Ein Leben ohne Google und co: Schütze dein Smartphone!

Für E-Reader:

Dein Smartphone ist ein wahrer Datenstaubsauger. Es kann den ganzen Tag lang deine Daten auswerten, detailliert aufzeichnen wo du bist, wer du bist und was du machst. Insbesondere Google ist als die größte Datenkrake anzusehen. Alle Informationen, die du bewusst und unbewusst mit Google teilst, landen auf deren Servern. Mit diesen gesammelten Daten erstellt Google ein genaues Profil über dich.

Doch Google ist nicht allein. Auch andere Unternehmen wie Apple, Huawei, Xiaomi und andere stehen regelmäßig aufgrund diverser Datenschutzskandale in der Kritik. Desweiteren beteiligen sich auch Regierungen an der pausenlosen Überwachung. Wem das zu weit geht und wer seine Privatsphäre schützen möchte, der muss sich der vielen Google-Dienste entledigen und sein Smartphone mit einem Custom Rom ausstatten, welches die Privatsphäre des Nutzers respektiert.

Ein Custom Rom ist ein alternatives Betriebssystem, welches das ursprünglich auf dem Smartphone vorinstallierte OS durch ein anderes ersetzt. Es lassen sich allerdings ausschließlich Android-Smartphones mit einem alternativen Betriebssystem ausstatten. Apple sperrt seine Nutzer:innen in ihr eigenes System ein. Einen Ausweg gibt es nicht.
Es gibt auf dem Markt inzwischen eine Vielzahl an alternativen Betriebssystemen, basierend auf das von Google entwickelte Android. Das bekannteste Custom Rom ist Lineage OS. Jedoch kann uns Lineage OS nicht wirklich überzeugen – der Code ist nicht google-frei und daher kann man kaum von einem datenschutzfreundlichen OS sprechen. Wie in unserem Artikel Datenschutzhölle Smartphone beschrieben hat es uns vor allem /e/ OS angetan, ein google-freies Open Source Android-OS, welches großen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt. Das Motto von /e/ lautet: your data is YOUR data.

Seit nun etwas mehr als einem Monat haben wir unsere Smartphones von Google befreit und mit /e/ OS ausgestattet. Nun wird es endlich Zeit für den Testbericht wie sich das alternative Betriebssystem im Alltag schlägt, wie weit man sich von Google lösen kann und welche Möglichkeiten es noch gibt sein Smartphone zu schützen.

Die Installation
Nicht jedes Smartphone kann mit /e/ ausgerüstet werden. Aktuell werden knapp 100 Smartphone-Modelle verschiedener Hersteller supportet. Auf dieser Seite könnt ihr nachschauen welche Smartphones unterstützt werden.
Für den absoluten Laien kann sich die Installation zunächst als schwierig erweisen. Der Bootloader muss entsperrt und anschließend müssen spezielle Befehle eingegeben werden. Wer noch nie ein Smartphone geflasht hat geschweige denn überhaupt am Computer mittels der Eingabeaufforderung Befehle ausgeführt hat, wird sich angesichts der vielen neuen Begriffe wie adb, Brick, Bootloader  oder TWRP, erschlagen fühlen.
Es gibt aber keinen Grund zur Sorge – wer sich vorher einliest wird mit der Installationsanleitung zurecht kommen. Im Zweifelsfall hilft die Community gerne aus. Für den deutschsprachigen Raum gibt es zudem eine eigene Telegram-Gruppe mit vielen hilfsbereiten Menschen.
Nicht jeder unserer Redakteur:innen ist technik-affin und dennoch hat jeder sein/ihr Smartphone erfolgreich flashen können. Für den Test haben wir uns darauf geeinigt uns nicht gegenseitig zu helfen. Lediglich die /e/-Community darf zu Hilfe gezogen werden.

Wem das alles zu viel wird oder Sorge hat etwas falsch zu machen und so sein Smartphone im schlimmsten Fall beschädigt, hat noch andere Möglichkeiten an /e/ OS zu kommen. Die Stiftung hinter dem OS vertreibt refurbished Smartphones mit /e/ (aktuell ausschließlich Samsung-Modelle). Alternativ bietet der niederländische Hersteller Fairphone Smartphones an, auf welchen ab Werk /e/ installiert ist.
Die Community hinter /e/ arbeitet zudem an einem Installer, der die Installation erheblich vereinfachen soll. In Zukunft soll zudem die Möglichkeit bestehen sein Smartphone einzuschicken, damit Profis die Installation für dich übernehmen.

Google Play Store Alternative
Wenn du dein Smartphone erfolgreich mit /e/ geflasht hast, wirst du als Erstes vor folgender Frage stehen: Woher beziehe ich meine Apps?
/e/ hat ab Werk einen eigenen App Store. Bei diesem erkennt man allerdings sofort, dass sich das OS noch im Beta-Stadium befindet (auch wenn alles andere in unserem Test tadellos lief). Die Apps sind teilweise veraltet, Installationen funktionieren nicht, oder es mangelt schlicht an beliebten Apps.

Als Alternative können wir folgende App Stores empfehlen: F Droid, Aurora Store und Aptoide.
Bei F Droid handelt es sich um einen App Store für Open Sorce und sichere Apps. Der Quellcode jeder App steht dem Endnutzer zur Einsichtnahme und Modifikation zur Verfügung. Die App-Auswahl ist überschaubar, für die wichtigsten Anwendungsgebiete wie Mail, Notizen, Kalender, Galerie etc stehen dem Nutzer jedoch diverse sichere Apps zur Verfügung.
Der Aurora Store verbindet dich anonym mit dem Google Play Store. Auf diese Weise hast du Zugriff auf sämtliche (kostenlose) im Play Store enthaltene Apps, ohne, dass du dich mit einem Google-Account einloggen musst. Zudem zeigt dir der Aurora Store bei vielen Apps an wie viele Tracker die jeweilige App enthält. Bei vielen beliebten Apps ist diese Liste erschreckend lang.
Alternativ bietet sich auch Aptoide an, ein Open Source Store, welcher es jedem Nutzer erlaubt einen eigenen App Store anzulegen.

Google Suche Alternative
Es gibt eine Vielzahl an Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Ecosia, Qwant, Mojeek oder Givero. In unserem Test konnte sich allerdings nur Qwant als gute Alternative zur Google-Suche erweisen.
Qwant ist eine Suchmaschine aus Frankreich, welche mit stärkeren Datenschutzbestimmungen wirbt. So werden keinerlei persönliche Daten gesammelt. Qwant setzt lediglich einen Cookie für die jeweilige Sitzung, eine permanente Browserdatei wird nicht angelegt. Nach dem Verlassen der Seite wird der Cookie sofort gelöscht und die Informationen zum Nutzerverhalten werden nicht dauerhaft gespeichert. Die Suchergebnisse sind daher für alle Nutzer:innen gleich – sie sind nicht personalisiert und einer Filterblase wird so vorgebeugt. Qwant konnte uns vor allem mit guten Suchergebnissen überzeugen, was bei vielen anderen Suchmaschinen nicht der Fall war.

Gmail Alternative
/e/ OS bietet euch die Möglichkeit einen /e/-Account anzulegen, mit welchem ihr eMails empfangen und senden könnt und mit welchem ihr eure Informationen synchronisieren könnt.
Das OS enthält bereits eine Mail-App. Alternativ können wir das datenschutzfreundliche Open Source-Projekt FairMail oder Tutanota, dem nach eigenen Angaben weltweit sicherstem eMail-Service, empfehlen.

Google Chrome Alternative
/e/ OS enthält einen auf Chromium basierten Browser, welcher vollständig „entgooglet“ wurde. Aufgrund der Basis ist keine Umstellung notwendig und der Browser erfüllt seinen Zweck tadellos.
Unsere alternative Empfehlung: Brave Browser. Dieser basiert ebenfalls auf Chromium und hat einen eingebauten automatischen Tracking-Schutz. Brave legt großen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre und hat uns persönlich am meisten überzeugen können.

Google Drive Alternative
Wenn du einen /e/-Account angelegt hast, kannst du deine Dateien mit Nextcloud synchronisieren, eine Open-Source-Cloud aus Deutschland.
Alternativ gibt es noch ownCloud, ebenfalls Open Source aus Deutschland, oder Syncthing, eine dezentralisierte Open Source- und Peer-to-peer-Cloud.

YouTube Alternative
Hier wird es tricky. Schon einmal etwas von Vimeo, Dailymotion oder Bitchute gehört? Nein? So ergeht es wohl den Meisten. Beim Thema Videoplattform muss man leider eingestehen, dass es keine Alternative zu YouTube gibt. Glücklicherweise kann man sich jedoch mit alternativen YouTube-Apps aushelfen, wie zB NewPipe oder Youtube Vanced.
NewPipe ist eine freie Mediaplayer-App, welche nicht die YouTube-API nutzt, sondern den Inhalt der YouTube-Webseite ausliest, um an die URL und Metadaten der Videos zu kommen. Auf diese Weise werden deutlich weniger Daten mit Google geteilt. Die App erlaubt das Anlegen von Playlists und Abos, ohne, dass man sich einloggen muss, und hat zudem einige nützliche Features, welche die originale App nicht hat. So lassen sich Videos im Hintergrund oder im kleinen Fenster abspielen oder auch herunterladen. Auch sind die Videos werbefrei. Was NewPipe jedoch nicht kann ist die Nutzung der Kommentarfunktion. Zwar kann man sämtliche Kommentare unterhalb eines Videos betrachten, selber schreiben kann man jedoch keine.
Eine alternative Lösung ist YouTube Vanced, welche der originalen App zum Verwechseln ähnlich ist. Bei dieser App kannst du dich mit einem Google-Account einloggen und hast sämtliche Features, die auch die originale YouTube-App hat (plus einigen Extras wie keine Werbung oder das Abspielen von Videos im Hintergrund). Zur Verbindung mit einem Google-Account nutzt Vanced dabei das microG-Framework, welches auch in /e/ enthalten ist. Dabei handelt es sich um einen Dienst, welches die Anwesenheit der Google Play-Dienste vortäuscht. Auch das von vielen Apps verwendete Push-Nachrichten-System Google Firebase Cloud Messasing lässt sich mit microG nutzen, ohne, dass die Nachrichten über die Server Googles geschickt werden.

Google Translate Alternative
Nach dem Fehlen einer ernstzunehmenden Alternative für YouTube gibt es beim Übersetzer gute Neuigkeiten: der deutsche DeepL Übersetzer leistet nicht nur einen guten Dienst, sondern ist laut Tests diverser Magazine und Zeitungen wie Heise, Golem, Spiegel oder ZDF heute dem Übersetzer von Google weit überlegen.

Google Maps Alternative
Der Kartendienst Magic Earth, basierend auf OpenStreetMap, ist in /e/ OS bereits vorinstalliert und hat in unserem Test sehr gute Dienste geleistet.
Noch besser ist die App OsmAnd aus dem F Droid Store. Diese Navigationsapp besticht nicht nur durch viele nützliche Funktionen, sondern war in unserem Test bei der Genauigkeit dem Konkurrenten Google Maps überlegen.

Google Hangouts / WhatsApp Alternative
Eines der wichtigsten Apps auf dem Smartphone ist der Messenger. Die meisten Menschen greifen dabei zu WhatsApp, einem Dienst von Facebook. Wer Wert auf Privatsphäre legt, der sollte nicht nur von Google Abstand nehmen, sondern auch von Facebook.
Auf dem Markt gibt es unzählige Messenger-Dienste mit den verschiedensten Vor- und Nachteilen. All diese Messenger hier aufzulisten würde den Rahmen sprengen, stattdessen werden wir hierzu in Kürze einen eigenen Artikel veröffentlichen. Bis dahin können wir jedoch schon mal ganz klar den freien Signal Messenger empfehlen, welcher auch vom Whistleblower und Datenschutzaktivisten Edward Snowden genutzt wird.

Spionageabwehr
Die meisten Apps haben unerwünschte Tracker, welche Verbindungen zu diversen Servern aufbauen, von denen die Nutzer:innen nichts wissen und von denen sie auch nicht nachvollziehen kann welche Daten sie übertragen. Dieses Tracking beschränkt sich dabei keineswegs auf Free-to-play-Spiele, Fitness-Apps oder Bildbearbeitungs-Apps. Auch bei kostenpflichtigen Angeboten und Apps großer Magazine ist das Tracking Alltag.
Es gibt jedoch Apps, die hier Abhilfe schaffen. Vor allem sind Blokada und TrackerControl zu erwähnen, welche den Datenverkehr durch eine lokal auf dem Smartphone gebildete VPN-Schnittstelle leiten. Mit diesen Apps können Anwender:innen die weit verbreitete, fortlaufende, versteckte Datenerfassung in mobilen Apps überwachen und steuern.
Blokada richtet sich eher an erfahrene Nutzer:innen, während TrackerControl auch für Laien verständlich ist. Zudem verrichtet TrackerControl unserer Erfahrung nach einen besseren Dienst als Blokada. In der App könnt ihr problemlos einsehen welche Apps welche Tracker enthalten (Hinweis: die Tracker werden erst nach Nutzung der jeweiligen App angezeigt). Zudem könnt ihr auch steuern welche Art von Trackern ihr zulassen wollt. Es gibt Apps, die ohne bestimmte Tracker nicht funktionieren. Sollte es hierfür keine geeignete Alternative geben, könnt ihr dieser App Ausnahmen hinzufügen. Ein Indiz dafür, dass TrackerControl und Blokada ihr Versprechen Werbung und Tracking auszufiltern, recht ordentlich einlösen, ist, dass man sie über den Google Play Store nicht herunterladen kann. Schließlich beruht das Geschäftsmodell von Google im Wesentlichen auf Datensammlung und Werbung.
Wenn ihr sichergehen wollt, dass TrackerControl bei euch zuverlässig funktioniert, könnt ihr folgenden Test machen: aktiviert TrackerControl und ruft Google über den Browser auf. Sollte die Webseite von Google nicht laden, verrichtet TrackerControl seinen Dienst.

Hier deutlich zu sehen: vor allem kostenlose Spiele enthalten unzählige Tracker. Die beim Browser angezeigten Tracker sind übrigens nicht interne Tracker, sondern all die Tracker, welche einem beim Aufruf diverser Webseiten verfolgen möchten

/e/ im Alltag
Auf allen Smartphones, welche wir mit /e/ geflasht haben, hat das OS einen sehr guten Eindruck gemacht. Bluetooth, WLAN und Mobilfunk, und alle weiteren Smartphone-Funktionen funktionieren einwandfrei. Mit Ausnahme des katastrapholen App Stores erkennt man an keiner Stelle, dass sich das OS noch im Beta-Stadium befindet. Das Zusammenspiel der alternativen Google-Dienste wie /e/-Mail, Nextcloud und Notizen lässt keine Wünsche offen und dank des Aurora Stores vermisst man auch keine App nach dem Umstieg auf ein von Google befreites OS.
Größtes Manko hingegen: nach einem Wechsel auf ein alternatives Android-Betriebssystem muss man sich damit abfinden, dass die Qualität der Kamera leiden wird, da die Entwickler:innen entweder keinen Zugriff auf die Kamera-Software der Hersteller haben oder diese aus rechtlichen Gründen nicht nutzen dürfen.

Fazit
Die Freiheit von Google (und anderen Unternehmen mit zweifelhaftem Geschäftsmodell) erfordert an manchen Stellen zwar Kompromissbereitschaft beim Nutzer, doch zahlt es sich durch den erheblich besseren Schutz der eigenen Daten aus.
Wir können /e/ OS (ein „richtiger“ Name folgt mit dem Alpha-Release) uneingeschränkt empfehlen und wer unten stehende Tipps befolgt wird mit einem Smartphone belohnt, welches den Datensammelwahn weitestgehend behindert.

1. Überwache deine Apps mit TrackerControl

2. Suche nach Apps zunächst immer im F Droid Store

3. Sofern du im F Droid Store nicht fündig wirst, beziehe deine Apps aus dem Aurora Store

4. Überprüfe vor jeder Installation einer App ob und welche Tracker die jeweilige App enthält und halte gegebenfalls Ausschau nach datenschutzfreundlichen Alternativen

5. Schalte Bluetooth, NFC und GPS nur an, wenn du es gerade benötigst

Privatsphäre ist NICHT dazu da, dass man etwas verstecken kann, dafür war sie nie gedacht. Sie ist dazu da, dass man sie schützt. Punkt.

Wer noch immer keinen Handlungsbedarf darin sieht, der mobilen Überwachung zu entkommen, weil er „nichts zu verbergen hat“, dem empfehlen wir folgenden Artikel:
7 GRÜNDE, WESHALB „ICH HABE NICHTS ZU VERBERGEN“ DIE FALSCHE REAKTION AUF MASSENÜBERWACHUNG IST

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5 comments on Ein Leben ohne Google und co: Schütze dein Smartphone!

    1. Toller bericht, ich finde es aber sehr traurig, dass ihr /e/ OS so lobt und selber die App SchwarzerPfeil News mit 2 Tracker anbietet! Wasser predigen aber Wein trinken?

      1. Wir hatten einen Dienstleister damit beauftragt eine App für uns zu erstellen, leider hat uns dieser mit dem unnötigen Zusatz abgespeist. Wir arbeiten derzeit an einer Lösung diese loszuwerden. Bitte beachte, dass wir eine Non-Profit-Seite sind und daher die finanziellen Mittel begrenzt sind.
        Fürs Erste erledigt TrackerControl seine Arbeit diese Tracker zu blocken – eine bessere Version der App folgt hoffentlich bald.

        1. Es wäre schön wenn vor der Installation eine Warnung vor den Tracker eingeblendet werden würde und zudem der Tipp mit der TrackerControl App. Leider ist eure App mit TC unerträglich langsam weil TC die Tracker verarbeiten muss. Weshalb wird hir nicht auf die App generell verzichtet und anstelle die Handy News Reader App aus dem F-Droid Store verwiesen? Ihr braucht so kein Geld für eine App auszugeben und eure Nutzer/innen können mit der App trackerfrei eure und andere News konsumieren?

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