Kolektiva: anarchistisches Videohosting und Mastodon-Instanz

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Seit Juli 2020 gibt es mit Kolektiva.media eine Hosting-Möglichkeit für anarchistische, antiautoritäre und antikoloniale Videos, mit der entsprechenden Kollektiven und Videomacher*innen – vor dem Hintergrund offener (und algorithmischer) Zensur auf kapitalistischen Plattformen wie YouTube und Vimeo – eine selbstverwaltete Alternative zur Verfügung steht. In Libertären Podcast (Juni-Rückblick) hatte das Anarchistische Radio Berlin dieses Interview bereits veröffentlicht. Nun ist es auch als Einzel-Audio verfügbar, auch weil Kolektiva einen Schritt weitergegangen ist. Mit Kolektiva.social steht interessierten Nutzer*innen jetzt auch eine anarchistisch betriebene Mastodon-Instanz zur Verfügung, um auch in diesem Bereich der sozialen Medien Alternativen, etwa zu Twitter, zu schaffen.


Nachfolgend die Transkription des Interviews, welche uns A-Radio Berlin freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. Folgt ihnen doch auch auf Mastodon und Twitter.


A-Radio Berlin: Wir sind hier mit Genoss*innen von zwei Videokollektiven, SubMedia und Antimidia. Wir werden gleich über ein neues gemeinsames Projekt dieser beiden Kollektive sprechen, aber beginnen möchten wir erstmal mit einer Einführung und einigen anderen Fragen. Woher stammen eure Videokollektive und was machen sie?

Antimidia: Antimidia entstand im Süden Brasiliens, auch mit Unterstützung von Menschen in Zentralbrasilien und aus anderen Gebieten. Aber wir sind ein sehr kleines Kollektiv. Ich selbst mache den größten Teil desSchnitts und schreibe auch einige Skripte, andere Leute arbeiten beim Schreiben mit, machen die Voice-Overs, und so arbeiten wir seit 2018 – ja.

Welche Art Videos macht ihr?

Antimidia: Wir begannen mit einigen Videoaufnahmen von Aktionen. Wir hatten das Bedürfnis, unsere eigene Geschichte, unsere eigenen Geschichten aufzuzeichnen. Und dann sind wir dazu übergegangen, auch Videos über unsere Ideen zu machen und unsere Ideen, unsere Perspektiven im Internet zu teilen. Weil wir fühlten, dass es in Brasilien eine große Lücke in den unabhängigen Medien gab.

SubMedia: Also, mein Name ist Heatscore, ich bin Mitglied von SubMedia. Wir sind ein anarchistisches Videokollektiv mit Sitz in zwei Städten, in Montreal und Hamilton in den kolonialen besetzten Gebieten der Haudenosaunee, Anishinaabeund neutralen indigenen Völkern sowieder Mississauga. In Gebieten, die vom kanadischen Staat regiert werden, die wir aber als besetzte Gebiete betrachten. Technisch gesehen gibt es uns seit 1994. Wir starteten als Videoprojektionskollektiv – eine Person, die nicht mehr zum Kollektiv gehört, begann damit –mit einem Projekt, das sich Subversive Media nannte. Seit Anfang der 2000er Jahre machen wir anarchistische Videos. Ich persönlich arbeite seit 2014 an dem Projekt, ich bin also seit etwa 6 Jahren dabei. Während dieser Zeit haben wir eine Vielzahl von Shows herausgebracht. Unserewohlbekannteste war eine Show mitdemTitel “It’s the end of the world as we know it – and I feel fine”. Daran schlossen wir eine weitere Nachrichtensendung mit dem Titel “The fuckingnews” an. Außerdem hatten wir drei Jahre lang eine Dokumentarserie mit dem Titel „Trouble“. Und wir haben gerade eine neue Serie mit dem Titel „System Fail“ begonnen, die auch so eine Art Nachrichtensendung ist, aber wir hoffen, dass es eine Art zweiwöchentlicher Satire-Nachrichtensendung aus anarchistischer Perspektive wird.

Auf einer gewissen Ebene sind Kapitalismus und Staat überall gleich, aber in der Praxis können die Details natürlich sehr unterschiedlich sein. Wie sind die Erfahrungen mit der Videoarbeit in euren jeweiligen Regionen, sei es in Bezug auf Möglichkeiten, aber auch auf Repression?

Antimidia: Wir lassen alles auf einer sehr billigen Hardware laufen, um unsere Videos zu bearbeiten. Wir verwenden auch freie Software wie Kdenlive. Nicht nur, weil sie kostenlos ist, sondern auch wegen der Ideale, die hinter freier und quelloffener Software stehen. Wir haben also keine großen Kosten damit, daher bitten wir auch lieber nicht um Geld, denn hier in Brasilien – besonders in dieser Zeit –wir stecken mitten in einer großen Krise – sind die Leute sehr knapp bei Kasse. Wir ziehen es also vor, dieses Geld den Menschen zu überlassen, damit sie andere Initiativen finanzieren können, die vielleicht bedürftiger sind als wir, da wir uns in gewisser Weise in einer privilegierten Position befinden.

Bis jetzt haben wir noch keine Probleme mit der Repression, aber die Dinge werden von Tag zu Tag hässlicher. Und wir achten auch darauf, ein gewisses Maß an Anonymität zu wahren, um unsere Identität zu schützen.

SubMedia: Ja, ich würde sagen, ich meine… In Kanada, unsere besondere Sorte Staat und Kapitalismus. Wie bereits gesagt, operieren wir in einem Kolonialstaat, also konzentrieren wir uns sehr auf den antikolonialen Widerstand in diesem Land. Wir haben mehr Überwachung als offene Repression erlebt. Wir wissen, dass unser Name mehrmals in internen Dokumenten erwähnt wurde, die auch in der jüngsten Wiki-Leaks-Veröffentlichung enthalten waren. Das war ein Leak zu allen möglichen internen Polizeidokumenten der USA. Und dort waren wir erwähnt als Beispiel für kanadische Aktivistengruppen, die von der US-Regierung überwacht wurden. Aber nochmals: Wir haben keine Razzien oder Ähnliches erlebt.

Was unser tägliches Leben betrifft, so benutzen wir einfach kommerziell erhältliche Software, die ziemlich billig ist. Auch unsere Verwaltungskosten sind ziemlich gering. Unser Kollektiv besteht aus vier Personen, einer Person, die in Vollzeit daran arbeitet und drei Menschen, die in Teilzeit mitarbeiten. Wir teilen uns sozusagen verschiedene Aufgaben in Bezug auf die Verwaltung und die Redaktion. Wir sammeln über unsere Website Spenden, mit denen wir unsere Arbeit finanzieren können, so dass wir in der Lage sind, so viel Zeit für die Videoproduktion aufzuwenden, wie wir es tun. Außerdem verkaufen wir auf unserer Website auch Merchandise-Artikel.

Ok, und um mit einer anderen Frage fortzufahren, aber zum gleichen Thema: Aus der deutschen Erfahrung weiß ich, dass Videoaufnahmen der eigenen Bewegung oft auf Aggressionen der eigenen Genoss*innen stoßen.Welche Erfahrungen habt ihr in euren eigenen Regionen?

Antimidia: Ich hatte damit keine Probleme oder Schwierigkeiten. Jedes Mal, wenn wir einen Protest aufnehmen, versuche ich, mit einer Bezugsgruppe zusammen zu sein, die mir den Rücken freihalten würde. Ich hatte nie irgendwelche Probleme damit.

SubMedia: Ja, ich glaube, dass wir uns im Laufe der Jahre zumindest in den Städten, in denen SubMedia tätig ist, einen gewissen Ruf erarbeitet haben. Man vertraut uns. Wenn wir eine Aktion filmen, versuchen wir normalerweise unsere Anwesenheit anzukündigen. Wenn ich es persönlich tue, folge ich einfach Praxen, die sicherstellen, dass wir nichts aufnehmen, was später dazu benutzt werden könnte, jemanden strafrechtlich zu verfolgen. Und wenn wir dann doch mit solchem Filmmaterial arbeiten, dann müssen wir es durchgehen und sicherstellen, dass die Identitäten der Menschen geschützt werden und so weiter. Und das ist einfach etwas, das wir irgendwie als etwas sehen, das mit der Position und der Rolle einhergeht. Wir verwenden auch eine ganze Reihe von Filmmaterial, das bereits kostenlos online verfügbar ist. In diesem Fall ist es von Fall zu Fall zu entscheiden, ob wir tatsächlich den zusätzlichen Aufwand betreiben, die Gesichter der Leute zu verwischen oder so etwas.

Ja, danke Euch. Das führt schon zu meiner nächsten Frage, darüber, was zu dokumentieren ist oder was gefilmt wird. Der auf Video aufgenommene Mord an George Floyd in den USA ist nur einer der jüngsten Fälle. Viele andere Videos, die die Brutalität der Polizei dokumentieren, beleuchten eine gewisse Wirkung des Filmens bei Straßenaktionen. Wenn man dies berücksichtigt, aber vielleicht auch andere Aspekte, welche Bedeutung hat das Videofilmen für euch im Moment, politisch gesehen?

Antimidia: Die Bedeutung der Videoproduktion heutzutage, wouh! Gerade in dieser Zeit der Isolation, der sozialen Distanzierung, halte ich es für sehr wichtig, die Menschen wissen zu lassen, dass wir Widerstand leisten, dass wir noch immer kämpfen. Und wir versuchen, auch die guten Dinge zu zeigen, die gerade jetzt geschehen. Wir haben zwei Kurzfilme über gegenseitige Hilfe in Zeiten von Covid-19 gedreht – um zu zeigen, was die Menschen zur gegenseitigen Unterstützung tun. Wir haben auch ein Video über Hoffnung gedreht, mit dem Titel „The Defense of Hope“. Es basiert auf einem Text von Margret Killjoy. Das ist eine gute Möglichkeit, die Stimmung aufrechtzuerhalten, weiter zu kämpfen und Widerstand zu leisten. Ein weiteres Video mit dem Titel „Covid-1984“ haben wir ebenfalls gedreht, um die Situation aus unserer Perspektive zu betrachten und Isolation in Betracht zu ziehen, um uns vor Covid19 zu schützen, aber auch, um nicht nur zu Hause zu bleiben und zu vergessen, was draußen geschieht, also vielleicht hinauszugehen und zu kämpfen, wenn es der Moment erfordert. Das geschah in den Vereinigten Staaten, und auch hier in Brasilien anlässlich faschistischer Bewegungen und dem täglich wachsenden Autoritarismus. Wir wollten den Menschen sagen, dass wir lebendig bleiben und überleben müssen, aber das reicht nicht. Wir müssen weiterkämpfen, weiter Widerstand leisten, weitermachen.

Im Vorgespräch erwähntest du auch das Thema „fake news“ und vielleicht eine gewisse Rolle, die sie bei der Videoherstellung spielen. Kannst du das näher erläutern?

Antimidia: Ja, klar, in den letzten Jahren sind die Menschen sehr unsicher, welchen Informationen sie vertrauen können. Weil alle ihre Informationen aus dem Internet beziehen, alle die Nachrichten im Internet verfolgen und viele Menschen nicht wissen, welchen Informationen sie vertrauen können. Es gibt eine Art Kampf zwischen den Medienunternehmen, die die Legitimität des Journalismus erhalten wollen, und – vor allem hier in Brasilien – den neuen faschistischen Bewegungen, die den Medienunternehmen diese Legitimität entreißen wollen. Wir hatten das Gefühl, dass auch wir in diesem Streit unsere Haltung äußern müssen. Um unsere Perspektiven aufzuzeigen.

SubMedia: Ich glaube, es gibt seit einiger Zeit einen Mangel an Videoproduktionen in der anarchistischen Medienproduktion, und neuerdings erleben wir eine Explosion vor allem bei anarchistischen Podcasts und viel anarchistischem Radio und anarchistischen Printmedien. Es besteht nach wie vor Bedarf an mehr anarchistischem Filmschaffen. Ich denke, dass Video eine sehr wichtige Art und Weise ist, wie Menschen Informationen kommunizieren, insbesondere in dieser von sozialen Medien getriebenen Medienlandschaft, in der wir uns jetzt bewegen. Leider erhalten viele Menschen ihre Nachrichten und Informationen und kleinen Video-Häppchen über Instagram oder Twitter. Das ist kein ideales Medium. Für mich ist es nicht wirklich das Medium für anarchistische Analysen, das ich am meisten schätze, aber es ist wichtig, dorthin zu gehen, wo die Leute sind, und die anarchistische Botschaft zu verbreiten und sicherzustellen, dass man tatsächlich so mit den Leuten spricht, dass sie einen hören, richtig? Ich denke, aus diesem Grund ist anarchistisches Video sehr wichtig, es ist etwas, das wir sehr ernst nehmen, und ich denke, wir werden noch ein bisschen mehr über Kolektiva sprechen, mit dieser Art Projekt hoffen wir, dass wir die Zahl der beteiligten Leute explizit erhöhen oder zumindest die Bemühungen derjenigen von uns, die bereits am anarchistischen Video arbeiten, besser koordinieren können.

Ja, dazu kommen wir gleich. Ich habe mitbekommen, dass ein Problem, das Videokollektive haben, im Moment das Videohosting ist. Welche Herausforderungen umfasst dieses Thema?

Antimidia: Als wir mit Antimidia anfingen, wollten wir nicht einmal ein Youtube-Konto haben, weil so viele Inhalte auf Youtube zensiert werden, also als Geiseln der großen Plattform-Riesengehalten werden. Entweder das oder man muss für eine Plattform wie Vimeo bezahlen. Als wir angefangen haben, waren wir auf PeerTube, wir haben ein Konto auf einer Instanz erstellt, aber dann ging diese Instanz offline, und wir haben alles verloren. Wir hatten es schwer, andere Instanzen zu finden. Dann gingen wir zu einer anderen, und merkten, dass es dort rechtsradikale Inhalte gab, auch Inhalte von weißen Rassist*innen, und wir wollten keine Instanzen unterstützen, die diesen Hatespeech-Leuten und Fanatiker*innen eine Plattform bieten. Als wir dort zusammen mit Hassreden und weißem Rassisten-Zeug waren, wollten wir aus dieser Situation raus, und wir verloren Speicher auf unserem kostenlosen Vimeo-Account, daher versuchten wir, unsere eigene PeerTube-Instanz einzurichten, um diese Probleme zu vermeiden und auch, damit wir anderen Kollektiven, anderen Anarchist*innen, etwas Raum geben könnten. Und da kam die Idee für Kolektiva auf. Wir sprachen mit den Leuten von SubMedia, und sie waren offen dafür, sie waren von der Idee begeistert, und so kamen wir hierher.

SubMedia: Ich denke, ich möchte hier nur hinzufügen, dass wir generell versucht haben, die Strategie zu verfolgen, dass unsere Videos an mehreren Standorten gehostet werden, wegen der Redundanz. Wir glauben, dass wir vor allem deswegen oft in Konflikte geraten, weil wir viel Tonmaterial oder anderes verwenden, das wir anderen Teilen des Internets entnehmen und dies als Urheberrechtsverletzung behandelt wird, insbesondere auf Youtube und Facebook. Facebook und Google verfolgen ein striktes Interesse, ihre Inhalte finanziell auszubeuten. Und so werden einige unserer Inhalte unter dem Vorwand der Urheberrechtsverletzung verboten. Wir benutzen archive.org, um alles zu sichern, ich würde sagen, dass dies eine ziemlich zuverlässige Ressource ist. Und dann haben wir auch noch unseren eigenen sicheren Server, auf dem wir Kopien von allem gesichert haben. Außerdem benutzen wir auch verschiedene Social-Media-Plattformen von Unternehmen wie Facebook, Youtube, Vimeo. Unser Ansatz ist: Je mehr, desto besser. Dann kannst du, wenn an einem Ort etwas blockiert wird, die Leute an einen anderen Ort umleiten.

Okay, super. Dann lasst uns über euer neues Projekt sprechen. Wie heißt es und welche Angebote erhofft ihr euch davon für die Bewegung?

Antimidia: Dieses Projekt heißt Kolektiva. Es ist eine Videohosting-Alternative, die von Anarchist*innen für Anarchist*innen gemacht wurde. Wir hoffen, dass wir damit nicht nur anarchistischen und antikolonialen Kollektiven eine Videohosting-Alternative bieten können, sondern diese Gruppen auch zusammenbringen können. Vielleicht, um mehr zu interagieren und die Inhalte in mehreren Sprachen zur Verfügung zu stellen, einen Austausch und Kooperation zwischen diesen Gruppen und Einzelpersonen zu schaffen.

SubMedia: Ja, und noch eine Sache: Bei einer der Video-Serien, die wir herausgebracht haben, mit dem Titel „A isfor Anarchy“, ist uns aufgefallen, dass diese gerne in eine Reihe verschiedener Sprachen übersetzt werden. Und wir haben immer festgestellt, dass es cool anzusehen ist, wie die Leute einfach loslegen und unser Video in verschiedene Sprachen übersetzen. Und wir wollten… Als uns diese Idee von den Genossen von Antimidia vorgeschlagen wurde, war das wie ein großer Wurf, das war die Idee, zu versuchen, einige dieser sprachlichen Grenzen aufzubrechen und den Inhalt mehr Menschen zugänglich zu machen. In Mexiko passiert beispielsweise viel, es gibt Videoproduktionen über die Kämpfe dort und im Süden des Landes. Und es wäre großartig, wenn das dem Publikum in den USA zugänglicher wäre. Es gibt vieles, was in verschiedenen Ländern Europas geschieht, das die Menschen in Nordamerika nicht mitbekommen. Es gibt überall auf der Welt Kämpfe. Es hat in der Vergangenheit tolle Projekte gegeben, also eine Geschichte des Internationalismus, die versucht, diese Grenzen niederzureißen. Das Tahrir-ICN-Projekt ist ein wirklich großartiges Beispiel aus der letzten Zeit, das die Dokumentation einer Reihe von Kämpfen, die im Nahen Osten stattfanden, übersetzte und diese anderen Empfänger*innen nahebrachte, die sich dieser Kämpfe nicht bewusst waren. Das ist im Grunde das, was wir mit Kolektiva erreichen wollen – eine Plattform zu schaffen, auf der anarchistische Kollektive aus der ganzen Welt ihre Inhalte hochladen können und dann auch eine Art eingebettetes Netzwerk oder eine Kultur der Übersetzung dieser Videos in verschiedene Sprachen entwickeln, so dass wir hoffentlich damit beginnen können, eine aktive materielle Zusammenarbeit zwischen Kollektiven in verschiedenen Ländern aufzubauen. Das ist es, was wir sehen wollen.

Dieses Projekt beginnt jetzt gerade. Wo finden Leute mehr Informationen über Kolektiva oder auch über eure jeweiligen Kollektive? Wie können sie mit euch in Kontakt treten?

SubMedia: Kolektiva ist jetzt online. Ihr könnt zu Kolektiva.media gehen, alle können dort Videos anschauen. Wenn ihr Inhalte einreichen möchtet, schickt uns einfach eine E-Mail an kolektivamedia@riseup.net, dann können wir ein Profil für euch einrichten, ein Konto. Wir sind nicht für alle Personen offen, die sich beteiligen möchten, denn wir wollen Überflutung und Trolle vermeiden. Für alle Anarchist*innen, die anarchistische oder antikoloniale Medien produzieren, sind wir gerne bereit, die Inhalte dort zu hosten. Ihr könnt euch auch bei uns melden, wenn ihr selbst keine Video- oder Medieninhalte produziert, aber bei Übersetzungen helfen wollt. Auch dafür sind wir gerne bereit, euch ein Konto einzurichten.

Was SubMedia betrifft, findet ihr unser Material auf unserer Webseite sub.media, und wir sind auf allen gängigen Social-Media-Plattformen vertreten, ihr könnt uns dort einfach über die Suche nach SubMedia finden.

Antimidia: Und über Antimidia könnt ihr euch auf unserer Website informieren. Das ist antimidia.noblogs.org. Wir sind natürlich auch auf Mastodon und Kolektiva.media, und wir haben auch einen Twitter-Account, falls ihr uns dort folgen wollt.

Also, in Anbetracht dessen, was ihr vorhin gesagt habt, scheinen wir mehr solcher Videokollektive zu brauchen. Eigentlich spielt es keine Rolle, ob wir sie Antimidia, SubMedia oder einfach Gegenmedien nennen. Könnt ihr Leuten einen Rat für die Gründung und das Aufrechterhalten eines eigenen anarchistischen Videokollektivs geben?

SubMedia: Na klar. Ich würde mal sagen, der erste Schritt besteht darin, sich mit der Software vertraut zu machen, die ihr verwenden wollt. Es gibt gute Open-Source-Optionen wie Blender. Das ist ein gutes Programm, wenn ihr euch für Open-Source-Optionen interessiert. Die Adobe Premiere Suite ist sehr, sehr gut, hat alles, was ihr braucht, ihr könnt sie überall finden. Und verbringt einfach Zeit damit, das Handwerk zu erlernen, das ist meiner Meinung nach die Hauptsache. Im Moment ist die Tendenz, verschiedene handy-basierte Videoplattformen wie TikTok zu nutzen, wo die Leute nur ziemlich halbherzige Videos machen, die bloß aus verschiedenen Bildern mit etwas Text bestehen. Ich meine, das ist besser als nichts, aber wisst ihr… wenn ihr interessiert seid, nehmt ihr euch die Zeit, zu lernen, wie man es gut macht – das wäre mein Rat. Es gibt definitiv Unmengen von Tutorials online. Ihr könnt es euch selbst beibringen. Wir versuchen auch, mit Leuten zu arbeiten. Wenn sie interessiert sind, können sie sich an uns wenden und wir versuchen Tipps anzubieten. Und wenn sie daran interessiert sind, kleine Clips zu veröffentlichen, die wir Ninja-Videoberichte nennen, versuchenwir, mit jenen Leuten zusammenzuarbeiten. Aber ja, zuallererst müsst ihr eure Fähigkeiten ausbauen und dann versuchen, euer Publikum aufzubauen. Das wäre mein wichtigster Vorschlag, mein Ratschlag für Interessierte.

Antimidia: Den größten Unterschied macht es für mich, keine Angst davor zu haben, um Hilfe zu bitten. Wenn ihr eure Skripte schreibt, zeigt sie euren Genoss*innen. Wir machen bessere Inhalte, wenn wir sie mit der Gruppe oder ein paar Freund*innen oder anderen Leuten diskutieren. Als Gruppe sind auch wir offen, allen zu helfen, die daran interessiert sind, ein Videokollektiv zu gründen. Wenn ihr Hilfe bei der Bearbeitung oder dem Ablauf benötigt, könnt ihr mit uns sprechen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr uns an antimidia@riseup.net schreiben. Das wärs.

Perfekt. Ich bin sicher, dass viele potenzielle Gruppen diese E-Mails bereits schreiben. Wir haben über Verschiedenes gesprochen, möchtet ihr etwas ergänzen, worüber wir noch nicht gesprochen haben?

SubMedia: Ich glaube, ich würde einfach … was ich noch sagen würde, ist:Wenn es Anarchist*innen gibt, die lernen wollen, wie man Filme macht, aber auch Filmemacher*innen, die das Gefühl haben, sie müssen ihre radikale Politik verbergen, um besser anzukommen, dann würde ich also den Anarchist*innen oder Antikapitalist*innen, die am Ende in diese liberale Seriositätsfalle laufen, nur weil sie ein größeres Publikum erreichen wollen, empfehlen, dass sie das gut überdenken sollten. Denn ihr könnt euren Genoss*innen einen Dienst erweisen, und ihr könnt… wir brauchen euch schlicht und einfach. Leute, die das als Karriere betrachten, sollten allermindestens versuchen, einen Teil ihrer Zeit für die Bewegung aufzubringen, ihr Zeit dafür einzusetzen oder einen Weg zu finden, wie sie es tatsächlich hauptberuflich und nachhaltig tun können. Man muss das nicht unbedingt tun, aber es ist möglich, wenn man daran arbeitet.

Antimidia: Ich möchte noch sagen, dass die Menschen, zumindest hier in Brasilien, oft denken, was sie tun, sei nicht wichtig genug oder nicht relevant, aber das ist es doch. Ja! Alles, jede Art des Widerstandes, was ihr tut, ist wichtig und relevant. Und ich denke, es ist auch wichtig, dies zu wahrzunehmen, es festzuhalten, unsere Geschichten mit unseren eigenen Worten zu erzählen. Ob per Video, Text oder Audio, ich glaube, es ist wichtig, dass wir festhalten, was wir tun, und den Menschen unsere Geschichte erzählen. Also lasst es uns tun!

Perfekt. Ich nehme das als Schlusswort.Leute, schließt euch an!

SubMedia: Toll, danke für eure Einladung!

Antimidia: Danke!

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