Proteste in Portland: Tag 55(?)

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Nachdem wir hier und hier bereits über die Proteste in Portland berichtet haben, folgt an dieser Stelle eine weitere Übersetzung eines Artikels von DefendPDX, welches die Ereignisse nach Tag 55(?) reflektiert.


Es ist jetzt ungefähr zwei Monate her, dass Portland sich gegen eine Invasion der Feds gewehrt hat. Die Tage scheinen ineinander zu verschwimmen; Erinnerungen an Blendgranaten an meinen Fersen sind sicher eingebettet zwischen Erinnerungen daran, wie ich ins Bett gekrochen bin oder Hot Dogs bei Riot Ribs gegessen habe. Aber egal, welcher Tag es ist – die Feds verlieren. Sie werden nicht nur durch ihre Taten gedemütigt (genug, um einen Buzzfeed-Artikel zu rechtfertigen), sondern ihre physischen Taktiken sind ein kompletter Witz im Angesicht von Müttern, die mit einer stählernen Entschlossenheit bewaffnet sind, und den Vätern mit Laubbläsern.

Kurz nach 22 Uhr machte ich mich auf den Weg vom Pioneer Square – eine Wolke der Sorge über Gerüchte, dass Bundesagent:innen Leute von der Straße schnappen, nur weil sie schwarz tragen, schwebte über meinem Kopf – als ich mich auf den Weg zum Unrechtszentrum (Justizzentrum) machte. Aus mehreren Blocks Entfernung konnte ich bereits die Kakophonie der Demonstrierenden hören.
Mehrere tausend Menschen hatten sich in den Parks und den umliegenden Gebieten gedrängt. Zelte wurden um Riot Ribs herum aufgestellt – es ist fast eine Kommune, wenn auch eine mit täglichen Angriffen einer feindlichen Armee. Die Lampen in den meisten Parks sind kaputt, also navigierte ich um die Zelte und Menschenansammlungen herum, indem ich das bisschen Licht benutzte, das durch die Blätter oder die Stirnlampen anderer Leute schien.

Näher am Zaun leuchteten die Demonstrierenden mit Stroboskopen und Lasern in die neuen Schießscharten, die die Bundespolizei gebaut hatte. Sie waren den alten sehr ähnlich, aber höher platziert, damit die Bundesagent:innen einen besseren Blickwinkel hatten, um auf die Menschen in Portland zu schießen.

Kurz vor 23 Uhr war die Polizei nur noch minimal präsent, nur ein SUV (später erfuhr ich, dass dies das Fahrzeug des Supervisors war) auf der Jefferson und der 3rd wurde von einer Mauer von Müttern blockiert. Ein Feuerwerk berieselte die Luft in einiger Entfernung.

Als der Tag in seine letzte Stunde schwand, schwebte ein kleiner Gegenstand in einem anmutigen Bogen durch die Luft und fiel auf die Fed-Seite des Zauns. Die Türen öffneten sich und enthüllten mehrere Personen, die gekleidet waren, um buchstäblich zu töten, und die im Eingang standen, Gewehre zielend, und verzweifelt nach dem Alpha-Raubtier suchten, der das Objekt geworfen hatte. DJ LRAD versuchte, eine Ankündigung zu machen, wurde aber sofort vom Gebrüll der Menge übertönt.

Dann begann ein Unentschieden, das etwa eine Stunde und fünfzehn Minuten dauerte. Auf beiden Seiten des Zauns explodierte ein Feuerwerk, Müll wurde über den Zaun geworfen und in Brand gesteckt, und Stroboskoplichter wurden benutzt. Menschen mit Schilden strömten durch die Krone, erstarrten an der vordersten Linie, hielten Schilde aus verschiedenen Materialien gegen den Zaun hoch und verhinderten, dass der Agent auf die Demonstrierenden schießen konnte. Eine Besatzung von Leuten mit Laubbläsern folgte dicht am Ende des Schildblocks. Ich zog mich in den Park zurück und tastete an meiner Gasmaske und meinem Helm herum, als die Spannung am Zaun zunahm.

Ich eilte rechtzeitig zum Zaun zurück, um zu sehen, wie ein kleines Feuer auf dem zuvor erwähnten Müll gelegt wurde. Es wird gelöscht und dann wieder angezündet. DJ LRAD versuchte erneut, vergeblich, eine Art Warnung auszusprechen, die niemand hören wollte. Auf der anderen Seite des Unrechtszentrums brüllte jemand „Scheiß auf Donald Trump“.

Mitternacht kam und ging. Normalerweise markierte Mitternacht die Zeit, in der wir von Bundesagent:innen oder PPB mit Tränengas betäubt und gehetzt wurden. Über 2000 Leute waren immer noch da und wurden mit der Zeit immer weniger friedlich. Unter meinen Füßen klapperte der Zaun und drohte nachzugeben. Eine Handsäge und ein paar Bolzenschneider glitzerten im Blitzlichtgewitter der Feuerwerkskörper und kauten durch den Zaun wie ein Hund an einem Knochen.

Schließlich platzte die Spannung. Gaskanister wurden auf die Demonstrierenden geschleudert, prallten vom Boden ab und spuckten Gas in die Gesichter der Menschen. Der Block von Leuten mit Laubbläsern sprang sofort in Aktion und blies mit ihren Gartengeräten das Tränengas dorthin zurück, wo es herkam. Die Bundesagent:innen setzten sich mehr und mehr dafür ein, dass auch diese zurückgestoßen werden.
Das Feuer vor dem Gerichtsgebäude wurde immer größer. Um 1 Uhr morgens war der Rauch so dicht, dass man das Justizzentrum nicht mehr sehen konnte, wenn man auf dem Gehsteig gegenüber stand. Leute mit Gasmasken blieben an der Front; sie sammelten Munitionskanister als Beweismittel, hielten die Schildlinie hoch oder schrien einfach die Polizist:innen an. Seile tauchten am Zaun auf und begannen zu versuchen, sie herunterzuziehen. Jetzt sind diese Zäune riesige Metallmonstrositäten, die auf dem Fahrradweg stehen und von massiven Betonblöcken an ihrem Platz gehalten werden.

Nach einer Weile, gegen 1:26 Uhr morgens, wurden Bundesagent:innen gesichtet, die seitlich und hinten aus dem Gebäude herauskamen und sich schnell der Menschenmenge auf der Hauptstraße näherten. Jemand verkündete „Lauft, nicht rennen!“ über dem Klang des Feuerwerks.

Weitere Explosionen schwirren durch die Luft, während die Menge versucht, sich von den Bundesagent:innen wegzubewegen. Wir wurden gedrängt und schafften es, in der Nähe der Jimmy Johns eine Zeitlang die Linie zu halten.
Ein Tränengaskanister landet zu meinen Füßen und drei Leute um mich herum sprangen sofort in Aktion, traten ihn von mir weg und legten einen Verkehrskegel darüber, um ihn mit Wasser zu löschen. Während die Luft noch dick mit Gas war, versuchten die Leute, den Park wieder einzunehmen. Wieder wurden sie zurückgetrieben. Es war ein Hin und Her für eine Weile, aber schließlich zogen sich die Feds in ihren Bienenstock zurück.

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