Internationale Frauen müssen gemeinsam kämpfen, um Frauenfeindlichkeit und Patriarchat zu besiegen

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Inhaltswarnung: Dieser Artikel enthält Berichte über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die manche Leser:innen als beunruhigend empfinden könnten.

Via The Canary: Im Juli wurde die revolutionäre Frauenbewegung unter kurdischer Führung in Bakur, der kurdischen Region der Türkei, erneut hart angegriffen. In einer Nacht wurden 28 Journalistinnen und politische Organisatorinnen in ihren Häusern durchsucht und ihre Smartphones, Laptops und Kameras von der Polizei beschlagnahmt. Die Frauen wurden tagelang in Polizeizellen eingesperrt.

Unter den Verhafteten war auch Jin News-Redakteurin Ayşe Güney. Jin News ist ein rein weibliches Medienunternehmen mit Sitz in Amed (Diyarbakır), das über Frauenthemen aus der Sicht der Frauen berichtet. Jin bedeutet ‚Frauen‘ in der kurdischen Sprache Kurmanji. Die Journalistinnen riskieren ständig ihre Sicherheit und ihre Freiheit, um über die Situation der Frauen in der Türkei zu berichten. Als wir die Organisation Anfang des Jahres besuchten, erfuhren wir, dass neun ihrer Journalistinnen inhaftiert sind. Und der türkische Staat ermittelte gegen jede einzelnen Journalistin ihres Personals.

The Canary sprach mit Güney nach ihrer Entlassung aus dem Polizeirevier. Sie beschrieb, was passiert war:

Am 14. Juli um 4 Uhr morgens hat die Polizei mein Haus durchsucht und mich verhaftet. Ich wurde vier Tage lang auf dem Polizeirevier festgehalten. Nach dem vierten Tag hatte ich eine Gerichtsverhandlung mit 28 Aktivistinnen. Fünf Frauen wurden in Untersuchungshaft genommen. Ich und 22 andere Frauen wurden unter der Bedingung freigelassen, dass wir zweimal im Monat auf einer Polizeistation erscheinen müssen, um Unterschriften zu leisten.

Im Juni interviewte The Canary auch die Journalistin der Jin News, Beritan Canözer. Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie vier Kommentare und einen Like in sozialen Medien gepostet hat, die anscheinend zeigen, dass sie ‚für eine [terroristische] Organisation Propaganda gemacht hat‘. Anschuldigungen im Zusammenhang mit Terrorismus werden von Großbritanniens Verbündeten, der Türkei, immer wieder missbraucht. sagte Canözer:

Als Journalistinnen – und besonders als oppositionelle Journalistinnen – werden wir ins Visier genommen, weil wir die Stimme der Frauen sind und weil wir Teil des Frauenkampfes sind.

„Die Türkei ist zu einem Friedhof für Frauen geworden“

Güney sprach über den Kampf der Frauen gegen die zunehmende Misogynie in der Türkei. Sie erklärte:

Die Türkei ist ein völlig frauenfeindliches Land geworden. Frauen wollen die Rechte zurückgewinnen, für die sie in jahrelangem Kampf gekämpft haben. Morde an Frauen, Gewalt gegen Frauen und Vergewaltigungen haben in den letzten Jahren zugenommen. Besonders in den kurdischen Provinzen ist die Vergewaltigung durch Soldaten eine staatliche Politik.

The Canary hat bereits früher berichtet, dass es in Bakur eine Reihe von Fällen gegeben hat, in denen Frauen und Mädchen von Soldaten oder der Polizei ermordet oder angegriffen wurden. Die Nachrichtenagentur Firat berichtete über Vergewaltigungen und versuchte Vergewaltigungen von Teenager-Mädchen durch „Unteroffiziere der türkischen Armee“.

Güney argumentierte, dass die regierende AKP-Regierung und ihre staatlichen Propagandamedien für die zunehmende Frauenfeindlichkeit in der Türkei verantwortlich sind. Sie sagte:

Die AKP-Regierung, die seit 18 Jahren an der Macht ist, hat die patriarchalische Mentalität mit Hilfe der Religion gestärkt. Die Worte der AKP-Minister ermutigen die Männer zur Gewaltanwendung. Das Justizsystem schützt den Mann vollständig. Im Falle von Frauenmord und Vergewaltigung erhalten die Täter keine Strafe, oder sie bekommen reduzierte Strafen.

Darüber hinaus verbreiten die Regierungsmedien Nachrichten, in denen Frauen, die getötet oder vergewaltigt wurden, als schuldig dargestellt werden, was dazu führt, dass nach Meinung der Gesellschaft die Taten der Männer reingewaschen werden. All diese Praktiken führen dazu, dass jeden Tag mehr Frauen sterben oder vergewaltigt werden. Die Türkei ist zu einem Friedhof für Frauen geworden.

Frauen werden ins Visier genommen, weil sie gegen diese staatliche Politik kämpfen.

„Frauen müssen gemeinsam kämpfen“

Trotzdem ist Güney optimistisch. Sie sagte: „Frauen werden in diesen Kämpfen nicht fallen. Sie werden mit Sicherheit gewinnen“. Sie argumentiert, dass Frauen weltweite Verbindungen miteinander knüpfen müssen und dass Solidarität unter uns der Schlüssel ist, um das Patriarchat und die Frauenfeindlichkeit zu besiegen. Sie sagte:

Ich glaube an die Macht der Frauen und dass sie überall auf der Welt vor ähnlichen Problemen stehen. Frauen müssen gemeinsam kämpfen. Deshalb muss die Solidarität mit den Frauen in der Türkei, wo die Angriffe massiv zunehmen, und besonders mit den kurdischen Frauen, stärker sein.

„Eine Verletzung eines Einzelnen ist eine Verletzung für alle“

Das Kurdistan Solidarity Network Jin, eine Gruppe von Frauen in Großbritannien, ist eine solche Bewegung, die sich als Verbündete des von den Kurd:innen geführten Frauenkampfes in der Türkei organisiert. Die Frauen sagten:

Wir, als Frauen und Verbündete, müssen zusammenstehen, um das zu tun, was die Nationalstaaten nicht tun, und dem türkischen Faschismus die Stirn bieten. Eine Verletzung eines Einzelnen ist eine Verletzung für alle, und wir als internationalistische Frauen werden nicht zusehen, wie unsere Genossinnen und Schwestern vom kapitalistischen System entführt und ermordet werden. Die Bindungen zwischen Frauen auf der ganzen Welt sind stärker als das System sich jemals vorstellen konnte, mit einer Stimme werden wir uns erheben und schreien: Jin Jiyan, Azadi! Frauen, Leben, Freiheit!

Abschließend wies Güney auf die Dringlichkeit der internationalen Solidarität hin. Sie sagte:

Jeden Tag werden wir verhaftet und getötet. Ich lade alle Frauen ein, sich solidarisch zu zeigen, damit unsere Stimmen gehört werden, und danke euch, dass ihr bei uns seid.

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