Danke, Antifa!

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Die Antifa ist Teil vieler medialer Geschichten, in denen Antifa-Aktivist:innen als ein Haufen junger militanter Leute bebildert werden, denen es um Krawall geht, um Zensur und um unnötige Gewalt. Wie nicht anders zu erwarten, ist diese seltsame Medienerzählung vor allem ein Geschenk des Himmels für die Rechte, die jede Gelegenheit nutzt um auf die „Gefahr von links“ hinzuweisen, die mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf den „Linksextremismus“ zu lenken und von ihren eigenen Taten abzulenken.

Vielen Menschen fällt es schwer zu verstehen, aus welcher Notwendigkeit heraus die Antifa entsteht. Als ein Mittel zur Selbstverteidigung, eine Ernsthaftigkeit unsere Gemeinschaften vor faschistischen Banden zu schützen und ihre Rekrutierung zu stoppen. Die Vergangenheit hat es uns immer wieder gezeigt, dass die Polizei und der Staat nichts im Kampf gegen Rechts unternimmt. Stattdessen werden rechte Strukturen unterstützt und gefördert. Immer wieder kommt es zu „Einzelfällen“ von rechtsradikalen Personen in Polizei und Militär.

Auf der einen Seite vertrauen Antifa-Aktivist:innen daher nicht den Bullen und auf der anderen Seite gibt die Antifa-Arbeit uns ein Gefühl der persönlichen Verantwortung. Du kannst herumsitzen und jammern oder du kannst deinen Arsch hochkriegen und etwas dagegen tun. Wenn rechte Netzwerke und Verbindungen aufgedeckt werden und ganze Stadtteile sicher vor Nazi-Angriffen sind, ist das meist ein direktes Ergebnis jahrelanger, ernsthafter Arbeit von Antifaschist:innen und örtlichen Antifa-Gruppen.

Die vier wesentlichen Punkte der Tätigkeit von Antifa-Gruppen sind:

1) Unsere Räume zu beschützen
2) Mitglieder rechter Netzwerke genau zu entlarven
3) Ihre Organisation zu stören
4) Die Selbstverteidigung, notfalls mit Gewalt

Der erste Punkt ist simpel. Nazis lieben es, an Orten einzudringen, an denen sie nicht willkommen sind, und um zu versuchen Leute zu rekrutieren. Sie sind schlicht und einfach Parasiten. Die nachfolgenden Punkte verstehen sich als Notwendigkeit um diesen Punkt zu gewährleisten.

Der zweite Teil ist bereits deutlich komplizierter und erfordert investigatitiven Journalismus antifaschistischer Gruppen, um ihre sozialen Netzwerke zu kartografieren, ihre Kreise zu infiltrieren, alles zu dokumentieren, was möglich ist, und alles zu lesen, was sie schreiben. Es ist eine anstrengende Arbeit, aber einige Leute sind wirklich gut darin. Weltweit gibt es einige Aktivist:innen, die Undercover-Arbeit leisten – eine extreme Tätigkeit, die schnell gefährlich werden kann, doch sie liefert auch gute Ergebnisse.
Antifa-Gruppen bauen interne Datenbanken über faschistische, rassistische und antifeministische Bewegungen und Netzwerke auf. Und wenn die Zeit reif ist, veröffentlichen sie detaillierte und gut recherchierte Berichte für die Öffentlichkeit. Es ist eine ethische oder persönliche Berufung für die meisten Antifaschist:innen, besonders nachdem sie gesehen haben, wie die Polizei sich oft weigert, gegen organisierte Rechtsradikale, die unsere Gemeinschaften angreifen und in sie eindringen, zu ermitteln oder sie strafrechtlich zu verfolgen. Genauso wie der Staat niemals jemanden bei ThyssenKrupp vor Gericht bringen würde, würde der Staat niemals ernsthaft die rechte Bedrohung stoppen – wir müssen das für uns selbst tun.

Die dritte Sache, die Antifa-Aktivist:innen tun, ist die Störung faschistischer Organisierungsarbeit. Wenn Rechtsradikale Demos, Treffen oder Musikfestivals veranstalten, sind das, was sie wirklich tun, nicht nur friedliche Kundgebungen und Festivals – nein, sie nutzen solche Veranstaltungen, um zu organisieren und zu rekrutieren. In einer solchen Situation könnte eine lokale Antifa-Gruppe die Besitzer:innen des Veranstaltungsortes informieren, die Unterstützung der Gemeinschaft sammeln, die Teilnehmer:innen dokumentieren, sie mit Sprechchören übertonen, und in geschlossenen Räumen Feueralarm auslösen oder Rauchbomben werfen – alles was möglich ist, um ihre Organisation zu stoppen oder zu stören.

Die vierte Sache ist der umstrittenste Punkt: wir schlagen zurück.
Wenn Nazis dich und deine Freund:innen bedrohen, sich gegen Minderheiten verbünden, wann immer sie die Möglichkeit haben sich zu vernetzen, wäre es ein Fehler herumzusitzen und darauf zu warten, dass sie angreifen. Du kannst dich nicht isolieren und nur auf einzelne Gewaltakte reagieren, sobald sie geschehen. Und um es klar zu sagen: Rechtsradikale sind überwältigend gewalttätig und schrecken nicht einfach von selbst zurück. Wenn Nazis von ganzen Stadtteilen vertrieben werden und rechtsradikale Organisationen als nicht besonders besorgniserregend oder relevant abgetan werden, dann ist das der Arbeit antifaschistischer Gruppen zu verdanken.

Trotz der medialen Versuche fleißig Hufeisen zu werfen sind die Rechtsradikalen überwältigend verantwortlich für den Löwenanteil der Gewalt, während linksradikale Gewalt sich darin widerspiegelt Nazis zu stoppen oder bei der „Gewalt gegen Gegenstände“. Seit 1990 wurden zudem in Deutschland 208 Menschen Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt, wovon der Staat allerdings nur 85 Fälle offiziell anerkennt. Die Todesopfer linker Gewalt liegen bei 0.

Die Antifa ist ein Netzwerk loser Gruppen, die sich von der Basis aus bilden und operieren, und die tatsächliche Gewalt bekämpfen. Sie erkennen an, dass der Staat die Gewalt nicht stoppt und ein Motor des Mordens ist, und sie haben tendenziell eine bessere und genauere Berichterstattung als die meisten Medien.

Es ist ermüdend, dass sich viele Menschen so sehr auf die Erzählungen des Staates und der Medien konzentrieren, dass sie vergessen, welche Gefahr rechtsradikale Organisationen immer noch darstellen. Die Demagog:innen auf der rechten Seite wollen die Antifa als eine größere gewalttätige Bedrohung darstellen als die Faschist:innen, gleichzeitig wollen sie aber auch die Antifa als schwache Hipster-Aktivist:innen, die noch zuhause bei Mutti wohnen, darstellen.

In Wirklichkeit sind Antifa-Aktivist:innen mutige Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher politischer Vorstellungen, die vielleicht manchmal falsch liegen und manchmal Fehler machen, doch ihre Tätigkeit ist eine Notwendigkeit. Gestern. Heute. Morgen. Immer.

Danke, Antifa!

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