Jüngste Aufstände gegen Amazon in den USA

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Während die Corona-Krise viele Unternehmen hart getroffen hat, ist Amazon immer noch so mächtig wie eh und je, sogar umso mehr seit dem Lockdown in den USA und anderen Teilen der Erde.

Mit Tausenden von Geschäften, die auf Anweisung der Regierung geschlossen wurden, hat Amazon diese Versorgungslücke gefüllt und noch mehr Konsument:innen in sein Prime-Imperium verschlungen. Wie zu erwarten war, hat Jeff Bezos alles in seiner Macht stehende getan, um nicht nur seine Amazon Fulfillment-Zentren während der Quarantäne offen zu halten, sondern auch das Leben aller, die dort arbeiten, zu gefährden. Trotz seiner Versprechungen neuer Sicherheitsmaßnahmen unterdrückt Bezos weiterhin jeglichen organisierten Widerstand in seinen Lagerhäusern oder Whole-Foods-Lebensmittelgeschäften und schürt damit eine Gegenreaktion, die wir nun zu beschreiben versuchen werden.

Am 16. Februar 2020, weniger als einen Monat vor der US-Quarantäne, zerstörte eine Gruppe von Anarchist:innen ein Whole Foods in Los Angeles und deaktivierte das Amazon-Schließfach, in dem die Verbraucher:innen ihre neuen Waren abholen können. In ihrer Verlautbarung zu dieser Aktion schrieb die Gruppe: „Amazon hat mit La Migra alias ICE zusammengearbeitet, indem sie Arbeiter:innen ohne Papiere verpfiffen haben, die in den Streik getreten sind. Sie haben die kapitalistische Überwachungsinfrastruktur des Polizeistaates mit Amazon Web Services unterstützt“. Zusätzlich zu all dem hat die Gruppe mehrere Graffitis mit 1312 (ACAB) hinterlassen, um ihren Hass auf die Polizei zu demonstrieren. Während diese Aktion keine Berichterstattung in den lokalen Medien erhielt und durch die aufkommende Pandemie in den USA schnell begraben wurde, gingen die Arbeiter:innen von Whole Foods am nächsten Morgen mit einem Lächeln zur Arbeit.

Als die Quarantäne einsetzte, organisierten die Arbeiter:innen von Whole Foods Ende März einen Sick-Out (ein organisiertes Fernbleiben von der Arbeit unter dem Vorwand von Krankheit), um höhere Löhne, mehr Sicherheitsmaßnahmen und die Schließung aller Whole Foods-Läden mit COVID-19-Fällen zu fordern. Diese Arbeitsniederlegung fand genau zu dem Zeitpunkt statt, als Amazon eine heftige gewerkschaftsfeindliche Kampagne in seinen Läden und Fulfillment-Zentren durchführte, ein verabscheuungswürdiger Versuch, der dazu führte, dass über 500 Fälle von COVID-19 vertuscht oder völlig ignoriert wurden. Die wenigen Arbeiter:innen, die diese schreckliche Situation in Frage stellten, wurden entlassen. Diese Spannung wuchs im Vorfeld bis zum 1. Mai, einem Tag, an dem Tausende von Amazon- und Whole Foods-Arbeiter:innen sich weigerten, ihrer Arbeit nachzugehen, zusammen mit Arbeiter:innen von Target, FedEx, Walmart und Instacart, die alle höhere Löhne und bessere Sicherheitsvorkehrungen forderten. In einer zynischen Geste erhöhte Jeff Bezos ihren Stundenlohn von 15 auf 17 Dollar, nur um anzukündigen, dass diese Erhöhung nur bis Juni anhalten würde. Wie ihr euch vorstellen könnt, waren die Arbeiter:innen sehr verärgert.

Irgendwann um den 1. Mai herum fackelte eine Gruppe von Anarchist:innen aus Solidarität mit den streikenden Arbeiter:innen in Los Angeles einen Lieferwagen von Amazon Prime ab. In ihrem Bericht über die Aktion erklärt die Gruppe, dass sie „nicht tatenlos zusehen konnten, wie die Verbreitung von COVID-19 die ICE-Gefangenenlager in ausgewachsene Todeslager verwandelte“. Amazon stellt die Cloud-Services zur Verfügung, die das Investigative Case Management System beherbergen, die Datenbank, die vom ICE und anderen Bundesbehörden genutzt wird, um öffentliche und private Daten zu sammeln, um Einwanderer:innen zu verfolgen und abzuschieben. Amazon spielt eine Rolle bei jeder Razzia, jeder Familientrennung und jedem Tod durch die Hände des ICE. Wieder einmal wurde diese Aktion in Los Angeles außerhalb der sozialen Medien und des Internets nicht beachtet, obwohl sie den Arbeiter:innen dieser Amazon-Einrichtung sicherlich gefallen hat.

Am 1. Mai, etwa zur Zeit der Brandstiftung, trat ein Vizepräsident von Amazon Web Services nach der Entlassung von „Whistleblower:innen, welche auf Lagerarbeiter:innen aufmerksam machten, die Angst vor COVID-19 hatten“ aus dem Unternehmen aus. In seinem Blogpost schreibt er weiter, dass „das große Problem letztendlich nicht die Einzelheiten der Reaktion auf COVID-19 sind. Sondern, dass Amazon die Menschen in den Lagerhäusern als austauschbare Einheiten nach Pick-and-Pack-Prinzip behandelt. Nur dass das nicht nur Amazon ist, sondern wie der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts funktioniert“. Zynisch schließt er diese Aussage mit der Feststellung ab, dass die Amazon-Arbeiter:innen „wie Scheiße behandelt werden, weil Kapitalismus“. Dieser öffentlichkeitswirksame Rücktritt erhielt massive Medienaufmerksamkeit und repräsentiert nur einen Bruchteil des internen Widerstands, der Amazon plagt.

Am 26. Mai 2020 schlich sich eine Gruppe, die sich selbst die Lorenzo Orsetti Anarchist Brigade nennt, in eine Amazon-Anlage irgendwo in North Carolina ein und zerschnitt die Reifen von acht Prime-Lieferfahrzeugen. In ihrer Verlautbarung schreibt die Gruppe, dass „es nicht nur das Coronavirus ist, welches unser Leben unerträglich macht. Sondern umso mehr unser fortgesetztes tägliches Leben unter Kapitalismus und staatlicher Kontrolle. Amazon und andere Tech-Firmen nutzen das Virus aus, häufen beispiellose Profite an und treiben ihre albtraumhafte Tech-Welt voran“. Diese Aktion fand in den Medien keine Beachtung, aber es gelang ihr, den Tag der Arbeiter:innen dieser Amazon-Anlage aufzuhellen. Es ist zweifelhaft, dass die Gruppe ahnen konnte, dass in den Tagen nach ihrer bescheidenen Aktion ein Aufstand ausbrechen würde.

Am 26. Mai ermordete die Polizei George Floyd in Minneapolis. Zwei Tage später wurde das Polizeirevier der Stadt niedergebrannt. Dieser Anti-Polizei-Aufstand breitete sich über die USA bis nach Los Angeles aus, wo am 30. Mai ein Whole Foods geplündert wurde, während Polizeiautos brannten und Gebäude angezündet wurden. Dieser Aufstand setzte sich bis nach Santa Monica fort, wo am 31. Mai Hunderte von Menschen die Läden auf der Third Street Promenade plünderten. Inmitten des Zertrümmerns der Fenster des Rathauses, des Abfackelns eines Sheriff-Patrouillenwagens, des Diebstahls dutzender Waffen von einem Big 5 und des Anschießens eines LAPD-Beamten ins Bein, plünderte ein Teil dieser riesigen Menschenmenge einen Lieferwagen von Amazon Prime, eine Tat, die nun immer häufiger vorkommen wird. Laut den Fahrer:innen von Prime hat Amazon sie angewiesen, ihre Fahrzeuge zu verlassen, sollten sie jemals von Plünder:innen umgeben sein.

Fünf Tage nach dieser Aktion in Santa Monica brannte ein Amazon-Fulfillment-Zentrum in Redlands bis auf die Grundmauern nieder. Diese Einrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass sie die erste Amazon-Einrichtung in den USA ist, die durch ein Feuer vollständig zerstört wurde. Kurz nach diesem Ereignis behauptete Amazon, dass eine Untersuchung die Ursache des Infernos in „den nächsten paar Tagen“ feststellen würde. Bis heute gibt es immer noch kein Wort über die Ursache, was es sehr wahrscheinlich macht, dass es Brandstiftung war. Angesichts der Geschichte der Brände in den Einrichtungen von Amazon wird Bezos zweifellos versuchen, diesen neuesten Sabotageakt der Arbeiter:innen zu vertuschen.

Es bleibt spannend wie die Streiks und Aufstände gegen das Imperium Amazon weitergehen.

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