Belarus: Wie geht es mit der Streikbewegung weiter?

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Via Pramen: In den ersten Tagen nach den Wahlen waren alle beeindruckt von den Streiks in vielen großen Unternehmen. Die Arbeiter:innen hörten auf, aus Solidarität mit den Demonstrierenden und Gefangenen zu arbeiten. Der Staatsterror brachte Tausende von Arbeiter:innen auf die Straßen der Städte im ganzen Land. Eine so große Arbeiterbewegung hat das Land in den letzten 100 Jahren nicht gekannt.

Seitdem ist fast ein Monat vergangen, und die Geschäfte haben wieder angefangen zu arbeiten. Viele Fabriken entließen aktive Demonstrierende, während andere durch Probleme am Arbeitsplatz eingeschüchtert waren. Einige Aktivist:innen der Streikbewegung wurden für 24 Stunden hinausgeschickt.

Aber Aufrufe zu einem Generalstreik sind weiterhin in sozialen Netzwerken und auf den Straßen der Stadt zu hören. Es besteht kein Zweifel, dass ein entschiedeneres Handeln erforderlich ist, um die Diktatur zu zerstören. Nicht nur Fabrikarbeiter:innen, sondern auch Menschen, die in privaten Unternehmen arbeiten, sollten sich dem Streik anschließen. Die streikenden Firmen sollten morgens zu großen staatlichen Unternehmen gehen und sich gegen die Strafverfolgungsbehörden und die Verwaltung wehren, die versucht, die Arbeiterklasse an die Maschinen zu treiben.

Wenn wir einen Generalstreik wollen, müssen alle streiken. Die Wirtschaft des Landes muss vollständig zum Stillstand kommen. Die Solidarität muss auf die Arbeiter:innen im öffentlichen und privaten Sektor ausgedehnt werden!

Streiks müssen mindestens eine Woche dauern. Am 1. September sahen wir, dass Student:innen, Schüler:innen und einige Unternehmen bereit sind, in den Streik zu treten. Wir werden mit einer Woche Generalstreik beginnen, die mit Sonntagsdemonstrationen und Kundgebungen im ganzen Land enden wird!

Wir werden diese Woche nutzen, um uns zu organisieren – gründet eure eigenen Fabrikgewerkschaften (ohne Registrierung und andere bürokratische Hürden)! Bilde in Telegram mit deinen Kolleg:innen geschlossene Gruppen und bespreche die nächsten Schritte. Wenn du Hilfe brauchst, schreib darüber und du wirst immer Hilfe bekommen!

Wir werden diese Woche für aktiven Widerstand nutzen – diejenigen, die streiken, können städtische und internationale Straßen blockieren. Auf diese Weise können wir auch den Teil der Wirtschaft verlassen, der nicht bereit ist, Risiken einzugehen und uns der Protestbewegung anschließen.

Wir werden diese Woche für Solidarität nutzen. Arbeiter:innen, Student:innen, Lehrer:innen, Rentner:innen und viele andere werden wieder einmal zeigen, dass die Menschen in Belarus nicht darauf warten werden, dass Lukaschenko sich entschließt, auf eigene Faust zu gehen. Wir werden ihn aus unserem Land vertreiben!

Streik, Belarus!

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3 Gedanken zu „Belarus: Wie geht es mit der Streikbewegung weiter?

  • 4. September 2020 um 11:04
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    Ich finde es ironisch wenn eine grundsätzlich sozialistisch ausgerichtete Regierung mit Unterstützung einer Symbolik, die auch die Nazis verwendet haben (weiss-rote-weiss Fahnen), gestürzt werden soll.

    Das in Weissrussland sicher nicht das Paradies herrscht ist klar, aber in Anbetracht der Weltlage und der aggressiven Politik des Westens, dürfte jede Politik, die nicht den Ausverkauf der Staatsgüter und der Privatsieriung huldigt, in Bedrängnis geraten.

    Letztlich sollte bei linker Politik die Frage, wie es der Mehrheit und vor allem der einfachen Bevölkerung geht, im Vordergrund stehen. Und da sieht es für die Menschen in Weissrussland besser aus als in der „befreiten“ Ukraine.

    Daher finde ich es merkwürdig wenn sich Linke zum Steigbügelhalter für Neoliberale Umstürze machen. Der Fehler wurde am Maidan auch schon gemacht.

    Antwort
    • 4. September 2020 um 14:19
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      Inwiefern die Regierung in Belarus sozialistisch ausgerichtet ist müsstest du an dieser Stelle nochmal erklären. Wir verweisen hierzu auf unsere anderen Artikel, in welchem aufgezeigt wird, dass Lukaschenko nichts als eine Marionette ist und er nur die Wahl zwischen der Marionette von Russland und der Marionette des Westens hat. Und in den letzten Jahren hat er sich immer weiter dem Westen angenähert.

      Antwort
      • 7. September 2020 um 15:51
        Permalink

        Naja, im gegensatz zu den Neoliberalen Reformen, die die Gegenkandidatin fordert, kann man die bisherige Wirtschaftspolitik unter ihm als Sozialistisch bezeichnen.

        Da geht es um Privatisierungen oder um das Gesundheits und Rentensystem. Das er Aussenpolitisch nicht viel Spielraum hat (wie auch jede andere Regierung in Minsk) ist klar. Seine Wirtschaftpolitik die u.a. eine Öffnung für moderne Technologie beinhaltete aber kein Verkauf von Staatsbetrieben, Landwirtschaft und Industriebetriebe sind im Besitz des Staates, was für mich das Zeichen einer Sozialistischen Wirtschaftspolitik ist.

        Das genau dieser Weg dem Westen immer ein Dorn im Auge war ist auch klar, aber warum sollte man die Unterstützen, die einen Verkauf von Volkseigentum als erstrebenswert halten?
        Ist der Preis einer recht abstrakten Freiheit (in Weissrussland ist man per se nicht eingesperrt) die Armut?

        Oder andere gefragt, welche Regierung hätte den in Weissrussland mehr Potential nicht zwischen Russland und dem Westen eine „Marionette“ zu sein?
        Zichanouskaja ist ja per Eigendefinition keine Alternative, aber auch deren Umgebung würden mich als Linker nicht ansprechen. Gerade wenn man sich anschaut, was solche Leute in Russland und später in der Ukraine angerichtet haben, finde ich es erstaunlich mit diesen Leuten eine Unsicherheit zu schaffen, die für viele vor Ort eher bedrohlich und abschreckend wirkt. Oder wie gross ist in Weissrussland die Unterstützung für ein zweites Maidan?
        Welche Verbesserungen erhofft man sich von denen?

        Antwort

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