Wirtschaft in Rojava: soziale Ökologie, Kooperativen & Feminismus

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Die kapitalistische Produktionsweise zu verurteilen, ist eine einfache Sache, besonders für diejenigen, die die Hauptlast ihrer Schrecken tragen. Die Herausforderung besteht darin, damit zu beginnen, sich ernsthafte Alternativen vorzustellen, die sowohl unsere gegenwärtigen wirtschaftlichen als auch sozialen Ungleichheiten nachhaltig angehen. Für diejenigen, die sich mit der Überwindung des Kapitalismus beschäftigen, muss die Lösung zwei Komponenten beinhalten. Sie muss einen „Überlebens“-Aspekt beinhalten, um die unmittelbaren Bedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig nachhaltige Alternativen für die Zukunft zu entwerfen. Das heißt, sie muss sowohl defensiv als auch offensiv aufbauen, für die Gegenwart und für die Zukunft. Antikapitalist:innen haben durch Theorie, Prinzip und schließlich durch Experimente auf diesen Aufruf in vielerlei Hinsicht geantwortet. Für einige sah es aus wie eine stark zentralisierte Staatsstruktur, um die Ressourcen dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden (man denke an die Sowjetunion), während andere versuchten, die wirtschaftliche Macht auf die Gemeinschaften, Kommunen und Arbeiter:innenräte zu verteilen (man denke an das revolutionäre Spanien).

In Syrien, inmitten des vom Krieg verwüsteten Landes, bringt eine andauernde soziale Revolution in den Kommunen und Kantonen von Rojava ähnliche Ideen in Form. Das Wirtschaftssystem wird nach den Prinzipien des Demokratischen Konföderalismus aufgebaut: direkte Demokratie, Feminismus und soziale Ökologie. Im Einklang mit diesen Prinzipien wird die Wirtschaft aufgebaut, um die Ressourcen der Gesellschaft zu vermehren, anstatt sie auszubeuten, und zwar so, dass die vielfältigen Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt werden. 

Die Hauptziele liegen in der Kontrolle der Ressourcen in der Nachbarschaft, die Unterstützung der natürlichen Umwelt und die Schaffung einer starken Infrastruktur; die Verschmelzung des sozialen und des wirtschaftlichen Körpers.


Geburtsstunde der sozialen Ökologie in Rojava

Der amerikanische libertäre Sozialist und Ökologe Murray Bookchin definierte die ideale Wirtschaft als eine kommunal geführte moralische Ökonomie, die unter demokratischer Kontrolle steht. Er argumentierte, dass die Kontrolle der Kommunen über die Wirtschaft die am höchsten entwickelte Form des Konföderalismus darstellt. 

Der politische Philosoph und ideologischer Führer der Revolution in Rojava, Abdullah Öcalan, hat Bookchins Theorien zur Sozialökologie mit der historischen Entwicklung des Gemeinschaftslebens in der langen Geschichte des Nahen Ostens verknüpft. Die Idee des als „Demokratischer Konföderalismus“ formulierten politischen Konzepts besteht darin, emanzipatorische Kräfte innerhalb der Gesellschaft zu stärken, die in den ländlichen Strukturen existieren und nicht vom Kapitalismus und der Staatsgesellschaft zur Ware gemacht wurden.

Das Modell, welches in Rojava entwickelt wird und stark von den Schlussfolgerungen von Öcalan inspiriert ist, lehnt die Staatlichkeit ab und steht für die Selbstverwaltung der Gesellschaften und die Ermächtigung der Gemeinschaften, insbesondere der Frauen, auf allen Ebenen der Gesellschaft. Dazu gehört eine Demokratisierung nicht nur des politischen, sondern auch des sozialen und wirtschaftlichen Bereichs. Die angestrebte Wirtschaft wird als „demokratische und kommunale Wirtschaft“ bezeichnet. Dieses Konzept wurde aus der Form des Sozialismus des Demokratischen Konföderalismus entwickelt, der sich sowohl vom Neoliberalismus als auch vom Staatssozialismus unterscheidet. 

Historisch gesehen hat sich die Wirtschaft getrennt von der Gesellschaft entwickelt. Das führte zur Gründung von Ausbeuterstaaten und schließlich zum Wirtschaftsliberalismus. Im Gegensatz dazu machte der Staatssozialismus, der von seinen eigenen wirtschaftlichen Vorstellungen abwich, die Wirtschaft zu einem Teil des Staates und übergab alles an den Staat. Aber [der Staatskapitalismus] unterscheidet sich eindeutig nicht so sehr von multinationalen Firmen, Trusts und Konzernen. Die historische Erfahrung hat gezeigt, dass Rojava einem anderen Modell folgen muss. Die Produktion sollte weder vom Staat noch vom privaten Markt kontrolliert werden, sondern durch die Kommunen und Volksräte, die selbstverwaltete Institutionen sind, und die in der Lage sind, die Bedürfnisse ihrer Teilnehmer:innen zu kennen.

Eine wirtschaftliche Selbstverwaltung ist entscheidend für die demokratische Autonomie und darüber hinaus die Voraussetzung für die demokratische Autonomie. Eine Region, die nicht über ihre eigene Wirtschaft entscheiden kann, kann nicht autonom sein.

In Bezug auf die heutigen Genossenschaften blüht die Vielfalt in Rojava. Es existieren Kooperativen für das Brotbacken, die Textilherstellung, das Nähen und Umbauen, die Käseherstellung und andere Milchprodukte, den Anbau von Obst und Gemüse und den Verkauf von Putzmitteln, der Stromerzeugung und vieles mehr.


Verwüstetes Land 

Die Ausgangslage in Rojava war schwierig. Die Region war wirtschaftlich unterwickelt und unter dem Assad-Regime gezwungen nur Monokulturen anzubauen (hauptsächlich Baumwolle und Weizen), ohne die Möglichkeit, diese Rohwaren zu verarbeiten, sowie einem Zwang des Einsatzes von Pestiziden. 

Das System Rojavas ist das Gegenteil: Diversifizierung, um die Fruchtbarkeit des Bodens wiederherzustellen, die Region autonom zu machen und ihr die Farben und den Geschmack von Kichererbsen, Linsen, Bohnen, Feigen und Kirschen, Granatäpfeln und Aprikosen, Pistazien und Birnen wieder in ihrer früheren Pracht zu geben.

Die ökologische Frage, so Öcalan, wird gelöst, wenn ein sozialistisches Gesellschaftssystem entwickelt wird. Die Verbindung des Kampfes für die Umwelt mit dem Kampf für eine allgemeine soziale Revolution ist notwendig. Also nicht nur Olivenbäume, sondern ein umfassendes Werk, das es den Menschen erlaubt, wieder ein gesundes Verhältnis zu Flora und Fauna herzustellen, die von menschenzentrierten Wirtschaftssystemen betroffen sind, vom Feudalismus bis zum liberalen Kapitalismus der nicht nachhaltigen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. In Rojava ist die Lösung total, weil die aufgezwungene Ordnung bisher total war: die Entfremdung des Menschen von der Umwelt und ihre Zerstörung sind gleichzeitig Symptome und Instrumente innerer Konflikte. Die Antwort ist die Dezentralisierung, die grundlegende gemeinschaftliche Wirtschaft. 

Hier beginnt das sozio-ökologische Mosaik von Rojava: Pflanzen, die weniger Wasser benötigen; die Kombination von Anbaupflanzen, um die Erträge zu steigern; die Wiederaufforstung, die für den Schutz des Grundwassers, die Wiederansiedlung der Fauna und den Kampf gegen die Bodenerosion grundlegend ist; die städtischen Gärten für den Konsum der Stadtviertel; das Verbot der Jagd und des Fischfangs in den Naturschutzgebieten; die Rückgewinnung von Grauwasser für die Bewässerung und von Schwarzwasser für den Kompost. An der Basis steht die Struktur der Kommunen, eine kollektive Bestimmung, die die Trennung zwischen dem Ort der Produktion und dem der Fruchtbarkeit aufhebt und die Rückkehr zum kollektiven Wissen ermöglicht.


Aufbau der Kooperativen

Rojavas wirtschaftliche Unterentwicklung ist gleichzeitig ein großer Nachteil und eine Chance. Sie erlaubt es, den traditionellen sozialen Kollektivismus des kurdischen Volkes positiv zu kanalisieren, um eine neue, alternative Wirtschaft aufzubauen. In der Tat ist die Integration traditioneller Strukturen ein typischer Ansatz der kurdischen Freiheitsbewegung, der Tradition und Emanzipation verbindet. Es muss auch festgestellt werden, dass das Embargo durch alle Nachbarstaaten einerseits zu einem ernsthaften Mangel an vielen Gütern führt, andererseits aber die Entwicklung einer autarken, auf Solidarität und Demokratie basierenden Wirtschaft unterstützt.

In diesem Sinne hat die Bewegung für eine demokratische Gesellschaft (TEV-DEM) zusammen mit anderen Bewegungen wie Kongra Star (die Frauenbewegung in Rojava), Kommunen oder der Jugendbewegung diskutiert, wie eine solidarische Wirtschaft entwickelt werden könnte und in diesem Rahmen erste Kooperativen gegründet werden könnten. Innerhalb der TEV-DEM koordinierte das gegründete Komitee für Wirtschaft hauptsächlich diese Politik, aber auch die Kommunen an der Basis der Gesellschaft wurden direkt einbezogen. Die Strategie bestand darin, die Schritte behutsam und nicht übereilt zu gehen, was zu Misserfolgen wie bei anderen sozialen Revolutionen der Menschheit führen könnte. So wurde 2013 die erste bedeutende Anzahl von Genossenschaften gegründet, sowohl in den Städten als auch in den ländlichen Gebieten. Die Zahl stieg 2014 auf einige Dutzend.

Die Gründung von Genossenschaften war eine der vielen Diskussionen und strategischen Ziele zwischen 2012 und 2014 in Rojava. Innerhalb der revolutionären Bewegung waren es die Kommunen und Frauenstrukturen, die diese Diskussionen leiteten. In der Wirtschaft waren zu dieser Zeit jedoch öffentliche Unternehmen, die von der TEV-DEM kontrolliert wurden, und private Kleinunternehmen viel dominanter. Als die Terrororganisation Islamischer Staat im September 2014 Kobane angriff, hielt für ganz Rojava eine Periode intensiver Verteidigung bis zum Sommer 2015 an. Als eine gewisse Stabilität erreicht war, richtete die gesamte Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit mehr denn je auf die Wirtschaft. Das Bedürfnis nach wirtschaftlichen Strukturen, die Rojava wirtschaftlich sozial gleichberechtigter und unabhängiger von Kapitalist:innen machen, sowohl innerhalb als auch außerhalb Syriens, wurde stärker zum Ausdruck gebracht.

Der Wirtschaftssektor wurde auf demokratischere Weise neu organisiert. Für jeden Kanton wurde eine Versammlung zur Wirtschaft entwickelt, die aus fünf Untersektoren besteht: Industrie, Handel, Landwirtschaft, Genossenschaften und Frauenwirtschaft. Zusätzlich schließt sich dieser Versammlung das Komitee der Demokratischen Selbstverwaltung an, das 2014 gegründet wurde. Es trifft sich monatlich und wählt einen Wirtschaftsausschuss als Exekutivorgan. Die letzten beiden Sektoren sind diejenigen, die den größten Druck für eine Wirtschaft ausüben, die allen Raum gibt, Ausbeutung einschränkt, Lobbyismus und Korruption verhindert und die vorhandenen Quellen im Interesse der gesamten Gesellschaft nutzt. Diese Form der Organisation ist Ausdruck des politischen Ansatzes – die Gesellschaft ist vielfältig, aber zusammen bilden sie ein Ganzes. Die kapitalistischen Elemente der Wirtschaft nicht ausschließen, sondern einbeziehen und sie dann in etwas Solidarischeres umwandeln ist der Ansatz.

Nach zwei Jahren Erfahrung mit Genossenschaften begann 2015 eine breite Diskussion für einen Vertrag über Genossenschaften. Bis 2015 waren die Praktiken der gegründeten Genossenschaften sehr unterschiedlich und teilweise problematisch. Der Druck der Händler:innen mit Beziehungen zum Baath-Regime und sogar der Türkei im Zusammenhang mit dem Embargo hat den Einfluss der kapitalistischen Strukturen auf Rojava nicht eingeschränkt. Diese Einflüsse haben die Profite einiger Händler:innen und sogar einiger großer, neu gegründeter Genossenschaften in negativer Weise erhöht. 

Angetrieben durch den Mangel an einigen wichtigen Grundgütern und finanziellen Engpässen und einer angemessenen Selbstorganisationsstruktur des Wirtschaftssektors, entwickelten sich Genossenschaften wie Hevgirtin oder Kasrek eher wie ein Unternehmen mit vielen kleinen und gleichberechtigten Aktionär:innen, als wie eine Genossenschaft mit dem Ziel der Solidarität und im Interesse der allgemeinen Gesellschaft. Diese großen „Genossenschaften“ wurden auf Initiative des Wirtschaftskomitees gegen die wachsende Macht der privaten Händler:innen im Jahr 2015 gegründet. Sie waren teilweise erfolgreich und konnten in einigen Sektoren das Monopol der privaten Händler:innen brechen, aber sie begannen teilweise in der gleichen Mentalität wie ihre Konkurrenz zu handeln. Doch nach einem Jahr und einer breiten Diskussion – im Herbst 2016 – wurde der Entwurf eines Genossenschaftsvertrages mit vielen Änderungen von fast allen politischen Strukturen in Rojava und Nordsyrien angenommen. Seitdem hat der Genossenschaftssektor einen viel klareren Rahmen, eine klarere Agenda und klarere Ziele. Dies ebnete den Weg für die Gründung von viel mehr echten Genossenschaften in Rojava.

Die meisten landwirtschaftlichen Genossenschaften in Rojava wurden auf Land gegründet, das vom syrischen Staat bewirtschaftet wurde. Ende 2016 haben die Wirtschaftskomitees beschlossen, dieses Land an Personen zu vergeben, die eine Genossenschaft bilden und auf der Grundlage des Genossenschaftsvertrags produzieren. Die bestehenden Kommunen um jedes Stück solchen sozialisierten oder vergemeinschafteten Landes kamen zusammen und wählten die Personen aus, die es bewirtschaften sollten. Auf diese Weise ist die gegründete Genossenschaft den Nachbarkommunen gegenüber verantwortlich. Für eine Genossenschaft in Rojava ist es unerlässlich, dass alle Genossenschaftsmitglieder für die Genossenschaft arbeiten und Entscheidungen auf direktdemokratische Weise treffen. Die Genossenschaftsmitglieder brauchen fast kein Geld, um mit der Produktion zu beginnen, da das Wirtschaftskomitee die notwendigen Werkzeuge und Maschinen leiht und das Saatgut zur Verfügung stellt.

Diese Kooperativen bearbeiten das Land, produzieren und arbeiten in erster Linie für den Eigenbedarf und in zweiter Linie wird die überschüssige Produktion auf lokalen Märkten an das Wirtschaftskomitee oder in einigen Fällen an private Händler:innen verkauft. Die Ernte in den Jahren 2016 und 2017 war recht erfolgreich, und seitdem ist das Interesse an Genossenschaften in der breiten Bevölkerung deutlich gestiegen.

Laut Genossenschaftsvertrag müssen 25% der Einnahmen in die Aktivitäten der Genossenschaft reinvestiert werden, 20% gehen an das Wirtschaftskomitee und 5% müssen an das „Haus der Genossenschaften“ weitergeleitet werden, das eine Koalition aller Genossenschaften des entsprechenden Bezirks (normalerweise bestehend aus einer Stadt und dem umliegenden Gebiet) ist. Sie wurden in allen Bezirken der Kantone von Rojava und vielen anderen Bezirken der „Demokratischen Föderation Nordsyrien“ innerhalb 2017 gegründet. Diese obere Struktur unterstützt die Genossenschaften in ihrer Region auf verschiedene Weise, wie z.B. durch Beratung in dringenden Fällen, und schafft Verbindungen zwischen den Genossenschaften. Das Haus der Genossenschaften besteht aus den Genossenschaftsvorsitzenden aller Genossenschaften, in der Regel eine Frau und ein Mann, und kann sogar in Produktionsbereichen, in denen es keine Genossenschaften gibt, Genossenschaften gründen.


Vereinigung der Genossenschaften

Die Genossenschaftshäuser bilden die Genossenschaftsverbände auf Kantonsebene, die sich ebenfalls auf die Konsultation, die Gründung neuer Genossenschaftsformen und die langfristige politische Perspektive aller Genossenschaften konzentrieren. Im Jahr 2017 wurde viel über die Gründung von Genossenschaften z.B. in den Bereichen Energie, verschiedene Technologieformen oder Lebensmittelkontrolle diskutiert. Ziel ist es, Genossenschaften in allen Wirtschaftsbereichen zu gründen. Schritt für Schritt sollen Genossenschaften überall präsent sein, um einen starken Einfluss auf die Wirtschaft auszuüben.

Die Anzahl der Genossenschaften in den Städten wächst langsam. Es gibt Genossenschaften zum Beispiel in den Bereichen Textilproduktion, Milchprodukte, Kleiderverkauf, Bäckereien, Reinigung, Schreinerei und Übersetzung. Entweder schließen sich einige Kommunen zusammen, um Kooperativen zu gründen, oder die sozialen Bewegungen tun es. Hier ist vor allem die Frauenbewegung aktiv, deshalb ist sie ein separater und starker Sektor innerhalb des Wirtschaftssektors. Hier spielen sie eine besonders fortschrittliche Rolle.

Der Genossenschaftsvertrag legt klar fest, dass alle Genossenschaften nach ökologischen Prinzipien arbeiten sollen. Die Erhaltung der Natur, die Verhinderung der Verschmutzung von Land, Wasser und Luft und der Einsatz von weniger Chemikalien für die Produktion sind hochgesteckte Prinzipien, die langsam, aber stetig umgesetzt werden. So breitet sich zum Beispiel die Verwendung von lokalem und organischem Saatgut und Dünger sowie die Anpflanzung von organischen Bäumen auf dem gesamten Territorium aus.

Im Oktober 2017 wurde die erste Konferenz der Genossenschaften in Nordsyrien organisiert. Es war ein wichtiger Moment in der Organisation einer solidarischen Wirtschaft im revolutionären Prozess. Der Beitrag der Genossenschaften zur Produktion, insbesondere zur Diversifizierung der Produktion, sowie zur Zurückdrängung der kapitalistischen Mentalität in Nordsyrien wurde hervorgehoben. Ein entscheidender Punkt war die Entscheidung, die bestehenden „großen Genossenschaften“, wie Hevgirtin, in echte Genossenschaften umzuwandeln, und die Umwandlung der öffentlichen Unternehmen in Genossenschaften. Ebenfalls stark auf der Tagesordnung stand die Gründung neuer Genossenschaften, die die Produkte aller Genossenschaften an die Gesellschaft vertreiben. Die gesamte Produktions- und Vertriebskette sollte von Genossenschaften beherrscht werden.

Das seit langem geäußerte Ziel der Genossenschaftswirtschaft ist, dass 50% der wirtschaftlichen Aktivitäten von Genossenschaften abgedeckt werden; der Rest wird von hauptsächlich kleinen privaten und öffentlichen Unternehmen übernommen.


Kooperativen stärken Frauen in Rojava

In einem Versuch, die patriarchalischen Beschränkungen zu überwinden, haben die Kurd:innen in Rojava die Emanzipation der Frauen als ein primäres Prinzip betont. Vor der Revolution waren die kurdischen Frauen mit der doppelten Unterdrückung konfrontiert: Kurdinnen zu sein und Frauen, die de facto von ihren Ehemännern abhängig sind. Frauen in der Region sahen sich mit wirtschaftlicher Isolation, Ehrenmorden, Minderjährigenheirat und häuslicher Gewalt konfrontiert. Angeführt von der kurdischen Föderation der Frauenbewegungen, Kongra Star, erklären sie, dass es keine wirklich freie Gesellschaft ohne die Befreiung der Frauen geben kann.

Kongra Star trägt wesentlich zur Entwicklung einer autonomen Frauenwirtschaft in den Selbstverwaltungsgebieten Nord- und Ostsyriens bei. Seit Jahren nehmen die Frauenkooperativen an Größe und Anzahl zu, da sie ein wichtiges Mittel für die Frauen sind, ihre Abhängigkeit von ihren Vätern und Ehemännern allmählich zu verringern.

Die Frauenkooperativen haben sich in alle Regionen Nordsyriens ausgebreitet und sind wichtig für die umfassende Befreiung der Frauen. Bis zur Revolution hatte nur eine kleine Anzahl von Frauen eine Arbeit. Da Frauen in allen politischen und sozialen Bereichen und Gebieten Nordsyriens aktiv sind, sind Frauen mehr und mehr in die Wirtschaft eingebunden.


Wie man die Wirtschaft von Rojava versteht

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wie die bestehende Wirtschaft in Rojava zu charakterisieren ist. Der US-amerikanische Aktivist David Graeber, der Rojava zweimal besucht hat, beschreibt die Wirtschaft von Rojava als aus drei Schichten bestehend: eine internationale Wirtschaft, die mit den kapitalistischen Märkten verbunden ist, aber durch das Embargo verhindert wird; eine Marktwirtschaft, die durch die von den Räten kontrollierten Preise reguliert wird, und eine Gemeinschaftswirtschaft zwischen den Räten. Es ist eine Mischung von Ökonomien, in der jede:r einen Raum hat. Aber es ist eine Wirtschaft, in der die gemeinschaftliche Wirtschaft Schritt für Schritt stärker wird. Je mehr sich die Gesellschaft politisch und ethisch entwickelt, desto stärker wird die Solidarwirtschaft.

Auf diese Weise wird das Wirtschaftsmodell von Rojava als eine Antwort auf den Neoliberalismus der kapitalistischen Moderne interpretiert, und als eine Folge der kritischen Diskussion um den Staatssozialismus. Durch den Aufbau einer kommunalen Wirtschaft verschiebt sich der Fokus vom Tauschwert zum Gebrauchswert der Produkte. Dieser Mentalitätswandel hat, so Öcalan, das Potential, die Probleme der Arbeitslosigkeit zu lösen, die das kapitalistische System geprägt haben. Es gibt endlose Aktivitäten mit hohem Gebrauchswert, die sich nicht in Tauschwerten quantifizieren lassen und daher nicht als produktive Arbeit angesehen werden.

In der kontinuierlichen Entwicklung der Solidarökonomie von Rojava sehen wir ein großes Potenzial für den Aufbau einer nachhaltigen Alternative zur kapitalistischen Moderne. Wir sind überzeugt, dass dies ein wichtiger Schritt für alle ist, die ein Ende der Ausbeutung und der Lohnsklaverei anstreben.

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