Rebellion der Magier: Harry Potter mit Staatskritik

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Rebellion der Magier ist ein Fantasy-Film aus dem Jahr 2019 von Aleksandr Boguslavskiy. In einer fantastischen Steampunk-Welt kämpfen Magier:innen um ihre Freiheit, denn die Magie wird vom autoritären Regime unterdrückt.

Die Hauptfigur des Films ist Abigail, eine junge Frau, die in einer Stadt lebt, welche viele Jahre zuvor eine Epidemie einer mysteriösen Krankheit erlebte und anschließend von der Regierung von der Außenwelt abgeschottet wurde. Seit Ausbruch dieser Epidemie werden die Bürger:innen immer mehr kontrolliert und die Regierung wird immer autoritärer. Maskierte Inspektor:innen in SS-ähnlicher Uniform spüren die Infizierten auf und verhaften diese anschließend. Auch Abigails Vater verschwand auf diese Weise, als sie noch ein kleines Mädchen war.

Abigail hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass ihr Vater noch leben könnte. Schließlich findet sie heraus, dass die mysteriöse Epidemie nie wirklich stattgefunden hat – es war alles ein Riesenbetrug der Regierung. Tatsächlich lebt sie in einer Welt voller Magie. Der Staat wendet dunkle Magie an und versucht alle anderen Zauberer:innen auszulöschen, verbietet die Magie und versucht alle Spuren ihrer Existenz zu vernichten.
Die Epidemie war lediglich ein Vorwand, um die Stadt vor Magie zu reinigen und den Ausbau des autoritären Regimes zu gerechtfertigen. Seit vielen Jahren verhaften die Inspektor:innen weiterhin jede Person, die magische Kräfte zu besitzen scheint, unter der Ausrede sie seien infiziert. Die meisten Einwohner:innen haben keine Ahnung, dass die Regierung nicht ihre Beschützer:innen, sondern ihre Gefängniswärter:innen sind.

Währenddessen entdeckt Abigail, dass auch sie magische Kräfte besitzt. Um den Inspektor:innen zu entkommen, muss sie fliehen und sich auf eine Reise voller Abenteuer begeben. Sie schließt sich einem Bund von Magier:innen an, welche im Untergrund einen Aufstand gegen die Regierung planen.
In der Hoffnung, ihren verschollenen Vater wiederzufinden, nimmt sie den Kampf gegen das autoritäre Regime auf. Einen Kampf für die Freiheit und Gleichheit und für die Rückkehr der Magie.

Rebellion der Magier ist ein fantastisches Märchen, bildgewaltig mit epischen Kämpfen, einer grandiösen Soundkulisse und bezaubernden Steampunk-Elementen. Und vor allem einer wundervollen Story.
Es ist unglaublich, was die Macher:innen des Films mit einem Budget von nur etwa 8 Millionen Euro hingezaubert haben. Die Kulisse und die Effekte können mühelos mit den aufwendigeren Produktionen anderer Fantasy-Filme mithalten.

Mit heutigem Datum hat der Film aktuell 3,2 von 5 Sternen auf Amazon. Diese Wertung wird dem Film in keinster Weise gerecht. Bei vielen negativen Rezensionen fragt man sich ob die Bewerter:innen den Film überhaupt verstanden haben. Auch die Kritik, dass die Handlung des Films zu wenig erklären würde, ist nicht wirklich gerechtfertigt. In nur weniger als zwei Stunden erzählt der Film eine tolle Story, die durchweg spannend bleibt. Während man bei Filmen wie Harry Potter oder Phantastische Tierwesen auch mal bedenkenlos auf die Toilette gehen kann, ist dies bei Rebellion der Magier nicht möglich, da es keine „unwichtige“ Nebenhandlung gibt. Natürlich ist an solchen Nebenhandlungen auch nichts verkehrt – sie sind ein essentieller Teil der Geschichte und tragen zu dem Charme der Geschichten hinzu. Bei Rebellion der Magier ist dies mangels der Zeit nicht möglich. Und seit wann ist es verkehrt, wenn ein Film zum Selberdenken anregt?

Enttäuscht könnten jedoch Zuschauer:innen werden, die sich zu sehr auf die Beschreibung von Amazon Prime verlassen: Ein fantastisches Abenteuer voller Magie, zwischen Steam-Punk und „Phantastische Tierwesen“
In Rebellion der Magier kommt lediglich ein magisches Tierwesen vor. Warum erwähnt man also Phantastische Tierwesen und nicht zum Beispiel Harry Potter? Die beeindruckenden Tierwesen um Newt Scamander machen einen wesentlichen Teil des Charmes von Phantastische Tierwesen aus, selbst wenn die zuvor gezeigten Tierwesen für die eigentliche Handlung unerheblich sind.
Und wenn wir schon bei Harry Potter sind: Laut JK Rowling sind die Dementor:innen und Voldemort bewusst an die NS-Zeit angelehnt. Ihre Geschichte soll vor blindem Glaube an die Autorität warnen. Doch wie konsequent geht diese Warnung, wenn Harry Potter und seine Freund:innen blind Dumbledore vertrauen und nur bestimmte Autoritäten anzweifeln? Es ist völlig unerheblich, ob Dumbledore und andere Autoritäten nun gut oder böse sind – in Harry Potter wird deutlich, dass die Warnung vor dem blinden Glauben an die Autorität ziemlich einseitig ist. Ein grandioser Plottwist wäre es gewesen, wenn sich herausstellt, dass Dumbledore, die Person, die alle blind vertraut haben, am Ende mit Voldemort gemeinsame Sache macht.
Da ist es umso erfreulicher, dass in Rebellion der Magier endlich mal die eigene Regierung die Bösen sind. Solche Geschichten gibt es viel zu selten. Aber um den Film nicht allzu hoch zu loben: dass es im Aufstand nur zwei weibliche Personen gibt, die klassisch wieder um die Gunst der männlichen Hauptperson buhlen, enttäuscht doch sehr.

Abschließend ein Zitat aus Rebellion der Magier, welches das Potential hat zu einem der besten Filmzitate aller Zeiten zu werden:

„Wieso? Dem König müssen doch alle gehorchen?“ – „Oh nein, nein, nein. Weißt du, manchmal, wenn man sich nicht selbst verraten will, muss man nein sagen. Sogar zum König.“

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