Bericht zu Guatemala / „Lieber als Rebell sterben, denn als Sklave leben“

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„Lieber als Rebell sterben, denn als Sklave leben“

Bericht zur Situation in Guatemala

Allgemein: Guatemala ist der bevölkerungsreichste Staat Mittelamerikas.Die Bevölkerung ist über die Hälfte indigenisch und stammt von den Mayas ab. Diese wurden während des 16.Jhrdts. von den Spaniern kolonisiert. Guatemala leidet bis heute am Erbe dieser Kolonialherrschaft. Der Großteil der Bevölkerung ist denn auch röm. katholisch.

Von 1960 bis 1996 gab es immer wieder einen Bürgerkrieg zwischen Guerillatruppen und der Regierung, die meist aus sich abwechselnden rechten Militärdiktaturen bestand. Ursache war ein von der CIA initiierter Militärputsch im Jahr 1954, der zum Sturz des damals demokratisch gewählten, bürgel.- konservativen Präsidenten Jacobo Àrbenz Guzmàn führte. Der Bürgerkrieg forderte zwischen 150 000 und 250 000 Tote, mehrheitlich davon Angehörige der indigenen Bevölkerung. Sie wurden bei planmäßigen Massakern der Armee und paramilitärischen Truppen ermordet. Die Zahl beläuft sich auf mind. 100 000, allerdings ist die genaue Zahl nicht bekannt. Dieser Konflikt wird zu den „schmutzigen Kriegen “ gezählt wegen der massiven Menschenrechtsverletzungen.

 

“ Parasidos Corrupta !“

Die Guatemalteken haben allen Grund, wütend zu sein und ihre Regierung loswerden zu wollen. Die Macht gründet sich auf eine kleine Gruppe Oligarchen, welche das Land und die Bevölkerung rücksichtslos ausbeuten. Es ist eine kriminelle Politik des „Rette sich , wer kann.“ Der so genannte Pakt der Korrupten umfasst ein Bündniss acht oligarchischer Gruppen. Diese werden für Angriffe auf Aktivisten, den Ombudsmann für Menschenrechte, den Sonderbeauftragten der Straflosenhilfe und Richter, welche sich für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie gegen die Korruption einsetzen, in Verbindung gebracht.

Zwischen Januar und Juni 2020 gab es 677 Angriffe auf Aktivisten:innen und bis Mitte August 13 Morde. Februar, Juni und Mai waren die gewalttätigsten Monate. Nach dem jüngsten Bericht von Global Witness gehört Guatemala zu den Ländern mit der höchsten absoluten Zahl , die 2019 bei der Verteidigung von Land – und Gemeingut ermordet wurden. Mit diesen Entwicklung wird 2020 zum Jahr mit der höchsten Gewaltrate gegen Aktivisten:innen. Die Bevölkerung leidet unter der Korruption, Gewalt und Misswirtschaft. Die Regierung nutzt die Coronapandemie zu massiven Demokratieabbau. Die Pandemie hat in Guatemala gravierende Auswirkungen. So beklagen die Menschen einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zwecks mangelnder Finanzierung bei gleichzeitigem Ausbau von Privilegien für die oligarchen Strukturen. Guatemala hat die höchste Todesrate mit Covid19 in Mittelamerika und der Karibik. Mehr als 2600 Fälle bei einer Sterblichkeit von 3,8% sind zu beklagen. Immer wieder verhängt die Regierung den Ausnahmezustand , nicht nur während der Pandemie. Der neue Haushalt der Regierung unter dem Staatschef Alejandro Giammattei und dem Parlamentspräsidenten Allan Rodrìguez sollte die Ausgaben bei dem schon desolaten Gesundheitssystem, bei der Bildung, den sozialen Einrichtungen so sie überhaupt existieren und bei der Staatsanwaltschaft für Menschenrechte noch mehr einsparen. Gleichzeitig wollte die Regierung Ministerien finanziell stärken, die bekannt für ihre Korruption sind. Es geht dabei unter anderem um das Ministerium für Infrastruktur und Wohnen, in dem Privatunternehmen großen Einfluss haben. Selbst Unternehmerverbände widersprachen dem Haushaltsentwurf.

Das war dann auch der Grund, woran sich die Proteste der Bevölkerung entzündet haben.Eine Gruppe drang dabei in das Parlamentsgebäude ein, steckte einen Teil in Brand und forderte die rücknahme des Haushalts und den Rücktritt des Staatschefs Giammattei. Die Proteste verhinderten erstmal die Verabschiedung dieses unsäglichen Haushaltsplanes, der Parlamenstpräsident begründete den Rückzug, damit den Frieden und die Regierbarkeit des Landes erhalten zu wollen. p.s. ;; Da hat wohl wer die Hosen voll.;;

Polizei steht Demonstanten gegenüber

 

Ursache für Hunger und Armut

Das Land hat eigentlich beste Voraussetzungen geologisch. Es hat einen fruchtbaren Boden und gutes Klima. Grund für die schlimmen Zustände ist außer der korrupten Regierung die ungleiche Verteilung, ein Erbe der Kolonialherrschaft. Große Haziendas (Farmen) produzieren überwiegend für den Export, wobei den kleinen Bauern, welche für die lokale Bevölkerung produziert, die Existenz erschwert wird. Das Hauptlebensmittel Mais muss so sogar importiert werden, wobei die Preise seit der März um 10% gestiegen sind und so für die arme Bevölkerung kaum noch zu bezahlen sind. In Guatemala waren 2019 nach Daten der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorg. der UN) 16% von Mangelernährung betroffen. 45% der Bevölkerung sind von unsicherer oder schwerer Nahrungsmittellage betroffen. 46,7% der Kinder sind deshalb unterentwickelt. Es gibt in Guatemala Kinderarbeit, sogar in Minen. Diese Zahlen bedeuten, dass 6 Millionen außerhalb einer Krise hungern.

Auch die zunehmende Verschmutzung von Flüssen und Seen durch Bergbau, Agrarwirtschaft und Abwässer stellt ein ernstes, gesundheitliches Problem dar. Durchfallerkrankungen zählen zu den Haupttodesursachen, vor allem bei Kleinkindern. Das Menschenrecht auf sauberes Wasser in einem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung indigenisch ist, wird auch zum Gradmesser für die Umsetzung derer Rechte und Selbstbestimmung.

Hungernde Menschen und Müll

 

Die “ Olla Communitaria“

Basisbewegung und Selbstorganisation

Es gibt in Guatemala eine sehr aktive Bewegung und Aktivisten, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen, für das Recht auf Wasser und den Schutz der Natur vor dem Raubbau und gegen Landraub einsetzen. Dabei wurde zuletzt der indigene Aktivist Baja California ermordet.

Die Basisbewegung geht auch mit der neu verschärften Hungerkrise durch Covid19 aktiv um. Die Olla Communitaria ist eine Basisbewegung, die unabhängig von Kirche und größeren NGOs in Guatemala Stadt enstand. Gegründet vom Inhaber des Restaurants Rayuela breitete sie sich schnell in viele größere Städte und Gemeinden aus. Organisiert ist sie in unterschiedlichen Gruppen, von denen jede ihre Aufgabe hat. So wird gewährleistet, dass sich die Arbeit verteilt und damit die Belastung aller verringert wird. Täglich werden von der Olla Communitaria mehrere Tausend essen gekocht und verteilt. Sie ist damit ein leuchtendes Beispiel für die erfolgreiche Selbstorganisation. Finanziert wird alles durch Spenden, was bei einer so armen Bevölkerung bemerkenswert ist. Sie erhalten dadurch ihre Unabhängigkeit und entziehen sich institutionellen Einschränkungen und Auflagen.

Die globale Krise hat auch in Guatemala die Verhältnisse verschärft. Immer mehr Korruption, rücksichtslose Ausbeutung von Natur, Export, Landraub und Verarmung der Bevölkerung lassen den Widerstand wachsen.

Wünschen wir der Bevölkerung Guatemalas, dass sie es schafft, ihre “ Parasidos Corrupta“ abzuschütteln und irgendwann hoffentlich auch die Folgen des kolonialen Erbes zu überwinden.

Quellen: amerika21, Wiki, UN

 

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