontos an. Wenn beide Schritte abgeschlossen sind, ist die Kontomigration auch bereits erfolgreich.

Hinweis: Es ist ratsam einen Konto-Umzug rechtzeitig anzukündigen, damit deine Follower:innen Bescheid wissen. Nicht alle Follower:innen können nämlich auf diese Weise automatisch verschoben werden (zB wenn sie nicht auf Mastodon sind, sondern auf Pixelfed). Auch besteht die Möglichkeit, dass es bei der Migration zu einem Fehler kommt und dadurch nicht alle Follower:innen verschoben worden.

Dir gefällt deine Instanz nicht? Dann kannst du die Instanz mühelos wechseln und bist nicht gezwungen von Vorn zu beginnen.


Desktop und Apps

Mastodon hat ein ansprechendes Web-Interface, sowohl auf dem Desktop als auch mobil. Alternativ kannst du auf dem Smartphone oder Desktop auch entsprechende Apps nutzen. Eine Auswahl der Apps findest du hier. Für Personen mit einem Android-Smartphone empfiehlt sich die dringende Nutzung eines freien und sicheren App-Stores wie F-Droid. Dort findest du zB auch die App Fedilab kostenlos, während sie im Evil Play Store Geld kostet. Wenn du mehr über F-Droid erfahren möchtest, schaue hier vorbei.

Für diejenigen, die das Vogel-Feeling nicht missen möchten, gibt es mit Halcyon einen Twitter-Imitator.

Was soll Mastodon davon abhalten, so verstopft und toxisch wie der Vogelkäfig zu werden?

Theoretisch: Bessere Moderation, Community-spezifische Posting-Richtlinien und eine kleinere Nutzerbasis als die von Twitter. Es wäre utopisch anzunehmen, dass Mastodon jemals eine so große Basis erreichen wird wie Twitter. Und das möchte es auch nicht. Laut dem Mastodon-Entwickler Rochko sind kleinere, eng verbundene Gemeinschaften weniger anfällig für toxisches Verhalten. Die Tech-Bubble ist auf Mastodon bereits stark positioniert, eine Infobeschaffung im Vogelkäfig daher eher nicht nötig. Es wird Zeit, dass dies auch für die radikale linke sowie antiautoritäre Bewegung gilt.

Alles schön und gut, doch wenn ich heute zu Mastodon wechsle, bleiben folgende Argumente immer noch bestehen: Ich verliere an Reichweite, weil zu viele am Vogelkäfig gebunden sind. Dies führt auch dazu, dass die Infobeschaffung auf Mastodon erschwert wird. Gleichzeitig fehlt mir die Zeit gegebenenfalls zwei Plattformen zu pflegen.

Viele dieser Argumente gegen Mastodon, wenn auch nicht alle, kann ein Mastodon-Twitter-Crossposter effektiv beantworten.

Mit einem solchen Crossposter kann man mit lediglich zwei Minuten Arbeit Folgendes machen: Alles, was du auf Mastodon schreibst, wird automatisch auf Twitter gespiegelt. Alles, was du auf Twitter schreibst, wird automatisch auf Mastodon gespiegelt. Zudem lassen sich auch deine Retweets und Boosts automatisch spiegeln, wobei diese Option in den meisten Fällen eher wenig Sinn macht, vor allem wenn es zitierte Retweets sind oder bestimmte Accounts getaggt werden. Bei deinen eigenen Beiträgen kannst du den Crossposter zudem so einstellen, dass dein Post nur dann gespiegelt wird (oder nicht gespiegelt wird), wenn du ein bestimmtes # verwendest. Somit sind deine Posts auf beiden Plattformen, auch wenn du hauptsächlich nur eine verwendest.

Bedienst du dich dieser Taktik, fällt das Argument der Reichweite, da deine Posts nun auf beiden Plattformen sind – ohne besonderen Mehraufwand. Deine Reichweite erhöht sich somit. Zusätzlich trägst du dazu bei, dass sich die Infobeschaffung auf Mastodon verbessert. Und egal welche der beiden Plattformen du nun bevorzugst: Hin und wieder schaust du einfach auf die andere Plattform, falls dort jemand geantwortet hat. In deinem Profil kannst du zudem vermerken, dass du hier oder dort nur wenig aktiv bist.

Für manche Gruppen ist es tatsächlich nicht zu erwarten, dass sie nun Mastodon als Hauptplattform nehmen. So nutzen Ende Gelände und FFF Twitter auch als politisches Druckmittel und erwähnen regelmäßig Politiker:innen und Behörden. In diesen Fällen ist ein Ausbruch aus dem Vogelkäfig gar nicht erst möglich. Dennoch können diese Gruppen mit einem Crossposter ihre Inhalte auch auf Mastodon teilen, selbst wenn tatsächlich die Zeit fehlt, den Account dort zu pflegen. Zur Infobeschaffung reicht es in den meisten Fällen und alle, die nicht (mehr) auf Twitter unterwegs sind, sind dankbar, dass sie diese Infos auch hier erhalten.

Am Ende steht und fällt alles mit der Bereitschaft Mastodon zu nutzen. Durch einen Crossposter hat aber niemand mehr eine Ausrede, warum er/sie Inhalte nur im Vogelkäfig bereitstellt. Und um es mal etwas härter auszudrücken: Wenn deine Ausrede darin besteht, dass „alle auf Twitter sind“, dann bist du Teil des Problems. Mit einer solchen Einstellung wird sich nie etwas ändern. Stelle deine Infos (auch) auf Mastodon zur Verfügung und andere werden dir folgen. Nutzt du einen Crossposter, kostet dich das nicht einmal mehr Lebenszeit als ein Gang zur Toilette.

Empfehlenswerte Crossposter: Ich könnte zwar jetzt einige Crossposter erwähnen, aber nachdem ich einige getestet habe, werde ich nur einen hier empfehlen, die Moa Bridge von moa.party. Gib auf der Webseite deinen vollständigen Account-Namen (@nutzername@instanz) ein, erlaube den Zugriff und schon gelangst du zu den Einstellungen um das Crossposting zu aktivieren.

Persönlich empfehle ich folgende Einstellungen:

-Crossposting enabled

-Post public toots to Twitter

-Split long toots on Twitter

-Post tweets to Mastodon

Toot visibility: Public

Und dann wahlweise „Crosspost only if hashtag #moa or #xp is present“ oder „Crosspost unless hashtag #nomoa or #noxp is present“ – damit kannst du verhindern, dass Posts gespiegelt werden, die nur auf einer Plattform Sinn ergeben.

Du könntest auch einstellen, dass deine Retweets und Boosts gespiegelt werden, vielleicht aber auch nicht? Ganz ehrlich: Lass es. Es gibt bereits häufig die Situation, dass Personen Twitter-Retweets von Accounts nach Mastodon crossposten, die selbst einen Mastodon-Account haben. Das heißt, der ursprüngliche Tweet, den man auf Twitter retweetet und in Mastodon gespiegelt hat, ist bereits original auf Mastodon vorhanden, aber das weiß der Crossposter natürlich nicht.
Häufig sind Twitter-Retweets denen von Mastodon auch schlicht zahlenmäßig überlegen, sodass die Timeline schnell mit Twitter-Retweets überfüllt ist. Mastodon-eigene Dinge können dann schnell übersehen werden – was auch gleichzeitig der Grund ist, warum viele Nutzer Posts, die zB „twitter.com“ enthalten, herausfiltern.

Zwei Twitter-Retweets, die automatisch in Mastodon gespiegelt wurden. Gerade Zweiteres ist leider unschön, da es sich um einen zitierten Retweet handelt und somit ein Twitter-Link zum Originaltweet angehängt werden muss.

Ein weiteres Beispiel warum Twitter-Retweets nicht automatisch nach Mastodon gecrosspostet werden sollten. Der Crosspost-Retweet vom Ende Gelände-Post ist völlig unnötig, weil Ende Gelände bereits selbst auf Mastodon ist. Es führt nur dazu, dass Timelines mit Twitter-Beiträgen vollgestopft und zugemüllt werden.

Auch umgekehrt unnötig und unschön: Ein Mastodon-Boost, welcher automatisch in Twitter gespiegelt wurde. Crossposts ja, aber keine Boosts und Retweets!

Original und Fälschung: Der hier gezeigte Beitrag wurde in Mastodon erstellt und automatisch in Twitter gespiegelt. So kann man sich notfalls problemlos auf eine Plattform konzentrieren, während man beide bedient.

Ein Beitrag, bei welchem durch die Verwendung eines speziellen Hashtags das Crossposten verhindert wurde. Nachdem die Panthifa bereits selbst auf Twitter ist, wäre das Crossposten dieses Toots unnötig gewesen.


Anonymität und Tor


Gerade für Aktivist:innen ist Anonymität sehr wichtig. Gleichzeitig verstärkt sich die Wahrscheinlichkeit für eine Reichweiteneinschränkung drastisch, wenn man Corporate Social Media mit Tor nutzt. Uploadfilter, die Diskussion um das Verbot von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die allgegenwärtige Kriminalisierung von linkem und antiautoritärem Aktivismus zeigen uns, dass der Staat sich immer autoritärer entwickelt.
Gleichzeitig wissen wir aus Erfahrung, dass soziale Medien und beispielsweise auch Videos eine sehr wichtige Rolle für politische Bewegungen darstellen: In Frankreich werden Videos von Polizeigewalt kriminalisiert, während das Video vom Mord an George Floyd eine große soziale Bewegung ausgelöst hat. In diesem Kontext ist es also umso bedeutender, dass man beispielsweise Mastodon und allgemein alle Teile des Fediverse auch via Tor nutzen kann – teilweise sogar über einen Tor Onion Service, der die Sicherheit nochmal stark erhöht.

Weitere Tipps

Wenn du einer Person aufgrund der eigenen Posts folgst, diese aber deine Timeline mit für dich allerlei belanglosen Boosts „zumüllt“, musst du nicht mit diesem Kompromiss leben. Rufe dazu einfach das entsprechende Profil auf der Webseite auf, gehe rechts neben dem Profilbild auf die drei Punkte und dann auf „Geteilte Beiträge von @user verbergen“. Nun kannst du der Person weiterhin folgen und es werden dir ausschließlich die eigenen Toots der jeweiligen Person angezeigt.

Du folgst einer Person nur für ihre eigenen Toots, während dich die Boosts stören? Dann schalte in diesem Fenster die geteilten Beiträge aus. Zusätzlich kannst du in diesem Fenster auch die gesamte Instanz des jeweiligen Accounts blockieren. Das ist zB hilfreich, wenn eine rechte Instanz von deiner Instanz noch nicht selbst blockiert worden ist.


Sprache der Timelines festlegen: Gehe auf die Webseite deiner Instanz, oben rechts auf Einstellungen und dann wieder oben rechts um das Fenster aller Einstellungsmöglichkeiten zu ändern. Unter „Weiteres“ kannst du die Sprachen filtern. Wenn aktiviert, werden nur Beiträge in den ausgewählten Sprachen auf den öffentlichen Timelines angezeigt.

Viele Instanzen sind international. Wenn du dich durch die lokale Timelime wühlst, musst du nicht mehr alle Beiträge lesen, deren Sprache du nicht verstehst. Lege die Sprachen für die Timeline selbst fest.


Filter anlegen: Im Einstellungsfenster unter „Filter“ kannst du auch Filter aktivieren, um bestimmte Wörter und Phrasen zu blockieren. Du kannst zudem festlegen wie lange der Filter aktiv sein soll sowie in welchen Kontexten.

Mit Filtern hast du die volle Kontrolle darüber, welche Beiträge du in deinen Timelines nicht sehen möchtest.

Manche Personen verstehen leider nicht, dass Mastodon kein Ort ist, den sie mit unzähligen Twitter-Posts zumüllen können. Viele verwenden daher Filter, damit sie diese Beiträge nicht sehen müssen.


Tags: Wenn du eine Diskussion mit mehreren Personen führst, ist es sinnvoll, wenn du den Tag der Person, welcher du gerade antwortest, oben im Beitrag hälst, die Tags der anderen Personen jedoch nach unten schiebst – es sei denn du sprichst mit deiner Antwort explizit alle Personen an. Zudem ist es sinnvoll darauf zu achten, welche Accounts gerade getaggt sind. In manchen Fällen kommt es vor, dass Accounts in Diskussionen getaggt werden, welche in diesen jedoch selbst gar nicht interagieren, und sich hinterher über unnötige Mentions ärgern. Auf Mastodon kannst du die Tags auch innerhalb von Diskussionen beliebig löschen.

Beispiel für eine Diskussion, an welcher mit mir vier Accounts beteiligt sind. Nachdem mein Toot eine direkte Antwort auf eine bestimmte Person ist, habe in den Tag für diese Person oben gehalten, die anderen jedoch nach unten geschoben. Ist ein Account in dieser Diskussion markiert worden, welche an der Diskussion eigentlich nicht beteiligt ist oder es nicht wünscht, kann ich den Tag der entsprechenden Person problemlos löschen.


Benachrichtigungen filtern: Gerade für größere Accounts ist es sinnvoll die Benachrichtigungen zu filtern, damit man nicht für jeden einzelnen Boost und jeden einzelnen Favorit eine Benachrichtigung erhält. Gehe dazu einfach im Reiter Benachrichtigungen um die gewünschten Filter festzulegen.

Filter festlegen für was du alles eine Benachrichtigung erhalten willst, hier am Beispiel in der App Tusky. Im Web-Interface sieht das Menü etwas anders aus, das Grundprinzip ist jedoch das Selbe.


Anpinnen und Profilbeschreibung: Während du im Vogelkäfig immer nur einen Post anpinnen kannst, besteht bei Mastodon die Möglichkeit mehrere Posts gleichzeitig im Profil anzuheften (unter jedem Toot auf die drei Punkte und dort auf Profil anheften). Desweiteren erlaubt dir Mastodon eine aussagekräftige Profilbeschreibung. Viele nutzen diese zudem auch um ihr Pronomen anzugeben um Misgendering zu vermeiden.


Ich rufe ein Profil auf, welches angeblich mehrere Beiträge enthält. Ich kann aber nichts sehen?

Bei Mastodon gibt es manchmal die Situation, dass ein Profil leer wirkt, besonders bei neuen Profilen oder neuen Instanzen. Eventuell wird die Anzahl der Beiträge angezeigt, aber es sind keine Toots zu sehen. Das kann zum Beispiel zwei Gründe haben:

  1. Es wurden bisher nur Follower-only-Posts erstellt.
  2. Es kann sein, dass dein aktueller Server das Profil bzw die Beiträge noch nicht kennt. In dem Fall kann man das Profil im Web aufrufen (https://instanzdesusers/@user – in meinem Falle also https://antinetzwerk.de/@foxx) – dann sollten alle sichtbaren Beiträge angezeigt werden. Klickt man auf das Datum eines Toots, wird man zur direkten URL eines Toots weitergeleitet. Diese URL kann man im Mastodon-Webinterface oder der App suchen und der Server stellt eine Verbindung zu diesem Toot her um mit diesem zu interagieren.
Bin überzeugt – was nun?

Prima! Entscheide dich für eine Instanz, warte die Registrierung ab (bei manchen Instanzen ist dein Account sofort freigeschaltet) und vergiss deinen Vorstellungspost nicht. Je nach Themen, die dich interessieren, helfen dir die Mastodonis gerne weiter bei Folge-Empfehlungen. Die ersten Follower:innen sind dir ebenfalls sicher.

Bin noch nicht überzeugt.

Schade. Aber vielleicht möchtest du über Folgendes nachdenken: Erstelle ein Profil, stelle dich vor und richte dann ein Crossposting ein, sodass deine Twitter-Posts (aber nicht deine Retweets!) gespiegelt werden. Vielleicht schaust du dann einfach in der nächsten Zeit wieder vorbei, was sich in der Zwischenzeit so getan hat. Was hast du schon zu verlieren außer ein paar Minuten deiner Lebenszeit?

Wenn du das machst, schreibe zumindest ins Profil, dass du hauptsächlich beim Vogel unterwegs bist, damit andere Leute wissen, dass du auf Kommentare gegebenfalls verspätet oder gar nicht antwortest. Dies ist vor allem deshalb sinnvoll, weil auf Mastodon die Diskussionsbereitschaft wesentlich höher ist. Auf Twitter wird gepöbelt, auf Mastodon wird diskutiert.

Ich habe weitere Fragen

Wenn dir noch etwas unklar blieb oder du weitere Fragen hast, kommentiere einfach hier oder schreibe mir auf Mastodon eine Nachricht.

Anarchist Fox
Für E-Reader:

10 comments on Ausbruch aus dem Vogelkäfig – Ein Mastodon-Guide

  1. Liebe Anarchist Fox, vielen herzlichen Dank für diese sehr gute Einführung. Es hat mich gefesselt, so viele interessante Informationen und dabei sehr anschaulich, so dass ich Anfängerin alles gut nachvollziehen konnte. Ich hätte gerne crossposting verwendet, allerdings fehlten mir die Einstellungen. Somit gab es viele retweets und ich habe das ganze erst einmal abgebrochen. Die Einstellungen hat mir moa.party nicht angezeigt oder ich habe es nicht erfasst. Ich werde es bei Gelegenheit noch mal test.
    Ich hoffe auch, dass noch viel mehr gute Leute, Antifas, Anarchist:innen usw. zu dieser Plattform finden und wir uns noch besser vernetzen und austauschen können. Fediverse ist eine fantastische „Föderation“ 🙂 Ich bin total happy hier zu sein und gebe es weiter. Alerta!

  2. Hey Diana, freut mich, dass dir der Artikel gefällt.
    Dass dir Moa die Einstellungen nicht angezeigt hat, ist seltsam. Ich habe das Ganze mehrmals mit verschiedenen Einstellungen getestet und hatte nie Probleme. Auch die anderen vom SchwarzerPfeil Team haben es ausprobiert (nachdem ich bereits meinen eigenen Account habe, nutze ich den Haupt-Account dort nicht). Aber probiere es doch mal mit diesem hier: https://bridge.nolog.cz
    Ist der selbe Crossposter, nur unter anderer Webseite. Hoffe du kommst damit zurecht und danke! (Fox)

  3. Hallo Diana, vielen Dank für diesen Artikel. Er ist gut aufbereitet und absolut informativ.

    Zum Thema Bildbeschreibungen kann ich empfehlen einfach dem Please Caption Account https://botsin.space/@PleaseCaption zu folgen. Dieser wird dir bei einem Toot mit Bild ohne Beschreibung sofort eine Direktnachricht senden und dich an die Bildbeschreibung erinnern. Dannach kannst du deinen Toot neu verfassen.

    Was du in deinem Artikel vergessen hast, ist, dass man Toots neu verfassen kann. Es ist ja besonders beim Vogelkäfig absolut nervig, dass das nicht geht.

    Danke!

  4. Schöner Guide, nur eine Kleinigkeit:

    „Mastodon verzichtet bewusst auf einen Algorithmus.“

    Dieser Satz lässt mein Informatikerherz bluten. Es gibt keine Programme ohne Algorithmus. Und selbstverständlich hat auch Mastodon einen. Ich verstehe schon, was Du sagen willst, aber … uff

  5. ich hatte erst überflogen, dann war ich infiziert, weiss nicht genau durch was und fühle so eine gute energie da herauskommen, dann nochmal gelesen. passt…alles. sehr angenehme sprache. superguide…auch deine anderen statements.

  6. Wäre doch cool, wenn das auf de.indymedia.org als Tutorial steht, damit mehr Leute erreicht werden als nur die, die eh schon auf Mastodon sind oder diesen Blog hier kennen oder?

  7. Das klingt alles super spannend, zumal
    mir gerade im Moment, politische Austausche doch sehr fehlen. Allerdings hab ich nicht so ganz verstanden, wie ich das Beschriebene für mich nutzbar machen kann. Ich bin kein Technikfuchs und dachte, frag ich doch mal ob sich hier direkt ein lieber Mensch findet um erklärbar zu machen, was mir nicht verständlich ist.
    Solidarische Grüße
    Y*

    1. Die Autorin des Guides nimmt sich gerade eine Auszeit, aber vielleicht können wir auch helfen. Andernfalls geben wir deine Fragen gerne an die Masto-Community weiter.

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