Übernahme einer Regierungseinrichtung durch indigene Gemeinschaft in Mexiko

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Der folgende Artikel befasst sich mit der laufenden Übernahme des Nationalen Instituts für indigene Bevölkerung in Mexiko-Stadt durch Mitglieder der Otomí-Gemeinschaft.

In einer gewagten Aktion am 12. Oktober, dem Tag des indigenen Widerstandes, hat die Otomí-Gemeinschaft aus Mezquititlán, Querétaro, die jetzt in Mexiko-Stadt ansässig ist, das Nationale Institut der indigenen Bevölkerung (INPI) übernommen, um für ihr Recht auf eine würdige Wohnung, Arbeit, Bildung und Gesundheit einzufordern. Das INPI ist die staatliche Einrichtung, deren angebliche Aufgabe darin besteht, „eine neue Beziehung zwischen der mexikanischen Regierung und den indigenen und afro-mexikanischen Völkern zu fördern, die auf der Anerkennung, dem Respekt und der effektiven Ausübung ihrer grundlegendsten Rechte als Subjekte des öffentlichen Rechts beruht.“ Dennoch wirft die Otomí-Gemeinschaft dem Institut, zwei Jahre nach Beginn der Regierung der selbstbeschriebenen Vierten Transformation (4T) von Andrés Manuel López Obrador, mangelnde Anerkennung und Respekt vor.

Bei der Übernahme drangen mehr als 100 Personen der Gemeinschaft, darunter etwa 30 Kinder, in das Institut ein, während Genoss:innen Banner und Plakate mit Bildern von Emiliano Zapata und dem getöteten Ökologen Samir Flores aufhängten und Slogans wie „528 Jahre Plünderung… NICHTS zu feiern“ an die Wände des Erdgeschosses und des ersten Stocks malten, bevor sie eine Pressekonferenz abhielten, bei der die Frauen der Gemeinschaft die Hauptredner:innen waren.

Eineinhalb Monate später geht die INPI-Übernahme weiter, aber erst nachdem die Otomís zeigten, dass sie die angeblichen Bemühungen der Regierung um einen Dialog mit ihnen satt hatten. Am 24. November blockierten sie die Straße vor dem Gebäude, wo sie Hunderte von irrelevanten Akten verbrannten.

Obwohl die Otomís den Vorwurf erheben, dass die föderalen und lokalen Behörden sie verschmäht haben, schätzen sie die Unterstützung, die sie bei einer Reihe von öffentlichen Aktivitäten erhalten haben. In der Tat ist der Ort der Übernahme zu einem Zentrum des Aktivismus in der Stadt geworden, wo Veranstaltungen mit Informationen, Arbeit und Kultur abgehalten wurden – sogar Buchpräsentationen und ein herzerwärmender Besuch der vertriebenen Familien, die durch das Erdbeben im September 2017 ihre Häuser verloren haben.  Die Otomí-Gemeinschaft gehört dem Nationalen Indígena-Kongress (CNI) und dem Rat der Indígena-Regierung (CIG) an und hat die jüngsten Angriffe auf die EZLN angeprangert. Ihre Sprecher:innen haben gesagt, dass sie das Institut nicht verlassen werden, bis ihre Forderungen vollständig erfüllt sind.

Von Anfang an war die Haltung der Otomí-Gemeinschaft klar. In der Pressekonferenz vom 12. Oktober beschrieb die Sprecherin Maribela Mejá ihre Lebensbedingungen und forderte ein Gespräch am Runden Tisch mit Claudia Sheinbaum (Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt) und Adelfo Regino (Direktor des INPI). Sie sagte:

„Heute sind wir erschienen, um das INPI zu übernehmen. Vor einem Jahr haben wir einen Marsch veranstaltet. Seit 528 Jahren werden die Urvölker nicht mehr berücksichtigt. Jedes Mal, wenn wir in der Öffentlichkeit auftreten oder Treffen mit der Regierung abhalten, wird uns gesagt, dass es eine Lösung für uns, die Indigenen, gibt. Was ist die Lösung? Wir schlafen immer noch auf der Straße, leben auf der Straße, widerstehen der Kälte, dem Regen. Wir sind obdachlos. Wir haben keine Wohnung. Jetzt schauen uns vielleicht viele Leute an und fragen: Warum übernehmen diese Unruhestifter:innen das INPI? Aber sie wissen nicht, wie wir leben. Wir sagen: Wir haben die Schnauze voll! Genug ist genug! Jetzt müssen wir uns sogar mit Schikanen von paramilitärischen Gruppen herumschlagen. Also haben wir beschlossen, dieses Gebäude zu übernehmen, und wir werden nicht gehen, bevor wir nicht ein Rundgespräch mit Claudia und Adelfo Regino haben, denn sie sind diejenigen, die uns eine Antwort auf die Frage der Unterkunft geben müssen. Wir haben die Entscheidung getroffen, hier so lange wie nötig zu leben… Wir mögen diesen Raum nicht, aber wir wollen einen eigenen Raum und wir fordern Licht, Wasser und Bildung, und Respekt für Frauen, Kinder und Jugendliche, für unsere Erwachsenen. Lasst die Köpfe der schlechten Regierung uns verstehen und uns von ihrer Vierten Transformation aus anschauen, wo sie, wie ich es sehe, uns nur anschauen, um uns verschwinden zu lassen, uns zu töten. Das ist es, was geschieht. Sie töten viele Verteidiger:innen. Sie eliminieren Menschen wie Samir, weil sie wissen, dass sie Recht haben. Nun, hier sind wir. Zapata lebt weiter! Der Kampf geht weiter!“

Auf der Pressekonferenz prangerte Isabel Valencia die Tatsache an, dass, obwohl die Otomís um Wohnraum kämpfen und sich um Mutter Erde kümmern, die Regierung ihnen ihr Land wegnimmt. Sie beschuldigte, dass die Regierung Geld in tödliche Megaprojekte investiert, wie den Tren Maya (Maya-Zug), aber wenn die Bevölkerungen gehört werden wollen, erniedrigt die Regierung sie. In einem Meeting nehmen sie sogar ihre Handys weg, damit sie nicht aufzeichnen können, was gesagt wird.  Sie sagte:

„Sie plündern unser Land und erzählen eine Menge Lügen. Wir wollen ihre Megaprojekte des Todes nicht, weil sie unsere Mutter Erde töten. Wir kämpfen für unsere Mutter Erde und kämpfen um zu leben, um etwas Gutes von unseren Hügeln zu ernten. Sie sollten besser aufhören, sie zu zerstören, denn wenn sie diese Hügel und Bäume zerstören, töten sie uns zusammen mit unserer Mutter Erde.“

Sarah Hernández sprach auch. Sie ist eine Otomí aus der Gemeinschaft von Santiago Mexquititlán in Querétaro, aus der die meisten Otomís in Mexiko-Stadt vertrieben wurden. Sie erzählte, wie sie und Estela Hernández Ziel politischer Verfolgung, Repression und Todesdrohungen waren. Deshalb trauen wir keiner Institution, sagte sie und sprach über den Kampf und Widerstand, der in Santiago Mexquitlán stattfindet:

„Es gibt ein Projekt zur Aufwertung von Santiago Mexquitlán, um es in einen Ort für Tourist:innen zu verwandeln, aber es zielt darauf ab, den Gemeinschaftstempel zu zerstören, der der Ursprung unserer Gemeinschaft in Santiago ist. Die großen Geschäfte fällen Bäume, aber wenn unsere Leute auf der Suche nach Holz auf den Hügel steigen, werden sie geschlagen. Sie haben auch kein Wasser, aber sie sehen Lastwagen von den Hügeln herunterkommen, die mit vollen Rohren fahren. Es gibt Gerüchte, dass sie den Gemeindefriedhof zerstören und Luxushotels auf dem Land bauen wollen. Unsere Hoffnung ist die Autonomie der Völker.“

Filiberto Margarito las anschließend eine Erklärung der Otomí-Gemeinschaft mit Sitz in Mexiko-Stadt vor. Er begann mit den Worten: „Das INPI ist ein weißer Elefant im Dienste der transnationalen Konzerne, die die Völker ihrer Gebiete enteignen.“ Er fährt fort:

„Die Übernahme des INPI war in der Versammlung beschlossen worden. Die Menschen der Gemeinschaft fordern ein Ende der Schikanen und Angriffe gegen die zapatistischen Gemeinden und prangern den Krieg der Aufstandsbekämpfung und die Megaprojekte des Todes an, darunter das Projekt Morelos Integral, den Flughafen Santa Lucía, den Tren Maya (Maya-Zug) und den Interozeanischen Korridor. Der Aufruf ist, einen Versammlungsraum für alle, die im Widerstand sind, zu übernehmen. Seit 20 Jahren fordern die Otomís den Zugang zu menschenwürdigen Wohnungen. Sie haben in überfüllten, eingestürzten Gebäuden und Lagern ohne Grundversorgung auf verlassenen Grundstücken in Mexiko-Stadt gelebt, die sich in Zacatecas 74 und Guanajuato 200 in der Colonia Roma, Avenida Zaragoza 1434 in Pantitlán und Roma 18 in der Colonia Juárez befinden. Dieser letzte Ort wurde nach dem Erdbeben von 1985 verlassen, aber das Erdbeben von 2017 machte ihn unbewohnbar und zwang die Menschen, ihr Lager auf der Straße aufzuschlagen. Sie wurden letztes Jahr von dort vertrieben. Sie fordern die Enteignung der Grundstücke in Guanajuato 200, Zacatecas 74 und Zaragoza 1434 und die Finanzierung von 80 Wohneinheiten für die Gemeinschaft der Roma 18, einen Handwerksplatz für die Gemeinschaft Otomí, Gesundheitsdienste, die Achtung der Arbeit und der Autonomie der Frauen und die Gewährleistung der Bildung der Gemeinschaft auf allen Ebenen.“

Auf die Frage, ob es unter der 4T-Regierung eine Verbesserung gegeben hat oder nicht, antworteten die Sprecher:innen, dass die Situation schlimmer denn je ist. Maricela Mejía sagte:

„Peña war ein Dieb und unter ihm sahen wir das Verschwinden der Student:innen aus Ayotzinapa. Wir wissen das und haben es angeprangert. Aber als López Obrador übernahm und sagte, er sei links, sagte ich, dass er nicht mein Präsident ist. Ich habe nicht für ihn gestimmt. Er hat das Zepter des Präsidenten nicht mit der Unterstützung meiner Gemeinschaft bekommen, nicht von meinen Leuten. Als Morena die Macht übernahm, haben sie nicht einmal ein Jahr gewartet, um uns in der Roma 18 zu unterdrücken. Wir sahen, was diese Vierte Transformation (4T) wirklich ist, mit ihrem Versprechen, dass die Armen zuerst kommen. Ja, die ersten, die geschlagen werden, die ersten, die ausgeplündert werden.“

Rückendeckung vom Nationalen Indigena-Kongress

Am Samstag, den 17. Oktober, sind die Mitglieder des Rates der Indigena-Regierung (CIG) des Nationalen Indigena-Kongresses (CNI) in den Büros des INPI eingetroffen, um die Forderungen der Übernahme zu unterstützen. Die CNI-Sprecherin María de Jesús Patricio, Marichuy, hatte diesen Ratschlag für die Gemeinschaft:

„Wir, die Völker sind geduldig. Wir können warten, wir machen das schon seit Jahren. Aber es kommt eine Zeit, in der uns die Geduld ausgeht, und ihr seid ein gutes Beispiel dafür. Ich habe gehört, ihr habt alles getan, um gesehen zu werden, gehört zu werden, und sie haben euch nicht beachtet. Deshalb sage ich, wenn ihr hier seid, dann für eine gerechte Sache. Unsere Bande der Einheit müssen stärker denn je sein, damit sie uns nicht auslöschen können. Bleibt bei guter Laune, Genoss:innen! Und wir werden an eurer Seite sein, wo immer wir sind, denn dieser Kampf ist für uns alle.“

Bedingungen für die Teilnahme an einem Dialog

Trotz mehrerer Räumungsdrohungen hat dies nie stattgefunden. Am 3. November, 21 Tage nach der Übernahme des INPI, schuf die Otomí-Gemeinschaft die Voraussetzungen für einen Dialog mit den lokalen und föderalen Behörden, unter folgenden Bedingungen:

-Der Dialog findet im INPI statt.
-Der INPI-Direktor Adelfo Regino, der Innenminister Alfonso Suárez del Real und die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, müssen immer anwesend sein. Falls diese Personen nicht erscheinen, findet der Dialog erst dann statt, wenn sie erscheinen.
-Die lokalen und föderalen Behörden und Autoritäten dürfen keinerlei Strafanzeige gegen die an der Übernahme Beteiligten oder die sie begleitenden Organisationen erstatten.
-Die am Dialogtisch getroffenen Vereinbarungen müssen veröffentlicht werden.
-Was die Vorschläge betrifft, so haben beide Seiten das Recht, sie zu analysieren, zu konsultieren und Entscheidungen darüber zu treffen.

Der Kampf geht über eine menschenwürdige Unterkunft hinaus und beinhaltet die Achtung der Rechte aller indigenen Bevölkerungen. Die Forderungen der Otomí-Gemeinschaft wurden nach und nach erweitert und umfassen Gerechtigkeit, Kultur, Demokratie, Freiheit, Respekt für ihre Organisationsformen, ein Ende der Angriffe auf die EZLN, die Annullierung von Megaprojekten und die Freiheit der politischen Gefangenen.

Treffen mit Regierungsautoritäten

Beim ersten Treffen mit der Regierung am 10. November haben die Otomís ihre Klagen über Rassismus, Diskriminierung, Polizeimissbrauch, willkürliche Verhaftungen sowie Täuschung und Apathie der Regierungsbehörden während der 25 Jahre, die die Gemeinschaft in Mexiko-Stadt ansässig ist, ausführlich dargelegt.

Magdalena Gomez berichtete in La Jornada, dass die Vertreter:innen der Gemeinschaft „auch heftige Kritik am Direktor des INPI geäußert haben, weil er seine unabhängige politische Geschichte hinter sich gelassen hat, die während der Dialoge von San Andrés Larráinzar begann… Er nahm an der Gründung des Nationalen Indigena-Kongresses teil, und am 28. März 2001 lud ihn die EZLN sogar zu einer Diskussionsveranstaltung nach San Lázaro ein. Sie nahmen seine Rede für die Rechte der indigenen Völker auf.“

Bei dem ersten Treffen drückte der Direktor des INPI, Adelfo Regino, seinen Willen aus, einen Dialog zu führen, und der Sekretär José Alfonso Suárez del Real, der die Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum vertrat, äußerte den Willen, die Situation der Eigentumsrechte in den betroffenen Vierteln von Juarez und Roma zu lösen.

Adelfo Regino entschuldigte sich auch dafür, „nicht auf die Anfragen der Gemeinschaft geachtet zu haben und für die angebliche Anwendung von Gewalt, laut den Anprangerungen der Gemeinschaft.“

Obwohl einige Beobachter:innen vermerkten, dass eine Entschuldigung weit hinter dem zurückbleibt, was vom Direktor erforderlich ist, schlug die Gemeinschaft vor, in der folgenden Woche in den übernommenen Büros des INPI einen Runden Tisch für eine Diskussion einzurichten.

Bis jetzt wurden drei Treffen abgehalten, aber die Gemeinschaft fühlt sich von den Regierungsbeamt:innen verachtet, und es fehlt an Lösungen für ihre Forderungen. Laut Filiberto Margarito hat Adelfo die Seiten gewechselt. „Er war früher Teil von uns, aber jetzt nicht mehr. Jetzt schaut er uns in den Meetings nicht einmal mehr an. Er schaut nur auf den Boden und murmelt.“ 

Maribela Mejía hat auf die Teilnahme von Claudia Sheinbaum an den Meetings bestanden. „Wenn sie nicht auftaucht, müssen wir andere Schritte unternehmen“, sagt sie.

Weder Adelfo Regino noch Claudia Sheinbaum erschienen zum vierten Treffen. Die Gemeinschaft traf dann die Entscheidung, den ersten Stock des INPI zu räumen, hunderte von Akten zu verbrennen und Raum zu schaffen, um weiterhin im Gebäude leben zu können.

Begegnungen und Gespräche

Im November hat im Rahmen der INPI-Übernahme eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen stattgefunden, um die Kämpfe der Otomís und anderer indigener Bevölkerungen zu vertiefen und Solidarität vorzuschlagen und zu koordinieren.

Am 7. November organisierte die Koordination der antikapitalistischen und antipatriarchalischen Metropolen dieses Treffen, um die Bedeutung der Übernahme des INPI in einem Kontext von Plünderung, Rassismus und Ausbeutung anzuerkennen. 

Unter Beteiligung von Dutzenden von Gemeinschaftsorganisationen und Kollektiven, die u.a. in Stadt und Land, Kunst, Bildung, Gesundheit, Transport und Lebensmittelproduktion arbeiten, fand die Diskussion nach folgenden Richtlinien statt:

-Wie man sich organisieren und gegen das kapitalistische System als ursprüngliche Bevölkerungen und Gemeinschaften in der Stadt und auf dem Land kämpfen kann.
-Wie wir unsere Kämpfe von unten organisieren und verbinden, mit allgemeinen, lokalen und besonderen Forderungen, um weiter voranzukommen.
-Wie man einen Aktionsplan entwickelt.

Was ist die Bedeutung der INPI-Übernahme in der 4T?

Angesichts der Weigerung der föderalen und lokalen Regierungen, die Forderungen der Otomí-Gemeinschaft, die im vergangenen Monat vorgelegt wurden, zu akzeptieren, fand am 14. November ein Gespräch zwischen Personen statt, die eingeladen waren, ihre Standpunkte, Einschätzungen und Vorschläge zur Bedeutung der Übernahme des INPI in der 4T zu teilen.

Carlos Gonzáles García, Mitglied der Generalkoordination der CNI-CIG, identifizierte drei Auswirkungen der Übernahme:

-Die Fortsetzung einer „indigenistischen“ Politik des Instituts, die Zerstörung der indigenen Bevölkerungen in die kapitalistische Entwicklung zu integrieren.
-Das energische und wütende Auftreten der Otomí-Gemeinschaft, um die Aufmerksamkeit auf die Forderungen nach Wohnen und Arbeit zu lenken.
-Der schwerwiegende Kontext von Plünderungen und extraavistischen Praktiken im Zusammenhang mit dem Tren Maya und anderen neoliberalen Megaprojekten, die die Fortsetzung eines den Vereinigten Staaten und Kanada untergeordneten Mexikos darstellen.

Gilberto López y Rivas, Anthropologieprofessor und Autor der Zeitung La Jornada, sprach über den anhaltenden Neo-Indigenismus in der 4T, obwohl er vor vielen Jahrzehnten gescheitert war. Nach dieser Sichtweise sind die Subjekte Opfer, die Almosen erhalten, während das INPI eine Art Ministerium der inneren Kolonien ist. Die Übernahme des INPI, erklärte er, entlarvt Behörden, die nicht einmal eine autonome Aktion anerkennen, die die Rechte der Indigenen betont – Behörden, denen der wahre Wille fehlt, eine große soziale und historische Krise zu lösen.

Marisela Mejía erklärte, als die Otomís beim INPI eintrafen, dass sie sich fragten: Wie leben die Menschen über uns? Sie waren erstaunt, dass sie in dem Gebäude eine Reihe von Luxusgegenständen vorfanden, Anzeichen einer Opulenz, die sie nie gekannt hatten. „Wir hingegen hatten nicht einmal Wasser. Wie sollten wir uns in Zeiten von COVID die Hände waschen?“ Die Sprecherin beschuldigte auch mehrere paramilitärische Akteure, einen Bruder geschlagen zu haben, während „Adelfo nichts unternahm, um sie aufzuhalten.“ Sie gab an: „Nach allem, was sie von uns geplündert haben, ist das, was wir verlangen, sehr wenig.“

Luis Hernández Navarro, Schriftsteller und Journalist von La Jornada, betonte, dass die 785.000 Indigenen in Mexiko-Stadt unsichtbar gemacht werden. Es ist das größte Zentrum der indigenen Bevölkerung des Landes und die Stadt hat ihnen gegenüber eine enorme Schuld für die Behandlung, die sie in einer rassistischen, diskriminierenden Gesellschaft erfahren haben. Insbesondere erwähnte er eine Lektion, die man aus den Erfahrungen der Urban Popular Movement (MUP) ziehen sollte, an der viele Indigene teilgenommen haben. Nichtsdestotrotz wurden sie wie jede:r andere Arbeiter:in behandelt, ohne dass sie als Angehörige indigener Völker mit Verteidigungsrechten anerkannt wurden. Ihre Selbstbestimmung muss immer respektiert werden, sagte der Journalist.

Pedro Uc Be, Schriftsteller und Dichter, Mitglied der Versammlung der Verteidiger:innen des MayaMúuch‘ Xíibal Territoriums, sprach über den Kampf des Maya-Volkes auf der Halbinsel Yucatán. „Wir sprechen über unsere Rechte“, betonte er, „und nicht über Almosen oder Geld für Haushaltsausgaben.“ Er erklärte, dass der Tren Maya nicht nur zur Förderung des Großkapitals benutzt werden wird, sondern auch um die Armee zu transportieren und somit Gewalt in das Gebiet zu bringen. Wir kämpfen gegen dieses und andere Megaprojekte. „Adelfo ist ein Verräter“, sagte er und erklärte, dass es unmöglich ist, auf ihn zu zählen, nachdem er den Kampf aufgegeben und begonnen hat, für die Regierung zu arbeiten. Er hat, zusammen mit vielen anderen Opportunist:innen, lukrative Posten und sie wollen uns nicht helfen. Sie wollen uns erwürgen. Sie wollen uns verschwinden lassen. „Wir machen weiter. Wir bieten unsere Stimme, unser Wort, unseren Kampf an.“

María de Jesús Patricio, MariChuy, Sprecherin der CNI-CIG, verglich die Übernahme des INPI mit dem zapatistischen Aufstand von 1994. Sie hatten viele Jahre lang auf verschiedene Weise gekämpft, genau wie die Genoss:innen von Otomí. Aber mit ihrer dramatischen Aktion wandten sich Menschen auf der ganzen Welt an sie. Durch die Aktion der Otomí-Gemeinschaft ist ihr Kampf nun sichtbarer und wird besser gehört. „Das bringt die Dinge ins Wanken“, bekräftigte sie. Wir leben in prekären Verhältnissen. Die Übernahme sagt uns, dass „wir etwas anderes aufbauen müssen“, indem wir unsere Kämpfe vereinen und in Gemeinschaften in der Stadt und auf dem Land zusammenarbeiten, immer von der Basis aus.

Filiberto Margarito, Vertreter der indigenen Otomí-Gemeinschaft, die in Mexiko-Stadt lebt, gibt an, dass „Autoritäten wie Claudia uns lange Zeit nicht gesehen haben, uns nicht respektiert haben. Wir sind eine indigene Gemeinschaft, keine ‚Gruppe von Personen‘. Ich habe das Gefühl, dass Adelfo uns verharmlost. Er schaut uns nicht einmal an. Er beugt seinen Kopf herunter und schaut auf den Boden, wenn er spricht. Aber wir gehen nirgendwo hin. Wir werden genau hier sein, bis sie unsere Forderungen erfüllen.“

Gedenken an den 37. Jahrestag der EZLN

Am 17. November, etwas mehr als fünf Wochen nach der Übernahme des INPI, gedachte die Otomí-Gemeinschaft des 37. Jahrestages des Aufstandes der EZLN und sagte zur Regierung: „Keine weiteren Zumutungen!“ 

Die Otomí-Genossin Isabela Valencia sagte:

„37 Jahre nach diesem Widerstand, dieser Rebellion, ist die Otomí-Gemeinschaft heute hier im INPI, wo wir euch sagen, dass wir diese Wut teilen. Wir müssen immer Widerstand leisten. Wir müssen auch der Regierung sagen: Keine weiteren Zumutungen! Seit 37 Jahren kämpfen unsere zapatistischen Brüder und Schwestern für uns in allem, was sie tun, Kampf für die Völker, Kampf für die Autonomie, Kampf um frei zu sein. Andrés Manuel Lopez Obrador sagte in seinem Wahlkampf: „Ich werde die Bevölkerungen unterstützen und an dem Tag, an dem ich mein Versprechen nicht halte, soll die Nation es fordern.“ Heute sind die Nation und die Völker hier, um seinen Rücktritt zu fordern, weil er und die Seinen nicht in der Lage sind, auf uns zu hören. Alles, was wir wollen, ist unsere Autonomie als ursprüngliche Bevölkerungen.  Nehmt uns nicht unsere Sprache weg. Nehmt uns nicht unser Wasser weg. Nehmt uns nicht unsere Hügel weg. Brüder und Schwestern der Zapatista, wo immer ihr seid, wo immer ihr uns zuhört, wir erinnern uns an das kleine Licht, das ihr uns eines Tages gegeben habt, als ihr uns gesagt habt, nehmt es und verwandelt es in Wut, verwandelt es in Mut, verteidigt euer Territorium, verteidigt euer Land, verteidigt euer Wasser, verteidigt eure Hügel. Heute sagen wir euch, dass das kleine Licht lebendiger ist als je zuvor, es leuchtet heller als je zuvor.“


Quelle: El Enemigo Común

Informationen und Fotos entnommen von Regeneración Radio, Desinformémonos, Noticias de Abajo ML, Radio Zapote, Café Zapata Vive, Avispa Midia, Radio Zapatista, Centro de Medios Libres, Grietas, Somos el Medio, Plumas Atómicas.

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